Re: Endlich mal ne richtige "Big Twin"
Verfasst: 03.07.2008, 17:25
Hallo Maruski!
Leider ist vorhin der Schulserver abgestürzt, weg war meine Antwort. jetzt also nochmal:
(Achtung: lang)
In einer Kathedrale fühle ich, wie ich als Winzling Teil eines unendlich Großen sein kann, wenn ich mich darauf nur einlassen will. Und dann bin ich nicht mehr klein sondern in der Gnade Gottes Teil des Großen.
Damit bewegen wir uns in eine Richtung bei der wir am Ende vor dem Nichts stehen: Was ist dem beschränkten menschlichen Verstand einwandfrei objektiv und testbar? Auch die Aussage, dass Kathedralen damaligen Menschen Macht symbolisieren sollten. Die absolute Objektivität endet dort, wo begründeter Widerspruch auftritt, so, wie der von mir geäußerte. Es kann also nur noch um die Relativität des mehr oder weniger objektiven und testbaren gehen. Und damit befinden wir uns in Mitten der Fragestellung nach Motiven (und der individuellen Wahrheit) und Interpretationen (als interne Repräsentation individueller Wahrheit).
Habermas hat das umgekehrt gemeint, als er sich als religiös amusikalisch bezeichnet hat. (Und doch raunt man, das er eine Musikalität entdeckt haben soll, derer er sich nicht mit dem Verstand bemächtigen könne und die ihn doch auf ihre ganz eigene Art gefangengenommen haben soll.)
Auch die Frage, ob deutsche Sakralbauten in unmittelbarem Zusammenhang mit der in Deutschland völlig unwichtigen Rekonquista stehen möchte ich eher verneinen. Man dachte damals viellicht bis nach Rom, aber nicht bis zu irgendwelchen Almohaden und ihren Schädelminaretten nach Granada.
Die Kriegslust weltlicher Herrscher, die sich gerne religiöser Verkleidungen (Bush!) bedienten sollte verständige Menschen nicht dazu verleiten, eine Religion in Regress zu nehmen.
Auf heute übertragen: Nur dumme Menschen sprechen davon, dass der christliche Westen einen Kreuzzug gegen den Islam führt. Denn es hat mit Papst Johannes Paul II die höchste christliche Autorität ausdrücklich betont, dass es keinen Krieg im Namen christlichen Bekenntnisses geben darf. Und doch laufen Mohammedaner herum und sprechen vom Krieg der Christen gegen den Islam. Weil sie den selben Fehler machen, wie hierzulande Menschen bei der Bewertung damaliger Auseinandersetzungen: Sobald sich einer das christliche Mäntelchen umhängt ist es ein Religionskrieg. Soviel zur Validität neuzeitlicher Motivationsforschung.
Säkularismus aber auch nicht.
Was ich hier zu führen versuche ist eine aufgeklärte Diskussion. Mit Argumentation und Gegenargumentation. Möge am Ende ein Mehr an gewonnener Einsicht stehen.
Worum es mir geht, ist, dass wir heutzutage viel zu weit weg sind von der tiefen Religiösität und Frömmigkeit der Menschen aus vergangenen Zeiten, die sich viel mehr und unmittelbarer als Kinder Gottes begriffen und viel mehr in eine göttliche Ordnung eingebunden sahen, als wir es heute können und wollen. Darum können und wollen wir heute vieles nicht verstehen was damaligen Menschen so natürlich war wie uns heute unser Alltag. Nur das der Alltag für damalige Menschen sichbarer als heute durchzogen war von einem feinen Netz Gottesbezogenheit. Insofern erscheint es einsichtiger, dass Menschan damals auf Sakralbauten nicht mit dem Blick des kleinen in seine Nichtigkeit zurückgeworfenen Menschen sahen, sondern mit dem Blick eines zu Gott emporgehobenen, weil diese Sakralbauten ihnen zeigten, dass sie Teil eines Großen waren, welches über sie selbst weit hinausgeht. Und das sie in diesm Großen eine sehnsüchtig erwartete Erlösung zu finden bereit waren.
