Schöne Bilder?
Viel, viel mehr als das.
Werden wir wohl auch im Jahr 2050 von den heutigen Tanken sagen.
Ach ja - Familie will den Gummibären-Heini im TV sehen und ich schreib lieber mal ein paar Gedanken - read at own risk!
Das mit den Tanken 2050 kann so sein - muss aber nicht, wenn alles den vermuteten Gang geht wird das 2050 soviele Tanken geben wie heute Telefonzellen.
Mobilität wird nie wieder den exklusiven Stellenwert bekommen wie in den 1960ern.
Soziologischer Fakt ist, das die soziale (nicht ökonomische) Wertigkeit des Automobils/Mobilität heute deutlich geringer ist, als z.B. 1960 und damit auch das Hallo drumherum.
Heutige Autos sind weder echte Statussymbole noch bilden sie irgendeine soziale Stellung ab.
Es sind kreditfinanzierte Wegwerfartikel, für zeitlich begrenzte Mobilität und nur noch eine Minderheit "armer Irrer" sieht in einem Neuwagen noch dasselbe wie 1960.
Wegwerfprämien für 8 Jahre alte Gegenstände rücken das Auto (egal welches) direkt neben die Waschmaschine oder die Sofaecke im gefühlten Wert.
Nix mehr mit "Luxus" oder "Status", wenn jeder Honk bei seiner XYZBank online die 30 Zettel für ne Familienkutsche klar machen kann, um 0,00% (alleine das ist Idiotenkram - da es bei Null auch keinen Sinn macht von "von Hundert" zu sprechen - es gibt keine 0,00 von etwas, sondern Nichts von etwas oder "Geld ohne Beziehung zum Gegenstand/Wert" geliehen), um alles an Marketing abzugreifen, was die Saltomortalefinanzierer sich ausdenken, um in der globalisierten Achterbahn nicht als erste die Türen der Werkhallen zumachen zu müssen.
Alles Voodoo-Money und das Objekt - das Auto/Motorrad - ist dann genau das wert, was es wert ist --> 0,00%, ohne Sparen oder Konsumverzicht woanders.
Der Durchschnittslohn 1960 betrug (brutto) etwas über 3000 DM pro Jahr (!!!) und ein Käfer kostete damals 4600 DM.
Da musste der Durchschnitsdeutsche schon mehr als nur einen Anruf beim Banker, .... äääh Callcenter mit 1€ Jobbern am Rohr, machen um sowas vor dem Reihenhaus zu parken.
http://www.historische-vws.de/history/konkur4.htm
http://de.statista.com/statistik/daten/ ... seit-1960/
Auch der Sprit war damals arschteuer und nicht so ein Billigprodukt für Kreti und Pleti wie heute.
http://www.was-war-wann.de/historische_ ... reise.html
Zieht euch mal den Sprung zwischen 2001 und 2002 rein (das waren noch Zeiten)
60 Pfennig sind bei 3000 DM Jahrteslohn (brutto!!!) schon echt happig.
Bei 1,30 DM Stundenlohn (brutto) haben die Leute sich das dreimal überlegt, ob sie tanken können.
http://www.politikforen.net/showthread. ... Stunden%29
Heute würde das, bei über 30.000 € Jahresdurchschnittslohn (brutto) und 1450 Stunden, einen Durchschnittsstundenlohn von 20€ bedeuten (so sieht das nun mal statistisch wohl aus - wenn alle 1€ Jobber und Unterbezahlten mitreingerechnet werden) und ein vergleichbarer Benzinpreis wäre knapp unter 10 € den Liter (€ in DM umrechnen empfinde ich als Selbstverarsche, auch wenn das hier alle Zahlen noch krasser aussehen lassen würde).
Ich bin mir durchaus sicher die BWLer unter uns können da ganz andere Zahlen hervorzaubern, lachen sich über meine Art das zu verbildlichen kaputt und werden mir Sozialwissenschaftler exakt nachweisen, das ich besoffen mit dem großen Zeh im Sand bei Flut rechne.
http://www.forwarddarlehen-vergleich.de ... 2009-2010/
Tatsache ist aber, das die "schönen" Tanken damals nur den Wert der Mobilität widerspiegelten und das mit heute überhaupt nicht vergleichbar ist.
