Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

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Moderator: Gerry

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Christian
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Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von Christian »

Hallo Leute!

Heute habe ich die Geschichte einer Odyssee zum hoffentlich vorläufig positiven Abschluss gebracht:

Wir einige wissen, baue ich mir gerade ein ServiCar auf.
Für dieses ServiCar lagen die Unterlagen (KBA, Unbedenklichkeitsbescheinigung, US-Brief, Zollpapiere usw.) beim Straßenverkehrsamt Gummersbach. Dort hatte sie der importierende Händler, ein Rainer Wandelt aus Olpe, hinterlegt um sich ggfs. den Brief ausstellen zu lassen. Den Rahmen mit Motor Gabel usw. hatte ich im Winter 1996 gekauft und alsbald mit dem Wiederaufbau begonnen. Wegen Familiengründung, Renovierung usw. blieb das Projekt in der Frühphase stecken sodass ich im Winter 2005/2006 erst wieder dazu kam, weiter zu machen. Nun komme ich langsam zum Ende und dachte mich mal beim Straßenverkehrsamt wegen der Zulassung bzw. Papiere zu melden. Dort konnte man sich dank früherer Telofonate und Briefe offenbar noch leidlich an mich erinnern, teilte mir aber mit, dass die Unterlagen schon längst vernichtet waren und auch keine Kopien vorlägen. :shock:

Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich mich in dem Moment fühlte: Beschissen! :cry: :shock:
Denn ohne Papiere keine Zulassung und trotzdem viel Geld ausgegeben.

Zum Glück hatte ich aber noch die Kopie des Antrages auf Ausstellung des Fahrzeugbriefes mit der Angabe sämtlicher eingereichter Papiere, den der Händler seinerzeit eingereicht hatte - und natürlich den Kaufvertrag. Als gelernter Kaufmann habe ich natürlich eine gut sortierte Ablage, gelernt ist gelernt. Der Gummersbacher Sachbearbeiter war sehr entgegenkommend und bot mir umstandlos an, mir eine Bestätigung auszustellen, dass die Unterlagen mitsamt Brief vollständig vorgelegen hatten und nach einiger Zeit vernichtet worden waren. Diese Bestätigung habe ich mir heute abgeholt. :D
Er bot außerdem an, dass sich die Kollegen des hiesigen Straßenverkehrsamtes mit ihm in Verbindung setzen können, wenn sie noch Fragen hätten. :)

Gleichzeitig habe ich auch noch einen Versuch beim Zollamt in Gummersbach gestartet - man kann es ja mal versuchen. :idea: Und - Bingo! :D
Dort konnt man anhand der Fahrgestellnummer die Akte (sie wird erst im Januar 2008, also nächsten Monat vernichtet!) herausholen und mir eine Ersatzbescheinigung über die ordnungsgemäße Einfuhr und Verzollung ausstellen. :D
Die Akte selber konnte man mir nicht aushändigen, weil - wegen der Einfuhrumsatzsteuer - das Steuergeheimnis des Händlers berührt sei. Vernichtet werden kann sie aber. :x

Nun bin ich guter Hoffnung, dass ich das ServiCar im kommenden Jahr auf die Straße bringen kann. Ein paar Kleinigkeiten fehlen ja noch, wie z.B: die Elektrik und eine Springergabel mit Vorderrad. Wer eine solche abzugeben hat, der schicke mir bitte eine PM.

Gruß, Christian, dem ein Mordsklumker vom Herzen gefallen ist.
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Gerry
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Re: Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von Gerry »

Das klingt nach mächtig Schwein gehabt!

Gruß,
Gerry
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Mischirojo
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Re: Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von Mischirojo »

Hallo Christian
Mein Glückwunsch zu soviel Glück.Ist doch schön wenn mal was klappt.Denke das der Rest jetzt kein großes Problem darstellen wird.Hoffe das wird dann mal ein paar Foto´s zusehen bekommen.
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SuperGauzy
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Re: Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von SuperGauzy »

ja, man... da haste aber echt schwein gehabt! da steht einem aber auch der kackstift schon fast in der hose, wenn man mitgeteilt bekommt dass die pfeifen vom strassenverkehrsamt schon alles vernichtet haben.
:shock: finde ich auch seltsam...> ich als geschäftsmann muss meine rechnungen und papiere min. 15 jahre lang aufheben und die können den scheiß irgendwann ohne zustimmung vernichten. :roll:
SuperGauzy
:riding:
Christian
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Re: Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von Christian »

Hi Leute!

