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Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 12.08.2009, 20:12
von Wolf
Hallo Shovelgemeinde...
Nachdem sich so ziemlich alle Nieten gelöst haben muss ich meinen Zahnkranz auf der Bremstrommel neu befestigen . Also alles zerlegt , alle Nieten raus gekloppt , neuen Blechring besorgt .
Nun meine Frage : Möchte den Zahnkranz nicht mehr vernieten sondern mit Inbusschrauben und selbstsichernden Muttern verschrauben .
Hält das ? Habe keinen Bock die ganzen Nieten da wieder rein zu kloppen .
Hat jemand Erfahrung damit ? Was für Schrauben am besten ?(Zugfestigkeit)

Gruß

Wolf

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 12.08.2009, 20:17
von SuperGauzy
Hält bei mir seit Jahren!

Ich habe auch Inbusschrauben genommen und da ich keinen Bock auf Gammel hatte/hab, welche aus VA-Material. Frag mich nicht nach der Zugfestigkeit, aber ich denke die sind stabiler als die Nieten.
Damit mir die Scheiße nicht um die Ohren fliegt, habe ich selbstsichernde Hutmuttern genommen und diese mit Schraubensicherungsmittel (mittelfest) aufgesetzt.
Die Schrauben waren damals zu lang (wieso weiß ich heute nicht mehr) und ich musste alle ablängen.

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 12.08.2009, 20:26
von KayTee
Moin!

Ich könnte jetzt einen langen Sermon abgeben, weshalb Schraubverbindungen bei dynamischen Belastungen gegenüber Nietverbindungen stets unterlegen sind, Formschluss vs. reinen Kraftschluss, etc. pp..

Probier es aus.

Sollte es wegfliegen wird's "nicht vergnügungssteuerpflichtig".

Viel Erfolg!

Gruß,
KayTee

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 12.08.2009, 21:23
von Landmark
Moin,

hält bei mir auch schon seit Jahren. Nehme einfache, verzinkte Maschinenschrauben mit nem Schlitzkopf (Schraubenzieher) und selbstsicherenden Muttern. Alles aus dem Baumarkt, also keine besonders zugfesten Teile. Mache das schon ca. 15 Jahre so und hatte nie Probleme damit.

Gruß!

Landmark

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 12.08.2009, 22:15
von Christian
Hi KayTee!

Ist ein Technik-Forum und mich interessiert's: Bitte um Bildung!

Gruß, Christian

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 06:36
von Wolf
Danke für die schnellen Antworten...
Werde mir dann heute gleich mal die passenden Schrauben besorgen...
Thanks....

Gruß
Wolf

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 09:26
von KayTee
Moin!

Fangen wir mit dem Hauptvorteil an: es kann sich kein entscheidendes Bauteil durch Vibration lösen, siehe hier. Schraubverbindungen haben naturgemäß die Tendenz, sich unter dynamischen Belastungen zu lösen. Dem wird mit vielen Tricks versucht, entgegen zu wirken (Loctite, Sprengringe, Nord-Lock ;) ), das kaschiert aber nur das prinzipiell bedingte Problem.

Bei Nietverbindungen, besonders bei kalt vernieteten Vollnieten wie an der Bremstrommel, besteht die gesamte Verbindung aus einem Bauteil, es kann sich nichts lösen. Verformung im elastischen Bereich führt nicht zu Verschlechterung der Verbindung, da stets in den Urzustand zurückgekehrt wird und sich keine Mutter relativ zur Schraube lösen kann. Bei Verformung im plastischen Bereich bleibt eine Rest-Festigkeit, da sich noch immer kein Bauteil lösen kann, diese Überbelastung ist aber optisch sofort erkennbar. Bei Schraubverbindungen muß jede einzelne Schraube zumindest angefasst und auf Drehfestigkeit überprüft werden. Meist erfolgt bestenfalls optische Kontrolle, bis alles abfällt, siehe oben.

