Seite 2 von 3
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 28.11.2014, 22:53
von Arthur
Hallo Ron, hallo Hoschi,
zum Thema kann ich nichts beitragen, aber zu bestimmten Bemerkungen will ich meinen Senf loswerden. @Gerry: wenn das hierher nicht passt, sofort löschen.
Keine Ahnung, welchen Gewinn tifoo erwirtschaftet. Gewinn bedeutet der Betrag, der übrig bleibt, nachdem alle Ausgaben abgezogen worden sind.
Es ist nicht damit getan, beim Apotheker für 16 Ören ein Liter 85%-Brühe zu erwerben, sie auf 5% zu strecken und zu verkaufen. Wenn das so einfach ist, warum nicht selbst mischen, vermarkten, verkaufen und sich eine goldene Nase verdienen?
Der Apotheker ist übrigens auch ein Abzocker, bei Amazone gibt es das Zeug für 6,90. Und wenn man beim Großhändler 10000 Liter abnimmt, bekommt man die Brühe für 50 Cent/Liter.
Nicht persönlich nehmen.
Ein Betroffener von Milchmädchenrechnungen,
Gruß Arthur
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 29.11.2014, 12:21
von ron
Hallo Arthur,
leider basieren meine Milchmädchenrechnungen auf persönlichen Erfahrungen, denn ich war schon in Produktion, Großhandel und Einzelhandel versch. Branchen tätig.
Zum Beispiel wurden (werden?) auch Zündkerzen, konkret NGK, damals um 20.- ATS verkauft. "Originale" Honda Kerzen um 80.- ATS.
Einziger Unterschied: die Kerzen waren in roten Honda Schachteln verpackt.
Kein technischer Unterschied, kein spezielles Material, nix...selbe Bezeichnung, alles, bis auf die Verpackung, ident.
Allerdings kosteten uns als "Generalvertretung" diese Kerzen ebenso das 4fache und eigentlich hätten wir Verpackungen fälschen sollen um uns ne goldene Nase zu verdienen...
Insofern macht sich Harley Davidson wenigstens die Mühe und lässt ihren Namen ins Porzellan der Champion Kerzen glasieren.
Ich glaube auch nicht, dass oben genannte Firma selbst ein Chemielabor unterhält und selbst experimentiert, sondern genauso bei einem Chemiewerk en gros bestellt und einfach schöne Etiketten auf die Fläschchen klebt.
Doch der Schichtarbeiter, der u.U. in Lärm, Dreck und Gestank, zum Mindestlohn diverse Produkte herstellt, hat nix davon, ob das Produkt nun teurer oder billiger an den Endkunden verkauft wird.
Daher sehe ich nicht ein, für identische Produkte, bloß für die Verpackung oder nen schönen Namen mehr zu bezahlen.
Aber es tut mir leid, wenn Du Opfer von "Milchmädchenrechnungen" bist. Denn Produkte, in denen zusätzliches Know how, bessere Qualität steckt, gehören fair bezahlt....
- was machst Du, wenn ich fragen darf?
Jedenfalls will Hoschi selbst experimentieren und warum sollte er dafür zusätzliches Lehrgeld bezahlen - darum meine Hinweise. Schliesslich ist dieses Forum da, um sich gegenseitig zu helfen, wenn möglich Wissen auszutauschen....
Gruß
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 30.11.2014, 10:47
von Hoschi
Nen guten Sonntag Morgen zusammen,
@Philipp:
Dein link enthält die ultimative Selbermacher-Anleitung zum Parkerisieren, danke dir sehr dafür. Anstatt aus Batterien müste man Manganoxid auch in Reinform anderswo her bekommen, werde mal in der Apo fragen.
Auf was dort leider nicht eingegangen wurde, ist die vorangehende Entfernung der Chromschicht. Alle in den Beispielen gezeigten Teile wie Speichen, Nabenabdeckungen und Bremspedal sind oft im Ausgangszustand verchromt. Ich gehe fast mit Sicherheit davon aus, dass man auf Chrom nicht parkerisieren kann.