Gruß, Christian
Leider ist vorhin der Schulserver abgestürzt, weg war meine Antwort. jetzt also nochmal:
(Achtung: lang)
Ich fühle mich neben einer Kathedrale nicht klein, sondern zu Gott emporgezogen. Neben einer Stalinalle oder einem kalten Glasprotzbau sei es in Frankfurt oder Dubai fühle ich mich klein, weil ich die kalte erdrückende Pracht sehe, die lediglich den Zweck hat, von der eigenen Größe und der Nichtigkeit alles anderen zu künden, die aber nicht auf die Größe eines anderen verweist, der zu mir herabgestigen ist um mich zu ihm emporzuheben.Ersteres ist objektiv erkennbar und keiner wird bestreiten das ein Mensch sich neben einer Gunbus, einem drei Meter Stuhl oder in einer Kathedrale kleiner fühlt.
In einer Kathedrale fühle ich, wie ich als Winzling Teil eines unendlich Großen sein kann, wenn ich mich darauf nur einlassen will. Und dann bin ich nicht mehr klein sondern in der Gnade Gottes Teil des Großen.
Und die meine ist wie oben beschrieben.Das ist eine Funktion der Selbstwahrnehmung oder Perspektive mit der gearbeitet wird.
Die Motivationsschiene wurde in dem Moment eröffnet, wo davon geschrieben wurde, welchen Eindruck eine Gunbus macht.Du driftest auf die Motivationsschiene ab um deinen Standpunkt und die Kirchen/Götter zu verteidigen.
Was ist absolut objektiv und einwandfrei testbar?Das ist dein gutes Recht, aber eben rein subjektiv und nicht testbar.
Damit bewegen wir uns in eine Richtung bei der wir am Ende vor dem Nichts stehen: Was ist dem beschränkten menschlichen Verstand einwandfrei objektiv und testbar? Auch die Aussage, dass Kathedralen damaligen Menschen Macht symbolisieren sollten. Die absolute Objektivität endet dort, wo begründeter Widerspruch auftritt, so, wie der von mir geäußerte. Es kann also nur noch um die Relativität des mehr oder weniger objektiven und testbaren gehen. Und damit befinden wir uns in Mitten der Fragestellung nach Motiven (und der individuellen Wahrheit) und Interpretationen (als interne Repräsentation individueller Wahrheit).
Als glaubender Mensch sage ich, dass es hinter den dem Verstand gezogenen Grenzen mehr gibt als lediglich das Nichtverstehen können des Verstandes aus der Unwissenheit heraus. Es gibt für den glaubenden Menschen eine Wahrnehmung, die den Verstand hinter sich zurücklässt, weil sie da, wo er mangles Verstehenkönnen stehenbleiben muss, über ihn hinaus und weitergeht. Hinter dem Verstehen können steht - räumlich betrachtet - das Nichtverstehen Können und letzteres ist im Gegensatz zu ersterem unendlich, da es immer etwas neues geben wird, was noch unverständlich ist. Als glaubender Mensch kann ich diesen Bereich des Verstehen können überwinden, weil ich den Verstand in dem Bereich zurücklasse, dem er angemessen ist. Der Verstand verliert ab dieser grenze das Primat des sachkundigen Erklärers und schweigt stumm vor dem was sich auftut, wenn die Grenze des Verstandes überschritten ist.Glaube/Mutmaßung eben.
Habermas hat das umgekehrt gemeint, als er sich als religiös amusikalisch bezeichnet hat. (Und doch raunt man, das er eine Musikalität entdeckt haben soll, derer er sich nicht mit dem Verstand bemächtigen könne und die ihn doch auf ihre ganz eigene Art gefangengenommen haben soll.)
Wer vermag mit absoluter Sicherheit sagen, welches die A-Seite ist und welches die B-Seite ist. Ist das nicht eine Frage, die jeder für sich selber entscheiden muss? Und eine Frage, die von jedem anders beantwortet werden wird?Auch alle anderen Monumente haben/hatten eine B-Seite und "Fans" die die Motive im eigenen Interesse der Standpunktverteidigung positiv deuten.
Die Funktion bleib unstrittig.
Das "vorgeblich" enthält jene Wertung, die ich anzweifle, weil sie - wie mir scheint - auf der Basis heutigen säkularen Denkens beruht, welches mit religiösem Denken nicht mehr vertraut umgehen kann und leider aus dem Nichtwissen heraus dieses abzuwerten können meint.Wann wurden denn die meisten der größten europäischen Sakralbauten gebaut?
