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Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 10.06.2019, 19:18
von ron
Seltsam, scheinbar hast Du ja schon einiges ausgetestet.
Trotzdem nochmal:
1) welches Verdichtungsverhältnis hat Dein Motor (evtl. gewagte 10:1 Kolben drin?)
2) welche Nockenwelle?
3) macht die Kontaktzündung überhaupt voll auf oder zu viel?
Kontrolle - ich gehe vom häufigen Punkt für OT und Strich für Frühzündung aus. Von ~70-77 OE üblich:
Vorzündungsmarke (Strich) mittig Schauloch =35°, sollte der, z.B. mit einer gekröpften Zange, im Gegenuhrzeigersinn, gegen die Feder gehaltene Unterbrechernocken den Kontakt gerade leicht öffnen. (Zigarettenpapier oder Kontrolllampe verwenden.)
Gegenkontrolle OT Marke (Punkt) rechts ins Schauloch gestellt =5°, sollte der Kontakt (ohne drehen am Nocken) ebenfalls gerade öffnen.
Neue, hptsl. Aftermarket Zündversteller öffnen oft zu wenig.
Alte oder OE Versteller, mit abgenutzten Anschlagbolzen, zu viel.
Allerdings läuftt mein Moped mit 8,5:1 Kolben und 495er Nocke auf fast 10° am Stand und rd. 39° volle Vorzündung am Besten und klingelte nur einmal, als ich Normalbenzin (<90ROZ) tankte.
Zurückschlagen tat sie nur in meinen Anfängen, als ich irrtümlich, nach Bücheli Handbuch, die Zündung schon am Stand auf 35° stellte. Damals klingelte sie beim Beschleunigen auch. Sprang zwar schlecht an, lief aber seltsamerweise ansonsten trotzdem.
4)wenn es "Magerklingeln" wäre, würden die Kerzen blitzsauber sein, die silber- oder messingfarbene Beschichtung von Masseelektrode bis zum Gewinde wäre weggebrannt, die Anlauffarbe der Masseelektrode (der Farbunterschied sollte bei korrektem ZZP etwa in der Biegung zu erkennen sein) nicht mehr vorhanden, die Elektroden rund gebrannt, und schlimmstenfalls "Pfeffer" - schwarze bis silbrig glänzende Pünktchen - am Isolator.
Doch so gefährlich mager, laufen unsere Mopeds üblicherweise gar nicht, ohne die Gefahr vorher durch Schießen und Aussetzer, wie bei leerem Tank, angekündigt zu haben.
Gruß
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 10.06.2019, 19:45
von Becko
Lt Rechnung der Motorrevision des Vorbesitzers ist Nocke und Kolben Standart. Kontakte öffnen voll. Eingestellt und überprüft habe ich sie auf 35 Grad vor OT mit verdrehtem Fliehkraftregler. Also genau so, wie beschrieben. Der Fliehraftregler hat ja innen diesen kleinen Zentrierstift der in der Nut Platz findet. Der Stift ist jetzt nicht unbedingt super passig mit der Nut, d.h. Der Versteller hat minimal Spiel. Ist das zu tolerieren? Vielleicht sollte ich mir mal einen neuen gönnen.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 10.06.2019, 21:59
von ron
Wie angedeutet und beschrieben: soo heikel ist der ZZP nun auch wieder nicht, was klingeln betrifft.
Ich dachte eher an ein grundlegendes Mißverständnis, dass Du viell., wie ich damals, um 30° daneben liegst. Auf Grund einer falschen, irreführenden Übersetzung (Bücheli) oder anderer KW - warum ab ~78 der seit damals über 60 Jahren als Vorzündungsmarke dienende Strich plötzlich zur OT Marke wurde, ist mir bis heute rätselhaft.
Wie auch immer, zurückschlagen und klingeln treibt mich eher Richtung ZZP als zum Gaser.
Und damit läuft sie ähnlich, wie mit zu großer LLD - ruckeln bei Konstantfahrt.
Jedenfalls sind ZZP und Ventile einstellen Konstanten. Da gibts nix zu schätzen.
Ein Vergaser verstellt sich ohne Manipulation nicht über Nacht.
Daher, ich kenn die Vorgeschichte, was geändert wurde, seit wann es Probleme gibt usw. nicht, würde ich erst die ZZP und ggf., v.a. bei Solids Ventileinstellung prüfen, bevor ich den Gaser unter die Lupe nehme.