Bei einem Kunststoffbeschichter in der Nähe, der auch Sand-/Glasperstrahlen durchführt haben ich wegen Entchromung nachgefragt. Antwort: Durch Strahlen kann der Chrom nicht zuverlässig entfernt werden, bei gut verchromten Teilen erreicht man nur eine Anrauhung. Heißt für mich also, dass die Teile vor dem Parkerisieren erst in einer Galvanik chemisch entchromt werden müssen.
@Arthur:
Ich will keine Firma in den Dreck ziehen und meine persönliche Meinung, dass man bei den Schnellbrünierungen in den Minifläschchen abgezockt wird, kann ich auch nicht weiter belegen. Also beschränke ich mich auf´s technische, und damit scheiden diese Produkte für mich wegen fehlendem Korrosionsschutz aus.
Gruß
Hoschi
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 30.11.2014, 18:24
von trybear
Hallo Hoschi,
Auf was dort leider nicht eingegangen wurde, ist die vorangehende Entfernung der Chromschicht. Alle in den Beispielen gezeigten Teile wie Speichen, Nabenabdeckungen und Bremspedal sind oft im Ausgangszustand verchromt.
zum Entchromen wurde hier auch schon einiges geschrieben. Das Problem ist dann aber das Kupfer dadrunter. Es sei denn Du hast ne Industrieverchromung....
gruß
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 12.01.2015, 22:55
von Hoschi
Hallo nochmal,
zum Abschluss des Themas von meiner Seite will ich kurz berichten, dass ich nach einiger Rumprobiererei eine Methode gefunden hab, die ein 1A Ergebniss liefert und fast nichts kostet. Es ist eine Abwandlung des "Home Brew" Ansatzes, den Philipp alias Achtball weiter vorne schon verlinkt hat.
http://www.jockeyjournal.com/forum/.... ... arkerizing
Da das dort verwendete Phosphorhaltige Präparat bei uns nur sauteuer zu beziehen ist, habe ich stattdessen Phosphorsäure verwendet.
SICHERHEITSWARNUNG:
Phosphorsäure ist ätzend! Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht!
Hier zunächst die Zutaten:
-100g Phosphorsäure 85% (ist deutlich schwerer als Wasser, nicht gleichzusetzen mit 100ml!!!), 10Euro der Liter in der Apo
-900ml destilliertes Wasser
Immer erst das Wasser, dann die Säure in dünnem Strahl beimischen, sonst kann es spritzen und ins Auge gehen.
-75g Pulver (enthält Mangandioxid) aus 1 Batterie Typ Mono (die großen fetten für Taschenlampen). Die Batterie einfach mit der Eisensäge ringsherum aufsägen und auseinanderziehen, dann das graue Zeug, das um den weichen Kern herum ist, herausstochern/klopfen und anschließend zu einigermaßem feinen Pulver stampfen (Bild).
ACHTUNG: Das Zeugs in der Batterie, speziell den in Flüssigkeit getränkten Kern, nicht mit blosen Händen anfassen, soll sehr gesundheitsschädlich sein.
Das Pulver in die Phosphatlösung einrühren (es wird sich aber nicht vollständig auflösen).
Weiter wird benötigt:
-Backthermometer, ich hab eines mit externem Fühler und Digitalanzeige bei ebay für 10Euro gekauft
-Edelstahlkochtopf oder anderen Edelstahlbehälter
-Elektrische Kochplatte oder andere Hitzequelle, um die Brühe zum Sieden zu bringen
Das ganze auf 85...95° erhitzen und in diesem Bereich halten.
Meine Versuchsteile aus S235 (alt St37) wurden vorher sandgestrahlt und dann mit Silikonentferner gut entfettet.