In diesem Fall liegt eine Kaltvernietung vor. Diese hat den weiteren Vorteil, dass als Folge der Vernietung selbst ein Materialschluss (=Formschluss) im Nietloch besteht, es gibt im Loch kein Spiel zwischen Niet und Material. Das verhindert mögliche Bewegungen des Ritzels zur Trommel, was wiederum die dynamische Belastbarkeit dieser Verbindung relativ zu einer Schaubverbindung deutlich verbessert. In diesem Beispiel sind Scherkräfte entscheidend, Zugkräfte eher nicht (niemand versucht, das Ritzel in Richtung der Speichen zu ziehen), weshalb möglicherweise höhere Zugmomente einer Verschraubung relativ zu einer Kaltvernietung die Nachteile der Selbstlösung, schlechten Kontrollierbarkeit sowie fehlenden Formschlusses meines Erachtens nicht aufwiegen.

Aus diesen Gründen ist die Verwendung kalt genieteter Vollniete im Flugzeugbau nach wie vor das Maß der Dinge und wird stets zusätzlich zu zunehmend vorzufindenden Klebeverbindungen angewandt.

Ich hoffe, ich habe das korrekt auf die Reihe bekommen, ich bin nur kleiner BWLer und noch nicht im Laden tätig. Sollte jemand tiefergehende Infos benötigen oder sollte ich Quark geschrieben haben werde ich unsere Fachleute konsultieren. Die müssten es wissen, von denen stammt die DIN zu Niettechnik :wink:

Hoffe geholfen zu haben.

Gruß,
KayTee

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 09:38
von Christian
Hi Kay Tee!

Sehr gut, danke!!!

@ Gerry: Ist ein Beitrag zur TechBase?!

Gruß, Christian

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 09:52
von YunLung
Mein Senf dazu:

Bei einer Schraubverbindung geht es NIE um Scherkräfte!! Schrauben werden grundsätzlich NICHT auf Scherung beansprucht, AUSSCHLIEßLICH auf Zug. Ansonsten herrscht ein konstruktiver Magel vor oder das Anzugsdrehmoment ist nicht ausreichend.

Der Schraubensatz, der Nabe und Ritzel verbindet, soll durch das Anziehen derselben den Reibkraftschluss zwischen beiden Bauteilen herstellen. Die Reibung muss größer sein als das zu übertragene Drehmoment ("Kraftunterschied" zwischen Ritzel und Bremse). So herum berechnet man auch das Anzugsdrehmoment der Schraubenverbindung.Und daraus ergibt sich dann die zu verwendende Zugfestigkeit. Es kann also sein, daß man um eine ausreichende Haftreibung herzustellen, Baumarktschrauben theoretisch so fest anziehen müsste, bis sie ab sind (Baumarkt hat meistens maximal 5.6 Schrauben, teilweise nur 3.6er !!! Optimal sind 8.8 oder 10.9).

Noch ein wichtiges Maschinenbauliches Detail, daß sehr viele nicht wissen:

Selbstsichernde Muttern hindern eine Schraubverbindung nicht am Lösen!!!
Eine Selbstsichernde Mutter (egal ob mit Kunststoffklemmung oder "gequetschte" ganz- Metallmutter) dienen nur als VERLIERSICHERUNG NACH DEM LÖSEN!!!
Das gleiche gilt für die allseits beliebten Federringe als ersatz für Unterlegscheiben. Auch diese sind maximal eine Verliersicherung.

Konkret als LÖSE-Sicherung dient Kleber ("Loctite" o.ä.), und Sicherungsbleche z.B.


Chrischan

PS: Nix gegen Nietverbindungen, bin ja gelernter LKW-Mechaniker.. Was ich da an Trommelbremsbelägen in meinem Leben schon ab- und wieder aufgenietet habe geht auf keine Kuhhaut.... :roll:

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 09:59
von SuperGauzy
Christian hat geschrieben: @ Gerry: Ist ein Beitrag zur TechBase?!
Was willste denn damit in der Tech-Base?
Hilft mir nicht weiter wenn ich mit dem Werkzeug in der Garage stehe und auf dem Weg zum Treffen oder nach Hause erst recht nicht.
Ausserdem halten meine Verschraubungen am Kettenrad auf der Trommel schon seit ´ner halben Ewigkeit.
Nietverbindung schön und gut, dazu brauche ich aber auch das passende Material bzw. Werkzeug und ich kenne keinen in meinem bekannten Schrauberkreis der das in der Werkstatt liegen hat.