Als ich im Auto saß und die Papiere endlich beieinander hatte habe ich auch erst mal drei Kreuze geschlagen.

Darum schreibe ich das ja hier auch: Als Warnung, dass man sich nicht so viel Zeit lassen möge, bis man die Mühle fertig hat. Ich habe fast 6 Jahre alles stehen lassen bis ich das Projekt wiederaufgenommen habe. natürlich ist es saudoof, wenn man sich darauf verlässt, dass schon alles da sein wird. Aber was man in der eigegen Tasche hat, das sollte am besten aufbewahrt sein, sage ich mir als gelernter Ablagenorganisator jedenfalls.

Ich muss aber auch sagen, dass man bei den Behörden sehr freundlich war (ich war es ja auch!) und gerne bereit war, mir zu helfen. Ich denke, da hat sich einiges geändert im Umgang mit dem Bürger. Bedenken sind manchmal immer noch da, aber auch die Bereitschaft zu helfen.
Wenn ich da so an meine Erstzulassung der BigTwin in Berlin denke. Damals wollte man die Karre trotz US- und Zoll-Papiere erst mal beschlagnahmen. Aber das war ja auch noch zu Zeiten eines KHK Bormanns. Wer wissen will was Ende der 80er und Anfang der neunziger in Berlin so abging, der frage mal nach bei den "Born to be Wild" oder Ex-"Dragons". Da wurden mal eben wegen des Verdachts auf geklaute Teile 10 Mopeds mit nen Kran auf den LKW gehievt und nach Monaten ergebnislos freigegeben. Nur das die Böcke reihenweise beschädigt waren. Kein Wunder, wenn man die einfach so aufeinanderschmeisst und abtransportiert.
Nun, die Dragons haben sich über die 100.000 DM Schadensersatz gefreut. Und manch andere Biker mit ihnen.

Aber ich denke, das ist vorbei. Heute gibt es viele Rocker/Biker, die ein gesittetes Leben führen und trotzdem ne Menge Spaß haben. Muss ja nicht alles grenzwertig sein, was man tut.
Obwohl mir bei manchen ein wachsames Auge immer noch angebracht erscheint. Wenn ich so an Münster am 17. 12. denke. Da treffen sich ja keine Chorknaben.....

Gruß, Christian
Panzer
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Re: Zulassungspapiere: Geschichte einer Odyssee

Beitrag von Panzer »

Was ist den am 17.12 in Münster so Furchterregendes?.
Christian54
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Re:@panzer

Beitrag von Christian54 »

Schau mal bei ride free nach.

Gruß Christian

http://new.ride-free.de/
Panzer
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Re:@panzer

Beitrag von Panzer »

Moin
Na ja,ich dachte bei"treffen sich keine Chorknaben" wüßte der andere Christian vieleicht näheres wer sich da trifft........,wenn er schon Paar Tage vorher weiß wer sich da trifft. :D
Christian
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Re:@panzer

Beitrag von Christian »

Hallo Panzer!

Die Chorknaben war nur eine weihnachtliche Umschreibung von zwei Clubs, die nicht gerade freundschaftlich zueinander stehen und eine Termin in Münster beim Gericht haben.

http://www.ride-free.de/index.php?optio ... 7&Itemid=1

Dass man da keine freundlichen Worte miteinander wechselt, davon gehe ich aus.

Wobei ich das nie verstanden habe: Als minore Subkultur (=Rocker) sich untereinander das Leben schwer machen.
Wenn es aber stimmt, dass es weniger um das Rockersein als um wirtschafts(kriminelle?) Aktivitäten geht, dann verstehe ich das schon besser. Und der größere Rest der Bikerszene kriegt das Klischee aufs Butterbrot geschmiert und steht kopfschüttelnd daneben.

B-r-o-t-h-e-r-h-o-o-d buchstabiere ich anders.

Schade drum.

