Warnweste nicht vergessen!Gerry hat geschrieben:Verschoben. - So..ich fahre nur Runde mit meiner Street Glide.
Gruß,
Gerry
Harley History
Moderator: Gerry
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Re: Harley History
Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen. (Walter Röhrl)
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Hallertauer
Re: Harley History
maruski hat geschrieben:Hallo Leute,
da haben wir ja mal wieder einen Klassiker und ein Superthema zum Sonntag (während ich meinem Sohn Geometrie beibringe).
Also nur weiter lesen wenn Bock drauf.
Die Differenz zwischen gestern, heute und morgen und die daraus resultierenden Dissonanzen der eigenen Wahrnehmung sind ein menschliches Problem, für das jeder von uns eigene Strategien entwickelt. Bewährte behalten wir bei, unfunktionale verwerfen wir.
Über neue Erscheinungsformen eines vermeindlich "bekannten" Gegenstandes (Motorrad), wie z.B. eine TC, zu meditieren, ist ja letztendlich müßig, da ja wohl nicht der reale Gegenstand gemeint sein kann, sondern dessen Verhältnis zu dem "Ding an sich" (dem Ideal eines Motorrades), dass wir alle, jeder auf seine individuelle Art, in uns tragen.
Meister Kant hat das sehr ausführlich durchdacht und erklärt.
Wir haben zu allen Dingen eine eigene Meinung, die sich aus der Relation der Dinge zu unseren Fähigkeiten sie wahrzunehmen und ihren innewohnenden Eigenschaften, die unsere Wünsche mehr oder weniger erfüllen können, erwächst.
Haben wir uns auf eine Sache eingegroovt, wie z.B. ich auf den Shovel und für uns erkannt, dass wir damit so nahe wie denkbar an unser "Ding ansich" gekommen sind, dass wir in uns fühlen, schafft jede Veränderung unseres so stabilisierten "Weltbildes" (wie der Anblick eines neuen oder unbekannten Motorrades) natürlich eine Notwendigkeit für neuen Energieaufwand, um die Relation zwischen dem neuen Gegenstand und dem "Ding ansich" in uns herzustellen.
Es kann ja immer sein, dass sich unsere Wünsche ändern und daher dann ein neuer Gegenstand dem "Ding ansich" besser entspricht.
Am einfachsten ist bei unserer Bewertung des neuen Gegenstandes die Ignoranz. Ich fahre z.B. keine neuen oder häßlichen Motorräder zur Probe - weil es keinen Sinn macht.
Was mir total egal ist, brauche ich nicht verarbeiten.
So habe ich z.B. absolut keinen Energieaufwand, wenn irgendein Bundesligaverein einen neuen Trainer anheuert, weil mir diese neue Sache am Arsch vorbei geht, wie die Autobahn an Frankfurt, sechspurig.
Andere Menschen, die ein "Ding ansich" zu der Bundesliga in sich erschaffen haben, um diese für sie wichtige Sache für sich erfassen zu können durch entsprechende, durch vorgefasste Meinungen manifestierte Komplexitätsreduktion (Energiesparen), also meinen für sich einen Maßstab zu haben, anhand dem sie Urteile fällen können, müssen in so einem Fall sehr viel Energie investieren, um den neuen Heiopei in ihr "Weltbild" einzubauen, damit es stabil und handelbar bleibt.
Zurück zum Mopped ist es für mich mit 21 so gewesen, dass der erträumte Shovel endlich unter imensen Mühen da war und ein Traum in Erfüllung ging, da ich bis heute nicht weiß, was ich mehr von einem Motorrad erwarten will.
Der Shovel kommt den "Ding ansich" in mir, dem idealen Motorrad, immer noch sehr nahe (durch all die Modifikationen sogar immer näher) und es sind halt nur die Feinheiten, die immer mal wieder nachjustiert werden müssen (aktuell brauch mein Hocker die Fournales repariert und den SU genau so - "Bikers Work is never done").
Der gesamte Tuning- und Custombereich lebt davon, dass Menschen mit Umbauteilen von der Stange versuchen einen uniformen Industriegegestand ihrem "Ding ansich" anzugleichen.
Kant geht nun davon aus, dass es für alle Menschen und sogar vom Menschen unabhängig, zu allem Sein ein unerkennbares "Ding ansich" gibt.
Das nennt sich dann Metaphysik.
Das halte ich für unsinnig für das reale Leben, da wir uns jeder unser eigenes und damit reales Ideal erschaffen, so wie es zu unserer einzigartigen Lebenssituation passt.
Bei mir ist es aus diversen Gründen der Shovel geworden und nach so langer Zeit der guten Praxis ist dieses Ideal auch sehr stabil.