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 10:19
von KayTee
Du kennst aber wen, der weiß, wo man das bekommen kann ;)

Wie häufig sind Zahnkränze an Bremstrommeln zu wechseln?

Klar, Schrauben reindrehen kann jeder. Wer benutzt bei 4mm Schräubchen den Drehmo?

Das ist auch der Punkt, auf den Chrischan hinweist: Schraubverbindungen müssen korrekt konstruiert und ausgeführt werden. "Von Hand" Anziehen von Baumarktschrauben ist Würfeln. Klar, Schrauben kann jeder Napf anziehen, aber nochmals: wer hat überhaupt, geschweigen denn benutzt, Drehmomentschlüssel? Am Ritzel treten jede Menge Vibrationen und Lastspitzen auf, ich verwette mein extern gelagertes dritte Ei darauf, dass jede Menge Scherkräfte herrschen.

An dieser kritischen Stelle würde ich alle zehn Jahre mal mir lieber einen Tag Zeit nehmen und das korrekte Werkzeug besorgen als unnötiges Risiko einzugehen.

Meine Meinung, und selbstredend kann und soll das jeder machen wie er es für richtig und vertretbar hält.

Gruß,
KayTee

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 11:10
von SuperGauzy
KayTee hat geschrieben: Du kennst aber wen, der weiß, wo man das bekommen kann ;)

Wie häufig sind Zahnkränze an Bremstrommeln zu wechseln?
So aus dem Kopf kenne ich keinen, müsste ich also erstmal googlen und gerade weil ich die nur so selten wechseln muss, brauch ich so´n Nietwerkzeug auch nie.
KayTee hat geschrieben: Wer benutzt bei 4mm Schräubchen den Drehmo?
... wer hat überhaupt, geschweigen denn benutzt, Drehmomentschlüssel?
Du kennst aber wen, der weiß, wo man das bekommen kann ;)
KayTee hat geschrieben: Meine Meinung, und selbstredend kann und soll das jeder machen wie er es für richtig und vertretbar hält.
RICHTIG! :wink:

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 11:17
von KayTee
SuperGauzy hat geschrieben:So aus dem Kopf kenne ich keinen, müsste ich also erstmal googlen und gerade weil ich die nur so selten wechseln muss, brauch ich so´n Nietwerkzeug auch nie.
Dann frag' mich einfach nächstes Mal ;)
SuperGauzy hat geschrieben:Du kennst aber wen, der weiß, wo man das bekommen kann ;)
Ich weiß nicht nur, wo ich soetwas bekommen kann, ich hab' meine sogar daher ;) Na ja, jedenfalls für 5-720 Nm ... 8)

Gruß,
KayTee

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 12:42
von achtball
hallo,
jetzt wurden ja doch einige durchaus nachvollziehbare argumente zur verwendung von nieten geliefert.
mich wundert nur, dass das nieten dennoch nicht in allen fällen zu halten scheint. das eingangs geschilderte problem hatte ich auch vor einigen jahren: ein teil der nieten war komplett weg, der rest hatte sich gelockert. auch ich habe daraufhin zu schrauben gegriffen und seitdem keine probleme mehr.
meine frage also: welche fehler kann man beim vernieten machen, die dazu führen, dass die verbindung nicht von dauer ist? welches werkzeug ist speziell bei der bremstrommel notwendig und was für betriebe könnten darüber verfügen? so ne baumarkt-nietzange wird da ja wohl nicht reichen, oder?
gruß philipp

Re: Zahnkranz auf Trommelbremse

Verfasst: 13.08.2009, 12:53
von knuckuwe
Hi, ich niete das fest. Brauch kein Spezialwerkzeug.

Einfach die Niete einsetzen und dann in einem großen Schraubstock und damit verpressen.

Hab gute Erfahrung damit gemacht- hält.

Gruß uwe