---> Wenn mir jemand beweisen kann das man heute länger (in Minuten - nicht Wertschöpfung oder so einen Quatsch) für nen Liter Sprit arbeiten muss als 1960 nehme ich alles zurück und bin dazu noch schwer schockiert.
Weder die Fahrzeuge noch der Sprit bedeuten den Leuten m.M. nach heute auch nur annähernd das, was damals in ihnen gesehen wurde.
Redet mal mit nem Oldi über sein erstes Krad oder Auto......
Heute ist ne Tanke nur noch eine Infrastrukturstelle zur Billigenergieaufnahme für das Wegwerfgerät - da muss nichts mehr gestyled oder sogar etwas mit "Service" zu tun haben.
1960 hat man eine halbe Stunde an der Drehbank gestanden, für einen Liter Benzin!
Heute mal gerade 5 Minuten.
(und wer nen guten Job hat = mehr als 20€ brutto die Stunde bekommt, "steht" noch um Ellen weniger da - da kann der Liter Sprit leicht mal in ein/zwei Minuten verdient sein).
So billig war Sprit noch nie.
Und selbst bei 5€ den Liter steht der Dreher (bei 20€ Bruttostundenlohn ;-))) nur 15 Minuten an der Maschine, für nen Liter Benzin und keine halbe Stunde, wie in den 60ern.
Das andauernde Spritpreisgejaule zeigt eigentlich immer nur wie unüberlegt wir hier im Lande mit unserer Aufregung sind.
Und lenkt schön von der Oligopolpraxis der Multis ab, die nicht den Benzinpreis im Blick hat, sondern das ganze Gesellschaftsmodell mit so einer individuellen Abhängigkeit von billiger Mobilität.
Die lachen sich doch kaputt über die Preisdiskussionen - solange wir im Ganzen so erpressbar bleiben.
Zurück.
Das ist, im Gegensatz zu dem Ökonomen, für mich das Maß der Dinge - vieviel Lebenszeit kostet mich etwas?
Wenn ich den durchschnittlichen Nettolohn bei 0,25 € die Minute annehme, kann ich so leicht die Sachen vergleichen, indem ich die Minuten mit dem Durchschnittslohn damals vergleiche.
Natürlich muss ich davon ausgehen das eine Minute = einer Minute ist (was bei unterschiedlicher Lebenserwartung auch schon wieder relativierbar ist und uns heute sehr viel reicher dastehen läßt).
Und es ist nun mal so - "Was nix kostet ist nix wert".
Und genau so sehen die Tanken heute aus und genau so werden die Fahrzeuge heute gebaut - nach 8 (acht) Jahren klar für die Abwrackprämie.
Selber reparieren? Da lass mal die Finger von!
Autos werden so konstruiert, das die für "Zivilisten" unreparierbar sind - wie Einwegrasierer - die ja auch keiner mehr am Lederriehmen schärft.
Ex und hopp!
Es gab mal Zeiten da wurden gute und irre teure Rasiermesser zweimal vererbt - heute verdient der Kapitalist an allen drei Generationen nonstop und ohne Ende das Mehrfache eines guten und teuren Messers und keier hat mehr eine Beziehung zu seinem Rasierer (auch wenn die Werbung genau das, wie beim TC die MoCo, propagiert)!
Alles was heute fährt kann und soll konstrukitv gar kein Oldtimer mit 50 Jahren oder mehr auf dem "Buckel" mehr werden - da es z.B. keinen Kunstoff in KFZ-Bereich gibt, der solange hält und nicht zerbröselt (Mindesthaltbarkeitsdatum werden wir noch an KFZ sehen).
Neue Autos sind mit "modernen" Klebern geklebt, bei denen keiner weiß (wissen kann) was die in 20 Jahren für einen Zustand haben werden (MHD 8 Jahre).