Zur Zeit der Reconquista und dieses eben aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen im Kampf gegen die muselmanischen Mauren (die auch gigantische Paläste errichteten, vorgeblich zu Ehren Allahs).
Auch die Frage, ob deutsche Sakralbauten in unmittelbarem Zusammenhang mit der in Deutschland völlig unwichtigen Rekonquista stehen möchte ich eher verneinen. Man dachte damals viellicht bis nach Rom, aber nicht bis zu irgendwelchen Almohaden und ihren Schädelminaretten nach Granada.
Wie gesagt, wer vermag das abschließend zu beurteilen? Die tiefe Frömmigkeit jener Tage geht heute zu vielen Menschen ab, um sich noch in jene Menschen hineinversetzen zu können, die aus religiösen Gründen eine Stein gewordene Lobpreisung Gottes zu bauen begannen und die darum bereit waren, von dem Wenigen was sie hatten mehr zu geben als wir heute von dem Vielen was wir haben.Auch die innerkirchliche Konkurrenz zu Rom und dem Petersdom (der die Macht des Papstes = Gottes Statthalter auf Erden darstellt) war wohl eine größer Triebfeder als irgend ein christliches Motiv.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?Wie kann man nach deiner Theorie die Verarmung und das Verelenden von großen Bevölkerungsschichten in der Zeit (aus Kriegs- und eben Propagandagründen) mit deinem Wunschdenken zur "Größe Gottes" vereinen?
Die Kriegslust weltlicher Herrscher, die sich gerne religiöser Verkleidungen (Bush!) bedienten sollte verständige Menschen nicht dazu verleiten, eine Religion in Regress zu nehmen.
Auf heute übertragen: Nur dumme Menschen sprechen davon, dass der christliche Westen einen Kreuzzug gegen den Islam führt. Denn es hat mit Papst Johannes Paul II die höchste christliche Autorität ausdrücklich betont, dass es keinen Krieg im Namen christlichen Bekenntnisses geben darf. Und doch laufen Mohammedaner herum und sprechen vom Krieg der Christen gegen den Islam. Weil sie den selben Fehler machen, wie hierzulande Menschen bei der Bewertung damaliger Auseinandersetzungen: Sobald sich einer das christliche Mäntelchen umhängt ist es ein Religionskrieg. Soviel zur Validität neuzeitlicher Motivationsforschung.
Nein, solche Kriege nicht, wie jeder Krieg.Mit der Intention der Bibel hat das doch offensichtlich nichts mehr zu tun.
Säkularismus aber auch nicht.
Ob sie immer bezahlt haben müssen und nicht bezahlt haben wollen? Da liegt der Unterschied, heutzutage unterstellt man gern schnell ein Müssen, wo bei besserem Verständnis der Zeit ein Wollen zu erkennen wäre. Wir leben heute in einer Zeit, in der alles religiöse viel zu schnell als Zwang denunziert wird, als Unterdrückung und Form der Ausbeutung. Dabei gibt es - wie mir scheint - viel mehr Gründe säkulare Gesellschaften auf ihre Zwänge hin zu untersuchen als religiöse und nicht nur auf ihre (manischen?!) Zwänge bezüglich der Religiösität.Und wenn ich im Urlaub wieder mit meinen Kindern die abgefahrenen Labyrinthbodeneinlegearbeiten der französischen Kathedralen abschreite (als Freizeitvergnügen und nicht als kostenpflichtiger Ersatz einer Pilgerfahrt) erkläre ich ihnen schon genau was es zu der Zeit für das Volk bedeutet hat solche Monumente bauen und finanzieren zu müssen.
Denn bezahlt hat auch damals schon der kleine Mann.
Das will ich ihm gerne zugestehen. Es hat ja auch nicht die Funktion eines Sakralbaus. Seine Funktion ist der Selbstzweck, sei es die Gigantomanie, die Berühmtheit seines Erbauers und/oder seines Besitzers, oder die schiere Größe seiner selbst, ein Objekt des Hedonismus. dazu gehört auch, dass alles andere daneben klein sein muss. So ein Mopped oder sein Erbauer/Besitzer ist ein goldenes Kalb. und zelebrieren wir das nicht auch elle ein wenig, wenn wir auf unseren Eisenhaufen sitzen? Die eigene Größe.Und das Riesenmopped hat eben auch diese Funktion der Größenreduktion des Menschen und der Überhöhung von Technik und Besitzer.