Ich hab festgestellt, dass es nicht gut ist, die Teile flach auf dem Topfboden aufzulegen. Die Phosphatschicht haftet dann an der Unterseite nicht gut. Besser vielleicht Stahldraht als Schnecke wickeln und als Auflage in den Topf legen.
Bei dieser Methode ist nach spätestens 15min die dunkelste Färbung erreicht, mit kürzeren Zeiten hab ich noch nicht experimentiert.
Meine ersten Versuche habe ich ohne das Mangandioxidpulver gemacht. Der erzielte Farbton war dabei nicht so dunkel. Hier nun mal ein Bild von den Ergebnissen.
Das längere Stahlstück rechts wurde wie oben beschrieben behandelt. Die anderen waren Vorversuche mit entweder zu starker Phosphatlösung oder ohne Mangandioxid oder bei zu geringer Temperatur.
So nun weiß ich wie es geht, die Edelstahlbadewanne x-tra large ist schon bestellt, die Nachbarskinder sägen am Wochenende eine Schubkarre Batterien für 50Cent pro Stunde auf, und nächste Woche steht der fertig parkerisierte Rahmen auf der Bühne
Ach ja, verzinkte Schrauben bekommt man mit Abflussreiniger nach 2 Tage Einlegen blank und kann sie parkerisieren.
Gruß
Hoschi
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 13.01.2015, 00:47
von ron
Hi Hoschi,
sieht ja gut aus, gratuliere und viel Erfolg bei Deinen Projekten.
Übrigens, diese gelbfarben verzinkten Gartentürbeschläge etc. aus dem Baumarkt werden mit Schwefelsäure/Batteriesäure binnen Minuten blank. Weiß ned ob verzinkte Schrauben genauso schnell reagieren, doch viell. hilfts Dir....
Gruß
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 14.01.2015, 17:04
von Hoschi
Hi ron,
hast Recht, mit Salzsäure geht es 100mal so schnell. Aber wenn man die Zeit hat, ist Abflusreiniger die angenehmere methode, weil es nicht stinkt und in der Nase beist, außerdem ist die Salzsäure flüchtig und wirkt daher korrosiv auch auf die Umgebung. Dann kommt da noch das Problem mit der Entsorgung. Ich bin einfach kein Freund von dem Zeug.
Der Abflussreiniger dagegen kann zum Schluss seine eigentliche Aufgabe quasi noch als Bonus miterledigen .
Gruß
Hoschi
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 14.01.2015, 22:36
von Christian
Hallo Leute,
aus leidvoller Erfahrung kann ich auch Essigessenz empfehlen, das Zeug braucht vielleicht ein bisschen länger, aber damit geht der Zink auch ab.
Und anschließend kann man damit immer noch den Kalkrand im Klo entfernen.....
Weiß jemand ne gute Verzinkerei am Niederrhein, die keine Mindermengenzuschläge nimmt?
Gruß, Christian
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 15.01.2015, 07:51
von Partisan
Bezüglich Abflussreiniger und Essigessenz muss ich Euch leider sagen, dass chemische Reaktionen mitunter auf dem Austausch von Ionen basieren

. D.h., wenn Ionen „aufgebraucht“ sind, reagiert auch nix mehr.
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 15.01.2015, 22:27
von Arthur
Habe heute aus „Versehen“ Chrom fast vollständig entfernt. Wollte eigentlich nur meinen alten Lungenautomaten entkalken.
Also eine Entkalkungstablette für Kaffeemaschinen in einen Topf mit den verchromten Teilen getan und auf der Herdplatte gekocht. Das Ganze nicht beobachtet und gerade rechtzeitig abgebrochen, bevor der Chrom vollständig verschwunden ist.
Für mich blöd, aber vielleicht für Hoschi interessant.
Gruß Arthur
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 16.01.2015, 00:07
von Hoschi
Hallo Arthur,
hochinteressant! Das is ja schon merkwürdig, ich suche seit längerem nach einer einfachen Methode zum Chromentfernen, aber davon hab ich noch nichts gehört. Vermutlich enthalten diese Entkalker Zitronensäüre. Würdest du bitte mal schreiben, von welchem Hersteller die Tabletten sind?