Gruß, Christian
maruski
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Re:@panzer

Beitrag von maruski »

Tja, das alte ambivalente Thema. Aber wenn ich ehrlich bin kann ich es besser ab mit den Rockern in einen Topf geworfen zu werden, als mit den Hoggis. Auch wenn es bei neutraler Beobachtung der Verhaltensmuster beider Gruppen faktisch weniger Unterschiede zwischen denen gibt, als es so auf den ersten Blick erscheinen mag. Es sind halt nur unterschiedliche Gruppen aus unterschiedlichen Milieus und den dazu gehörigen (und von außerhalb der Subkultur oft unverstandene) Symbolen und Verhaltensmustern, aber jeweils in Strukturen, die extrem fremdgesteuertes Verhalten beinhalten. Nur wie schon im Easy Rider am Lagerfeuer bemerkt, sag/zeig denen nie, dass sie unfrei sind, denn dann kämpfen sie gegen dich, um zu beweisen, dass sie frei sind.
Gruß Maruski
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Mischirojo
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Hoggi´s vs.Rocker

Beitrag von Mischirojo »

Ein wahres Wort gesprochen.Maruski
Manchmal drängt sich mir der Verdacht auf das jede Seite so sein möchte wie die andere.
maruski
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Re: Hoggi´s vs.Rocker

Beitrag von maruski »

Mischirojo, das habe ich ein wenig anders gemeint. Beide Seiten wollen eben nicht so sein wie die andere Seite, verachten die sogar ausdrücklich, sind aber faktisch doch gleich. Das ist ja das Paradoxon dabei. Ob da nun der Chef-HOG oder der Präsi das große Wort schwingt, Hierarchie und Clubgeeiere sind doch fast gleich. Und bei den großen Clubs fühle ich mich sowieso immer irgendwie an die "Volksfront von Judäa" vs. die "Judäische Volksfront" erinnert. Gruß ins Wochenende. Maruski
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Christian
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Rockerparadoxon

Beitrag von Christian »

Hi Leute!
maruski hat geschrieben:Nur wie schon im Easy Rider am Lagerfeuer bemerkt, sag/zeig denen nie, dass sie unfrei sind, denn dann kämpfen sie gegen dich, um zu beweisen, dass sie frei sind.
Gruß Maruski
Tja, das sogenannte "Rockerparadoxon", welches im Grunde nichts anderes beschreibt als das typische Verhalten von Sekten:
Man etabliert sich in subkulturellen Strukturen, die mit hohem Symbolgehalt aufgeladen werden, extrem gängelnd sind, sich durch eine ausgesprochene Uniformität kennzeichnen und gleichzeitig durch den herrschenden Konformitätsdruck eine massive Abgrenzung gegenüber allen anderen Gruppen und Einzelpersonen etablieren. Dabei sind Fremdabwertungen und Selbstaufwertungen äußerst hilfreiche Techniken. Die Mitglieder der Gruppe sind einander zu äußerstem Zusammenhalt verpflichtet, gleichgültig ob ein Mitglied im Recht oder im Unrecht ist. Die Regeln der Gruppe stehen über allen anderen Regeln und sind für alle Mitglieder ohne Ausnahme verpflichtend. Es gilt das Gesetz der Gruppe, festgelegt durch die Gruppenfüher und das durch Symbole (Motorräder, Kleidung und Patches!) manifestierte Selbstbild der Gruppe. Und es gilt das Gesetz des Schweigens (Omerta). Dadurch kommt ses häufig zu einem starken Druck nach innen, der sich auch gewaltätig entladen kann. Zum Konformitätsdruck nach innen gehört, dass Austritte oft unterbunden werden und Austretende massiv verfolgt werden.

Wer dagegen verstößt, ist Todfeind, egal ob Ex-Insider oder Outsider.

Gleichzeitig hält man sich wegen des Nischendaseins für besonders frei. Jeder Hinweis auf den offensichtlichen Widerspruch wird mit brachialen Methoden bekämft oder geleugnet, wo eine Bekämpfung nicht möglich ist.

Das kennt man auch aus Paralellgesellschaften und Sekten. Es ist aber auch immer ein Zeichen von individueller Selbsteinordnung in bzw. und Abgrenzung zu eine(r) Gesellschaft. Entziehen kann mensch sich dem nie hundertprozentig, da wir alle nicht nur praktisch handeln und sind sondern immer auch symbolisch und damit Einstellungen und Verhaltensweisen zum Ausdruck bringen, die von anderen geteilt oder abgelehnt werden.

Gruß, Christian
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