Nein, ich habe Stellung zu einer Aussage bezogen, die mir als falsch erschien. Oder gehörst Du auch zu den Menschen, die nur zu bereit sind in einem Nebensatz einen Seitenhieb auf die Religion zu führen, aber nicht einsehen möchten, dass jemand diesen Hieb pariert? So habe ich Dich bislang nicht eingeschätzt.Nichts anders habe ich ausgeführt und du hast da schon wieder eine Glaubensdiskussion von gemacht.
Was ich hier zu führen versuche ist eine aufgeklärte Diskussion. Mit Argumentation und Gegenargumentation. Möge am Ende ein Mehr an gewonnener Einsicht stehen.
Zur Erkennung von Motiven gehört eine möglichst objektive Motivforschung. Und da scheint mir einiges im Argen: Die Erforschung von Motiven längst dahingegangener Menschen und Völker krankt leider nur zu oft daran, dass wir als heutige Menschen unsere heutigen Motive damaligen Menschen unterschieben und sie anhand dieser Motive bewerten. (Das gilt nicht nur für religiöse Motive. Wie sicher war sich Schliemann, Troja gefunden zu haben, weil er es gefunden haben wollte und wie oft gehen Forscher hin und fälschen ihre Ergebnisse, damit das rauskommt was sie rausbekommen haben wollen!) Damit sagen wir aber viel über uns und unsere heutigen Motive aus und wenig bis gar nichts über damalige Menschen und damalige Motive. Dazu neigen wir besonders dann, wenn damalige Motive uns heute unverständlich und unerklärlich scheinen. Nur all zu leicht wechseln wir dann auf unsere heutigen und leicht verständlichen Motive als Grundlage einer Meinungsfindung. Aber müssten wir nicht erst recht viel mehr bemüht sein, heutige Motive hintanzustellen und damalige Motive zu ergründen? Wie schwer das ist, mag man daran erkennen, dass Historiker schon heute darüber streiten, was Politiker vor 50 Jahren wirklich gewollte hatten, weil jene in ihren Memoaren fleißig an eigenen Legenden stricken, ob sie Bismarck, Kohl oder Schmidt gehießen haben.Funktion von Objekten hat natürlich was mit Motiven zu tun und sie entlarvt auch die Motive.
Aus der richtigen Erkenntnis heraus, dass es viele Wege geben wird, die Größe Gottes zu verkünden, in diesem Fall in Ahnlehnung dessen, der sich am Kreuz so klein machte, dass er die Qual eines schändlichen Todes auf sich nahm.Bettelorden haben sich eben aus dieser Ablehnung der Nutzung der Funktion (Motivation) ergeben und dezidiert mit Armut, Nächstenliebe und Bescheidenheit für Gottes Größe geworben.
Das ist eine Meinung, kein Fakt, denn wie verdeutlicht, es ist eine Interpretation, der wenigstens eine (meine!) begründet entgegensteht.Kathedralen sind Machtmaschinen zur Manipulation der Menschen.
Worum es mir geht, ist, dass wir heutzutage viel zu weit weg sind von der tiefen Religiösität und Frömmigkeit der Menschen aus vergangenen Zeiten, die sich viel mehr und unmittelbarer als Kinder Gottes begriffen und viel mehr in eine göttliche Ordnung eingebunden sahen, als wir es heute können und wollen. Darum können und wollen wir heute vieles nicht verstehen was damaligen Menschen so natürlich war wie uns heute unser Alltag. Nur das der Alltag für damalige Menschen sichbarer als heute durchzogen war von einem feinen Netz Gottesbezogenheit. Insofern erscheint es einsichtiger, dass Menschan damals auf Sakralbauten nicht mit dem Blick des kleinen in seine Nichtigkeit zurückgeworfenen Menschen sahen, sondern mit dem Blick eines zu Gott emporgehobenen, weil diese Sakralbauten ihnen zeigten, dass sie Teil eines Großen waren, welches über sie selbst weit hinausgeht. Und das sie in diesm Großen eine sehnsüchtig erwartete Erlösung zu finden bereit waren.
Gruß, Christian