Ich würde ja gerne dran glauben, aber ich fürchte, dass das bei einer normalen Chromschicht an Mopedteilen nicht so einfach geht. Vielleicht sind deine Teile nur hauchdünn verchromt oder sogar in Wirklichkeit vernickelt? Ok, das kannst du natürlich nicht beantworten, wäre aber eine Erklärung.
Ich probier es selbst aus, wenn du mir die Info gibst.
Danke und Gruß
Hoschi
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 16.01.2015, 01:01
von Arthur
Hallo Hoschi,
ist von Oro-fix und nennt sich Entkalker Descaler (
http://www.oro-marketing.de/oro-produkt ... ?detail=26). Enthält Zitronensäure und Amidosulfonsäure.
Der Lungenautomat ist definitiv verchromt. Wie dick, keine Ahnung. Aber das Ding habe ich seit 1980 und habe damit über 700 Tauchgänge meist im Salzwasser gemacht und nicht immer pfleglich behandelt. Der Chrom war noch da.
Der Chrom ist jetzt nicht ganz ab, aber viele Stellen lassen das Kupfer durchblicken. Ich denke, eine Stunde kochen hätte es vom Chrom befreit. Wie das Kupfer abgeht, ist das nächste Problem.
Gruß Arthur
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 19.01.2015, 21:54
von Hoschi
Servus Arthur,
leider funktioniert das Entchromen mit dem Entkalker bei mir nicht. Ich hab zum Testen eine Speiche genommen, außerdem noch ein anderes Teil mit einem Gewinde dran. Nach ca. 2h Kochen war das Gewinde weg, das ist kein Witz! Aber der Chrom war noch drauf. Er hat sich lediglich leicht ins dunkte vefärbt. Könnte auch sein, dass der Chrom zwar weg ist, und ich die Nickelschicht darunter gesehen hab. Jedenfalls scheint die beständig zu sein. Das Kupfer wurde nicht freigelegt.
Wirklich problematisch ist, dass die Säure blankes Metall angreift (wie am Gewinde). Die Speiche z. B. habe ich gebogen, damit sie in den Topf passte. An der Biegung, wo der Chrom feine Risse hatte, hat es von Anfang an gesprudelt wie Sau. Nach einer Stunde war die Speiche dort nur noch halb so dick, ansonsten war die Schicht aber noch drauf.
Mein Fazit: ungeeignet, da aggressiv gegen Stahl
Greetz
Hoschi
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 19.01.2015, 22:26
von Arthur
Hallo Hoschi,
schade. Bei meinem Lungenautomat hat es anders gewirkt:
20150119_220647.jpg (332 KB)
War zuerst sauer, aber ich betrachte es jetzt als Patina. So gern ich alte Mopeds fahre, so gerne tauche ich auch mit altem Equipment
Gruß Arthur
Re: Anleitung zum Brünieren?
Verfasst: 19.01.2015, 22:51
von Hoschi
Hallo Arthur,
nur eine Vermutung, aber wahrscheinlich war bei deinen Teilen der Schichtaufbau anders, so wie es aussieht direkt Chrom auf Kupfer. Weil Nickel (normalerweise zwischen dem Kupfer und dem Chrom) ist gegen fast alle Säuren und Laugen beständig.
Ich hab viel zeit im Internet verbracht auf der Suche nach einer praktikablen Lösung, um verchromte Teile selbst blank zu bekommen, ohne das Grundmaterial dabei zu schädigen. Ich behaupte mittlerweile, es gibt keine (auch deshalb, weil die Schicht nicht nur aus Chrom besteht). Ab mit dem Zeug in die Galvanik, kostet zwar, ist aber dafür ein sauberes Ergebnis.
Fuck Chrome and Glamour!
Gruß