So Tanken werden wir also nie wieder bekommen (flächendeckend) - da Mobilität kein Luxus mehr ist, sondern ein Verbrauchsding in all seinen Ausprägungen.
Wer von solchen Tanken überall träumt, macht sich selber was vor - da der Preis dafür wäre, das wir wieder (fast) alle zu Fuss gehen oder bei Gauzy Fahrräder kaufen müssten, um zur Arbeit zu kommen.
Was da so toll aussieht, ist nur das Zeichen für eine Gesellschaft, in der Mobilität eben wertvoller "Luxus" und erarbeiteter "Status", aber nicht Notwendigkeit der Massen, war.
(Zur Arbeit ging man damals zu Fuß oder mit dem Rad - Pendler gab es kaum bis gar nicht, der Einkauf wurde ebenso simpel gemacht und die Kinder hatten satt Spielkameraden in der Familie oder Nachbarschaft - nicht am anderen Ende des Landkreises)
Unsere ganze Gesellschaftsstruktur basiert aber heute elementar auf Geschwindigkeit, Mobilität und Individualität.
Solche Tanken wären das Zeichen für eine Revolution - die uns nicht nach vorne bringt, sondern an den Abgrund, da alle heutigen sozialen Gegebenheiten eine so exklusive Mobilität nicht vertragen würden.
Daher finde ich die heutigen Tanken eigentlich viel schöner, als die von 1960 - ich arbeite einfach viel lieber nur 7 Minuten für den Liter Sprit (= ne halbe Stunde um 100km mit dem Shovel zu fahren).
Und mit den "Nix-Wert-Dingen" im Alltag muss man irgendwie seinen Frieden machen - da man daran im Kapitalismus nichts ändern wird mit Reformationen oder "Umdenken".
Der basiert nun mal auf (uhhuhu soll ich das böse Wort nehmen?) Entfremdung, um schneller Umsatz und damit Gewinn zu machen.
Man darf an den alten Dingen nicht emotional hängen - sondern soll neue Dinge kaufen.
--> So nun ist es raus - wir leben in einer entfremdeten Gesellschaftsform und das sieht man an allen Dingen im Alltag - so auch den Tanken.
Der Grund unserer Freude an diesen alten Dingen ist der, das damals eine Tanke ein Beziehungspunkt zu Mobilität ("Luxus" und "Status") auch für den "kleinen Mann" war.
Und wir PreEvo-Bescheuerten wollen nicht entfremdet sein und gehen auf in der Bezeihung zu einem ehemaligen Konsumgegenstand des Kapitalismus (wenn nicht die Harley, welcher Gegenstand dann sollte denn den Luxus und die überschellende Kraft des Kapitalismus symbolisieren?) - den wir aber nicht ordnungsgemäß verbrauchen, sondern "unsinnig" mit "überflüssigen" Emotionen aufladen und gegen seine Bestimmung benutzen - uns allso eigenmächtig, gegen den Plan der MoCo/Kapitalisten, dauerhaft aneignen - dauerhaft ihn in unsere Persönlichkeitsstruktur mitintegrieren (ja das sieht man vom T-Shirt bis zum Tattoo).
Das erklärt auch sehr schön unsere angespannten Beziehungen zur MoCo - die einzig und alleine kapitalistisch denkt und Wegwerfgegenstände neuerdings und heimtückisch (wir durchschauen das) künstlich mit Emotionen aufläd, um den Verkauf/Umsatz zu beschleunigen (und dabei nicht mal von Elton John als TopAct auf dem 100sten zurückschreckt, in ihrem Unverstand).
Die HOGgies kaufen sich einen Abklatsch der "alten Zeit", als Männer noch echte Beziehungen zu ihren Kraftfahrzeugen hatten und haben mussten - weil sie z.B. Jahre drauf gespart haben oder existenziell drauf angewiesen waren.
Wir leisten uns freiwillig den "Luxus" und den "Status" so zu tun, als ob wir das nötig hätten, uns in Beziehung zu einem wertvollen und notwendigen Gegenstand zu setzen?
Da flunkern wir uns was vor - oder auch nicht.
