Sind wir Masochisten ?
Verfasst: 20.11.2009, 10:54
Hab` hier nettes Briefchen v. einem Teilelieferanten bekommen um mich daran zu erinnern warum wir tun was wir tun:
Lieber Triumpfahrer,
In der ruhigen Vorweihnachtszeit kommt auch der gemeine Mopedhöker mal zu den eigenen Fahrzeugen. Und damit mir die Arbeit nicht ausgeht, habe ich mir mein Traummotorrad gekauft. Auch, um meinen Sohn standesgemäß begleiten zu können, der diesen Winter endlich seine Commando fertigstellen will, nachdem ich im Herbst, in der dörflichen Eisdiele sitzend, ihn plötzlich auf meiner eigenen Fastback an mir vorbeifahren sehen mußte.
Meine Frau tippte bei "Traummotorrad" auf neue MV, neue Aprilia RSV 4R, neue Ducati 1198. Alles schöne Motorräder, aber wie ich feststellen muß, macht mir ein stinknormaler englischer Paralleltwin immer noch am meisten Fahrspaß auf der Landstraße.
So eine Commando, die aus 3. Hand in den späten 70ger Jahren die bayerische Diaspora geriet, weitab von allen vernünftigen Händlern (soweit es damals überhaupt welche gab), ist wie eine Wundertüte. Der Mittelständer singt das Hohelied der Schweißkunst, die 3/8UNF Schrauben wurden mit M10er Muttern versehen (damit selbstsichernd?), die Elektrik ist frei erfunden, was Du anfaßt ist zerschraubt oder Gammel..... Aber Spaß machts doch. Auch auf die technisch ausbuffte Lösung, unter den Abstreifern der Gabel, über den von den verrosteten Standrohren zermachten Simmeringen ein gerolltes Stück Küchenpapier zu plazieren, um größeren Leckagen vorzubeugen, muß man erst mal kommen. Die großflächige Aplikation von Silberbronze auf verrosteten Teilen ist dagegen konventionell und typisch für die damalige Zeit. So hört man jetzt öfter begeisterte Schreie aus der Werkstatt, wenn diese Gemmen der Schrauberkunst entdeckt werden.
Ich hoffe, auch Sie haben Spaß in der Werkstatt, auch wenn an einem gutgewarteten Motorrad, das man schon lange besitzt, der Abenteuerfaktor bei Weitem nicht so hoch ist. So ein neues Projekt katapultiert einen direkt zurück in die Jugend, als man ähnliche üble Lösungen mangels Teileversorgung, vernünftiger Fachwerkstätten, oder vernünftiger Beratung anwandte. Und ich freue mich schon auf das vollendete Werk, wenn die "signal orange Roadster", 1971 von Taylor Matterson in London an einen in Deutschland stationierten GI geliefert, wieder in fahrbarem Zustand vor mir steht.
Frohes Schrauben wünscht
Joe
Lieber Triumpfahrer,
In der ruhigen Vorweihnachtszeit kommt auch der gemeine Mopedhöker mal zu den eigenen Fahrzeugen. Und damit mir die Arbeit nicht ausgeht, habe ich mir mein Traummotorrad gekauft. Auch, um meinen Sohn standesgemäß begleiten zu können, der diesen Winter endlich seine Commando fertigstellen will, nachdem ich im Herbst, in der dörflichen Eisdiele sitzend, ihn plötzlich auf meiner eigenen Fastback an mir vorbeifahren sehen mußte.
Meine Frau tippte bei "Traummotorrad" auf neue MV, neue Aprilia RSV 4R, neue Ducati 1198. Alles schöne Motorräder, aber wie ich feststellen muß, macht mir ein stinknormaler englischer Paralleltwin immer noch am meisten Fahrspaß auf der Landstraße.
So eine Commando, die aus 3. Hand in den späten 70ger Jahren die bayerische Diaspora geriet, weitab von allen vernünftigen Händlern (soweit es damals überhaupt welche gab), ist wie eine Wundertüte. Der Mittelständer singt das Hohelied der Schweißkunst, die 3/8UNF Schrauben wurden mit M10er Muttern versehen (damit selbstsichernd?), die Elektrik ist frei erfunden, was Du anfaßt ist zerschraubt oder Gammel..... Aber Spaß machts doch. Auch auf die technisch ausbuffte Lösung, unter den Abstreifern der Gabel, über den von den verrosteten Standrohren zermachten Simmeringen ein gerolltes Stück Küchenpapier zu plazieren, um größeren Leckagen vorzubeugen, muß man erst mal kommen. Die großflächige Aplikation von Silberbronze auf verrosteten Teilen ist dagegen konventionell und typisch für die damalige Zeit. So hört man jetzt öfter begeisterte Schreie aus der Werkstatt, wenn diese Gemmen der Schrauberkunst entdeckt werden.
Ich hoffe, auch Sie haben Spaß in der Werkstatt, auch wenn an einem gutgewarteten Motorrad, das man schon lange besitzt, der Abenteuerfaktor bei Weitem nicht so hoch ist. So ein neues Projekt katapultiert einen direkt zurück in die Jugend, als man ähnliche üble Lösungen mangels Teileversorgung, vernünftiger Fachwerkstätten, oder vernünftiger Beratung anwandte. Und ich freue mich schon auf das vollendete Werk, wenn die "signal orange Roadster", 1971 von Taylor Matterson in London an einen in Deutschland stationierten GI geliefert, wieder in fahrbarem Zustand vor mir steht.
Frohes Schrauben wünscht
Joe