Ich kann mir nicht vorstellen mir mehr oder anderes von dem idealen UND realen Motorrad zu wünschen.
Ich bevorzuge also die Strategie der Ignoranz (nicht Ablehnung) neuer Dinge, wenn sie nicht eine weitere Annäherung an das "Ding ansich" in mir bringen.
Computer z.B. beschleunigen den Schriftverkehr und den Datenaustausch so enorm, dass es mir in vielen Lebensbereichen schwer fallen würde auf diese Anäherung an dieses "Ding ansich" (schneller und zuverlässiger Kontakt zu Mitmenschen) zu verzichten - zumal ich es mir durch deren Lebenspraxis auch gar nicht aussuchen kann.
Die Schneckenpost hat da dann einen ganz anderen Fokus (materiellen Kontakt zu Mitmenschen mit zeitlicher Distanz), so wie Telefonieren, sehr gerne ohne Kabel an der Wand, etwas anderes ist (auditiver Kontakt zu Mitmenschen in Realzeit).
Daher wäre es genau so unsinnig E-Mail mit Briefen oder Telefonieren mit Realgesprächen zu vergleichen, auch wenn ich natürlich eine Rangfolge in Bezug auf Kommunikationsformen aus diesen vier Begriffen entwickeln kann, die ich in Relation zu meinem "Ding ansich", dem abstrakten und nie realen Kommunikationsideal, dem ich mich nur annähern kann, setzen muss.
Und daraus mag erwachsen, dass mir das Gespräch vis-a-vis am nächsten an dieses Ideal kommt und ich die anderen Methoden anwenden kann, wenn andere Aspekte (Schnelligkeit, Verbindlichkeit, etc.) erwünscht sind.
So ist es für mich auch mit dem Shovel, der dem Ideal "Motorrad" konkurenzlos nahe kommt.
Eine Weltreise würde ich immer mit einem leichteren und zuverlässigerem Motorrad machen, z.B. mit einer SR500.
Was also nicht heißt, das ich meine Dnepr (Einkaufswagen dran) oder SR500 (Wheeliefähig, leicht) nicht auch gerne nutze.
Würde jemand mich fragen ob das Motorräder sind, würde ich antworten "Nicht ausreichend, in meiner Wahrnehmung fehlt ihnen dafür zuviel."
Was mir natürlich den Zorn aller SR Freaks entgegenbringt und unreflektiert zu einer Nonsensekommunikation führt, da wir eben nicht über das Gleiche reden.
Ich kann aber aus meiner Position an 1000 und einer Sache erklären, was an der Japanerin oder dem Russen fehlt, zu dem was ich von einem idealen Motorrad, dass es nur in meiner Vorstellung geben kann, nie in Echt, erwarte.
Da kann man sokratisch vorgehen und erstmal mit jedem Gesprächspartner (und zuerst mit sich selber- Gnoti seauton!) das "Ding ansich" heben, um es vergleichen zu können.
Wenn einer nun nur glücklich ist auf den Knopf zu drücken und anzukommen, nur bei Sonnenschein fährt und in Motels übernachtet und all das als sein "Ding ansich" hat, also genau das vom idealen Motorrad erwartet, wäre es sinnlos mit ihm seine BMW Adventure, die das alles kann, mit meinem Shovel zu vergleichen.
Würde ich alles was ich von einem Motorrad verlange mit der BMW versuchen, würde ich genau so permanent enttäuscht, so wie er wenn er sein Ideal mit dem Shovel zu erreichen versuchen würde.
Also alleine schon von diesem Standpunkt muss eine Diskussion über Motorräder scheitern und es gilt der Satz "If I´ve to explain, U won´t understand!"
Andere Strategien, die ich nicht weiter ausführen will, da mein Sohn das mit Fläche und Umfang beinahe begriffen hat, sind Ablehnung "Alles ausser Shovel ist Mist!".
Auch sehr einfache und energiesparende Strategie, die aber in der taktischen Umsetztung oft nicht so gut kommt.
Rationale Erfassung des neuen Gegenstandes, nach einem vermeindlich objektiven Maßstabs (z.B. ökonomische, ökologische oder gesellschaftliche Gründe wie auch Status oder Mythos) ist eine weitere Strategiegruppe, die gerne praktiziert wird.
Dann gibt es auch Menschen, die sich all diese Mühen nicht machen und einfach nur nachplappern was andere ihnen zu dem "Ding ansich" vorgeben.
Das ist total einfach und daher weitverbreitet, wie oben schon anhand der Tuning- und Custonteile angedeutet.
DIY - also Selbermachen, ist beim Denken und beim Schrauben immer die schwierigste und energieaufwendigste Variante, die aber letztendlich, weil sie echt viel kostet an Energie, auch am meisten Befriedigung bringt.