Wir brauchen diese "Freiheitsmaschinen" ja so wie wir sie gebrauchen - nicht entfremdet, sondern im Gegenteil, sehr verinnerlicht, genau so nötig wie der malocher damals den Käfer als Symbol brauchte.
Zwar nicht für das materielle Überleben, aber für das Überleben unserer Individualität oder noch krasser, uns zur Bestätigung als eigenständige Person.
Das ist das, was man nur mit einer selber umgebauten Harley kann - weil nur eine selber umgebaute Harley, bei den Motorrädern, das Symbol für Individualismus ist (Blödsinn klar, geht mit ner BMW oder MZ genauso - aber dennoch ist das nur bei der Harley Kultur geworden - es gibt kaum andere Chopperszenen, die nicht von unsrer abkupfern).
Deshalb - weil es ein rebellischer und kulturkritischer Film werden sollte - haben die "Jungen Wilden" beim Easy Rider auch die Symbole sehr individuell gechoppt und verinnerlicht benutzt.
Nicht als Kunden (Customer), sondern als Besitzer (wie man beim Reifenreparieren sehen kann), die sich mit ihrer Maschine wie mit einem Lebewesen (in der Szene das Pferd mit den Hufeisen) in Beziehung setzen.
Die Überschrift über dem Spiegelartikel zu den Bildern ist m.M. nach falsch - sie sollte richtiger lauten "Als tanken noch stolz/glücklich machte!"
Und genau das machen wir ja heute auch noch, wir tanken und sind stolz/glücklich, das wir das mit unseren Hockern so können, im Gegensatz zu den anderen Tankern - die oft sehr griegrämig gucken.
Das Gefühl die Zapfpistole in den Bob-Tank zu halten ist doch eine total anderes als z.B. den Passat zu befüllen.
Oder geht das nur mir so, das Harleybetanken ein gutes Gefühl (und Grinsen) macht und der Spritpreis dafür IMMER günstig ist?
Ich hab noch nie gedacht, das Sprit, der in den Shovel geht, zu teuer ist.
Wäre ja auch bescheuert - wenn man den Jahresverbrauch an Sprit in € mit dem Collateral-Verbrauch an Teilen, Zeit und Mühen in € vergleichen würde.
Und da kommen hier im Forum sicher einige auch satt an die Käfer-Relation der 60er ran.
Ich bin mir sicher, das ein großer Prozentsatz hier im Forum mehr für die Harley an Minuten Lebenszeit ausgiebt, als der Dreher in den 60ern für seinen Käfer.
Und genau desshalb sind uns die Geräte auch soviel wert - weil wir sie bewust und freiwillig (ohne Not) verinnerlicht haben (im Gegensatz zu der allgemeinen gesellschaftlich vorrangetriebenen Entfremdung der Dinge) und weil wir sehr viel ausgeben für sie (an Lebenszeit).
Und nun zum Schluss - genau desshalb wünschen wir uns gefühlt diese alten Tanken - da sie für UNS gefühlt die richtigen Stellen zum befüllen unserer Hocker wären, so wie wir uns mit denen fühlen.
Heutige Tanken sind ein Zeichen für die heutige Zeit - wir leben aber gefühlsmäßig mit den Shovels in einer anderen Zeit und wünschen uns gefühlsmäßig die dazugehörige Infrastruktur, damit Gefühl und Alltag passt (der Fachmann spricht hier von "kognitiver Dissonanz" -
http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz).
Vom Kopf wären so eine Welt mit so Tanken der Horror - weil wir da dann wieder soviel für die alltägliche Familienkutsche malochen müssten, das keiner ne Harley hätte.
Wer bis hier gelesen hat, hat mir hoffentlich in der Argumentation folgen können.
In Wirklichkeit ist das alles unendlich viel komplexer und komplizierter und in den Folgen für unsere Gesellschaft auch eine finale Katastrophe.
Und das werde ich jetzt machen - als finale Katastrophe im Wohnzimmer auftauchen und meine Kinder ins Bett scheuchen - egal was Tommy Gottschalk noch für einen Nonsense treibt.
Gruß vom Feldrand. Maruski