Gruß
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 11.06.2019, 06:33
von Becko
Der Zündzeitpunkt wurde bei dem 81er Motor wie schon beschrieben, auf dem Frühzündmarkierungspunkt mit verdrehtem Fliehkraftregler eingestellt. Die Karre springt auf den ersten bis zweitem Kick an und läuft im Stand seidenweich. Bis auf das leichte Ruckeln ( es ist auch nur leicht) und den Klingeln läuft der Motor einwandfrei. Kerzenbild ist grau bis rehbraun. Die Hydros sind standardmäßig eingestellt und lassen sich saugend zwischen den Fingern drehen.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 16.06.2019, 09:14
von Becko
Habe jetzt nochmal die 20er LLD reingeschraubt. Ich kann beim untertourigen Fahren keine Veränderung feststellen. Das leichte Ruckeln ist noch da. Das Klingeln ist mit der Nadelhöherlegung aber definitiv besser geworden.
Gemischschraube ist jetzt 2 1/4 U. raus. Da liegt der beste Leerlauf. Kerzenbild ist grau- rehbraun mit schwarzem Rand. Die Elektrode ist mir fast schon nen Tacken zu sauber.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 16.06.2019, 10:49
von Mike_O
Moin,
sieht aus als ginge die Abstimmung in die richtige Richtung!
Nadel höher und klingeln weniger zeigt, dass deine HD zu klein ist. Probiere mal ein zwei Nummern größer.
Wegen des Schieberuckeln:
Die LLD hat auch Auswirkung auf das Laufverhalten bei nahezu geschlossenem Schieber. Teste doch mal ne 22,5er oder 25er LLD.
Warum vermute ich, dass Du größer gehen musst?! Mit der 17,5er hattest Du den Schieberanschlag weiter drin, d.h. du hast mageres Gemisch ausgeglichen!
Düsen gibt's bei Topham.
Um das Feintuning zu machen, käme nun Kerzenbild analysieren in den jeweiligen Bereich.
Dazu Markierungen am Gasgriff (1/8, 1/4, 1/2 3/4) anbringen und und immer wieder ne längere Strecke mit konstanter Gasgriffstellung fahren.
Dann Motor aus, Kerze raus und schauen, ob sie in dem Bereich zu mager oder zu fett läuft.
Good luck,
Michael
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 17.06.2019, 12:42
von XTheo
Hi Becko,
ich fahre den TM42 und habe mit 17.5/162.5 angefangen.
Dann in Schritten auf 20/165 geändert. Hat aber (u.a. wegen zu früher Zündung) geklingelt.
Jetzt probiere ich 20/167.5, evtl. später noch 22.5/167.5 (Versuch w/ Startoptimierung).
Je nach Start-/Fahrverhalten bleibe ich mit der LLD bei 20 oder 22.5 und muß evtl. mit der HD noch größer werden.
Jeder Motor reagiert individuell. Du wirst viel probieren müssen. Auch mit der Stellung der Düsennadel.
Grundsätzlich geht`s bei Dir in die richtige Richtung.
Viel Erfolg, Theo
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 17.06.2019, 13:36
von Becko
Ich hab noch ne 27ne rumliegen. Die baue ich mal versuchsweise ein und schaue mal was passiert. Ansonsten muss ich erstmal Düsen kaufen. Würde dann als HD eine 170er antraten. Momentan ist die 165er verbaut.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 17.06.2019, 17:07
von Mike_O
Von 20 auf 27 ist ein großer Sprung! Kann sein, dass das Ergebnis schwer zu interpretieren sein wird.
Mikuni gibt meines Wissens die Düsengröße in ccm/Minute an. Damit ist die Steigerung linear. (Dellorto und andere sind Durchmesser, da wirds quadratisch!)
Wenn die 20er Düse also 100% entspricht, dann ist
17,5er -12,5% weniger Sprit
22,5er +12,5% mehr Sprit
25er +25% fetter
27,5er +37,5% fetter !!!
Gruß,
Michael
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 17.06.2019, 17:36
von Becko
Habe jetzt mal die 27er probiert. Das Ruckeln war wesentlich schlimmer. Dann nochmal mit 15er. Da war es so wie mit der 17,5er. Gefühlt natürlich!!
Ich baue jetzt die 17,5er wieder ein. Das Paket, Startwilligkeit, Leerlauf, Ruckeln fühlte sich hiermit am besten an. Also alles wieder auf Anfang.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 17.06.2019, 20:07
von ron
Mike_O hat geschrieben:
Um das Feintuning zu machen, käme nun Kerzenbild analysieren in den jeweiligen Bereich.
Dazu Markierungen am Gasgriff (1/8, 1/4, 1/2 3/4) anbringen und und immer wieder ne längere Strecke mit konstanter Gasgriffstellung fahren.