Hab ich mein "Ding ansich" annähernd erfasst und in der Realität etwas sehr passendes gefunden, bin ich glücklich, weil es geglückt ist Ideal und Real hinreichend anzunähern. (Gilt so übrigens als eine der Glücksformeln für alle Bereiche des Lebens)
Was nix kostet, ist auch nichts wert, was viel kostet ist uns auch viel wert.
So ist der hohe Preis einer neuen Harley das bequeme Äquivalent zu den unzähligen Stunden, die wir in unsere Hocker stecken und ergo hat der Zahnanwalt sich das gekauft, was wir uns erarbeiten mussten.
natürlich geht man davon aus, dass er sich für das Erlangen des Preises ebenfalls mit anderen leistungen bemüht hat, die man also auch anerkennen sollte.
Und hier kommt wieder viel Dissonanz ins Spiel, weil der eine dem anderen das nicht zugesteht, so wie man entlos (und sinnlos) über das "Ding ansich" bezgl. Motorrad palavern kann.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich, wie gleich, meinen Shovel sehe, über die gute Relation von Ideal und Real, die ich damit hinbekommen (nicht gekauft) habe und kann mir keinen anderen Gegenstand vorstellen, den ich "mein Motorrad" nennen mag.
Egal wieviele Zweiräder da noch in meiner Garage rumstehen.
Aber ich lebe gerne in dieser Zeit und freue mich über die positiven Veränderungen bei Dingen, wo ich nicht diese Relation von Ideal und Real, wie beim Shovel, noch nicht erreicht habe.
Kann mir ernsthaft auch keiner erzählen, dass er wirklich in den fuckin 30ern oder den miefigen 50ern leben wollte.
Einen Peter Kraus Film mit den Eltern gucken und die Gruselfrequenz ist maximal.
Wir leben heute für mich vernünftig unbestreitbar (gerne diskutiere ich andere Meinungen) in der besten aller je gewesenen Welten (auch wenn ich, vor allem nach fünf Bier, die Zeit vor 1990 BRD/DDR als privat schöner erinnere, weiß ich, objektiv war es damals nicht besser).
Was wollte ich heute z.B. mit nem Caddilac Eldorado Cabrio? Sowas braucht kein Familienvater (ein faktischer Parameter, an dem viele Ideal sich heute bei mir messen lassen müssen).
Aber geil war der 501er V8 dann doch!
Und vielleicht ist für einen 80jährigen Maruski dann der Kickstart, das Gewicht, die Vibrationen oder die Schraubintensität das Aus für den Shovel, weil das "Ding ansich" (Motorrad) dann eben drei Räder und E-Start braucht, um Ideal und Real weiterhin hinreichend zu verbinden.
Panta Rhei - alles fließt.
Und die History der MoCo zeigt ja vielleicht nur den Versuch denen, die sich eine erste Annäherung an ihr Ideal kaufen wollen, den Weg besonders leicht zu machen.
Jedes Modell auf der Liste ist so ein netter und oft auch komischer Versuch, der respektiert werden sollte.
Wenn ich allerdings annehme, dass der MoCo und ihren Kunden das Motorrad als "Ding ansich" fremd oder egal ist und es nur um den schnellen Dollar, bzw. den einfachen Konsum von Gefühlen geht, erübrigt sich alle Diskussion.
Einen beliebigen Modeartikel mit einem "Ding ansich" zu vergleichen ist unsinnig.
Da kommt man dann zu dem Punkt Menschen mit Menschen zu vergleichen, wo unser Selbstbewusstsein unser "Ding ansich" ist, dass wir uns allerdings auch sehr mühsam erstmal erschaffen müssen.
Wer da glaubt sich sein Selbstbild einfach (Widdewitt wies mir gefällt) kaufen zu können, kommt in große Probleme, da er permanent auf Bestätigung der Mitmenschen angewiesen bleibt, die ihm so nur seinen Konsum und nicht seine Fähigkeiten rückmelden können.
Wir alle erkennen uns selbst durch die Reaktionen der Umwelt auf uns. Physikalisch (oft durch ein "Aua!") und psychologisch (noch häufiger durch ein "Aua!") brauchen wir den Kontakt zur Umwelt, um uns selber als Mensch zu erkennen.
Und der Shovel ist da ein hervorragendes Gerät viele meiner mir lieben Eigenschaften zu leben und zu kommunizieren und rückgemeldet zu bekommen.
So und nun in die Garage, Kickergetriebeausrückzahnradbuchse wechseln um wieder ein wenig glücklicher zu sein, wenn der Kicker nicht mehr durchratscht.
Munter bleiben!
Gruß vom geometrischen Wiesenrand.
Maruski
WOW !!
Auszug aus deiner Doktorarbeit ?
Gruß TOM.