Dann Motor aus, Kerze raus und schauen, ob sie in dem Bereich zu mager oder zu fett läuft.
Good luck,
Michael
Das würde ich auch vorschlagen, anstatt zu raten und schätzen.
Neue Kerzen nehmen, eine Viertelstunde mit nie mehr als 1/4 Gas, eher bloß 1/8 offen herumfahren. Das bedeutet bei meiner im 4ten immerhin ~80km/h.
Dann abstellen, Bierpause zum abkühlen gönnen (heiße Kerzen zieht man gerne zu stark an, da alles gedehnt).
Wenn nur am Gewindeende ein rußiger Rand und der Isolator zur Hälfte sauber, sollte das Gemisch halbwegs passen.
Bis oben verrußt ist viel zu fett.
Keine Ablagerungen und am Gewindeende keine Beschichtung mehr (je nach Hersteller silber oder goldfarben) und das Stahlgrau darunter ist sichtbar, läuft sie mager oder zu "heiße" Kerzen sind verbaut.
So mußt Du die LLD bestimmen.
Schiebernadelhöhe = 1/4 bis 3/4 Gas offen, bestimmst Du mit Halbgas. Der Isolator sollte nun auf jeden Fall zur Hälfte sauber sein.
HD mit 3/4 bis Vollgas. Darunter hat die HD Größe kaum Einfluss. Der Isolatur dürfte nun fast bis ganz unten sauber sein. Wenn das untere Drittel verrußt, -aber nicht höher-, wärst Du auch für 24Std. Le Mans Dauervollgas auf der "sicheren" fetten Seite.
Die Kerzen können Dir auch Hinweise zum ZZP zeigen.
Die Masseelektrode sollte idealerweise oben, vor oder in der Biegung eine Verfärbung (Anlauffarbe) zeigen. dann stimmt der ZZP
ungefähr.
Ist die Farbänderung mehr zum Ende, ist der ZZP zu spät.
Ist die Farbänderung mehr beim Gewindering, ist der ZZP tendenziell zu früh.
Mit gebrauchten Kerzen sieht man diese Details nicht.
Ein neues Set lässt sich aber üblicherweise für die LLD und Schiebernadelbereich- Testruns mehrmals noch gut blitzblank reinigen.
Evtl. in ein 2tes neues Set investieren. -Haben ja kein Ablaufdatum.
Gruß
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 23.06.2019, 21:04
von Becko
Bin am WE mal 1000 km gefahren. Das Klingeln ist nur noch selten zu hören.
Mal ne blöde Frage..., kann das Ruckeln im Schiebebetrieb und beim ausrollen in höheren Gängen evtl. von der Kupplung kommen? Ein Kumpel hat die Kiste mal gefahren und meint, dass sie sonst super sauber läuft und tippt auf Kupplung. Trockenkupplung mit Primärbelt, Riemenspannumg ok Kupplung kommt recht spät. Eine Scheibe weniger, da sie vorher oft beim anfahren gerupft hat.
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 27.06.2019, 18:40
von Becko
So, an der Kupplung hat es definitiv nicht gelegen. Die hatte ich auseinander und alles wieder zusammen und eingestellt, wie es sich gehört. Die Federn waren zwar etwas zu stramm eingestellt. Nun aber etwas weicher und das Kuppeln ist butterweich. Kraftschluss ist auch komplett da. Somit alles gut.
Das Ruckeln im Schiebebetrieb ist leider geblieben. Somit bin ich nun wieder beim Vergaser. Da das Ruckeln bei gaanz leichtem Gas am stärksten ist, tippe ich auf die Nadel und Nadeldüse. Die Kerzen sahen grundsätzlich in allen Gasstellungen gut aus. Bei ganz leichtem Gas war das Kerzenbild vielleicht einen Hauch dunkler. Wenn ich mich richtig erinnere, hat die Düsennadel auch schon bei 1/16 leichten Einfluss auf den Lauf. Bei den LLD habe ich nun alles von 12,5 - 27 durchgetestet. Jeweils mit der Bandbreite der Gemischregulierschraube. Hier gab es nicht den gewünschten Erfolg. Viel bleibt nicht mehr übrig, oder?
Gruß
Frank
Re: Beschleunigungsklingeln
Verfasst: 27.06.2019, 22:57
von XTheo
Düsennadel UND Nadeldüse ausbauen und unter Mikro oder starker
Lupe auf Verschleiß prüfen. Dafür benötigt man mitunter ein geübtes Auge.
Der Einfluss verschlissener Teile ist aus meiner Erfahrung erheblich.
Wäre zumindest eine weitere Möglichkeit zum Prüfen.
LG Theo