Bike-Buch-Tipp-Thread

Szene-Themen. Corona, Politik, Religion & Grundsatzdiskussionen unerwünscht

Moderator: Gerry

Christian
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Bike-Buch-Tipp-Thread

Beitrag von Christian »

Hallo Leute,

mal ein paar Buchtips:

Ralph „Sonny“ Barger: Hells Angels. Barger beschreibt seinen Werdegang als Jugendlicher bis zum „alten Herren“ im HAMC, mit allen Exzessen wie Drogen, Gewalt, Verbrechen, Schlägereien und Knast. Leicht lesbar, in seiner dumpfen Gewalttätigkeit aber abstoßend. Auch nicht immer ganz glaubwürdig, wenn er das amerikanische Rockerleben stilisiert. In diesem Buch wird all das beschrieben, was manche Dumpfbacke das Leben in einem Rockerclub anziehend macht. Über die Hintergründe erfährt man nichts, Barger hält sich an das mafiöse Gesetz des Schweigens, die Omerta und liefert teilweise eine gut geschriebene Propaganda für die HA ab. Dennoch ist das Buch eine gute Milieustudie, da es die nach Außen sichtbaren Erscheinungsformen wie Gewalt und Gruppenkonformität der amerikanischen Rockerkultur, wie sie nicht nur für die HA gelten, gut darstellt.

Klaus „Hüpper“ Wagner: Der Freeway Rider. Mein deutsches Rockerleben. Das Freeway-Riders-Gründungsmitglied und Chapter-Presi Klaus Wagner ist das deutsche Pendant zu Sonny Barger, aber weniger gewalttätig und mehr reflektiert. Gut lesbar beschreibt Wagner seinen Werdegang vom Jugendlichen mit Kleinkraftrad zum Rocker mit schwerem Motorrad. Auch hier erfährt man Hintergründiges nicht, trotzdem Wagner nicht verschweigt, dass er im Knast gesessen und im Rotlichtmilieu als Zuhälter gearbeitet hat. Deutlich wird, dass Wagner Freiheit als Selbstbestimmung auffasst und dafür seinen Weg zu gehen bereit ist, auch wenn er dafür zeitweilig im Knast landet.

Michael Ahlsdorf : Alles über Rocker. Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen: Eher lexikalisch angelegt, werden hier die grundlegenden Fragen beantwortet, die sich jeder schon einmal gestellt hat, sei es um Begriffe wie 1-Prozenter, Patches oder Vereinsstrukturen, oder die Geschichten und Legendenbildungen zur Rockerkultur. Natürlich werden nicht die speziellen Informationen aus dem Innenleben eins Clubs gegeben, aber doch die Informationen, die man wissen sollte, wenn man sich in dieser Subkultur bewegt. Manche kritisieren die Verniedlichung der 1%-er, andere dass nicht alle Angaben korrekt sind, insgesamt ein gutes Einsteigerbuch.


Aussteiger-Literatur gibt es natürlich auch. Sie ist schonungsloser und legt die Stellen bloß, die von den Clubs verschwiegen oder bestritten werden offen:

Hunter S. Thompson: Hells Angels. Das von den Angels am meisten bekämpfte und geschmähte Buch. Der Journalist Thompson hat ein Jahr lang in den 60ern die Hells Angels in ihrem exzessiven Lebenstil begleitet und daraus ein Buch gemacht, welches auch die schlechten Seiten der Vereinskultur nicht ausspart. Thompson gilt den HA als Ratte und musste zeitweilig untertauchen. Dazu werden auch manche Übertreibungen beigetragen haben. Fakt ist, dass nicht nur die HA keine Chorknaben sind und Thompson genau das beschreibt.

Bad Boy Ulli: Höllenritt. Ein deutscher Hells Angel packt aus. Ulrich Detrouis erzählt eine Geschichte aus Gewalt, Drogen und Lügen und zeigt die organisierte Kriminalitä als Hintergrundfolie des Clubs auf. Als ehemaliger Vizepresi mit Zugang zu den wichtigsten Insider-Infos kann Bad Boy Ulli fundiert über die kriminellen Machenschaften berichten. Aus dem Klappentext: „Dies ist die Geschichte von Bad Boy Uli. Er erzählt, wie er zu seinem ersten Bordell kam, und später ein Hells Angel wurde. Er nimmt uns mit auf seine Touren zu seinen Brüdern in der Südsee, in Südafrika und in den USA. Er berichtet von den deutschen Clubs, ihren Strukturen und ihren geheimen Regeln. Und er räumt mit dem Easy-Rider-Mythos von Freiheit und Abenteuer auf. Denn Hells Angels geht es vor allem um eines: Um viel Geld. Bad Boy Uli beschreibt kriminelle Geschäfte mit Waffen, mit Drogen und mit Prostitution. Noch nie hat ein führender deutscher Hells Angel so offen ausgepackt. Noch nie haben Außenstehende einen so tiefen Einblick in diese geheimnisvolle und gefährliche Welt erhalten.“ Detrouis kritisiert auch die Machenschaften derer, die - besonders in Deutschland - als Member den Club und andere Member für sich ausnutzen. Auch die Probleme mit dem unkontrollierten Wachstum werden thematisiert.

Alex Caine: Mister Undercover. Wie ich die Hells Angels, Bandidos, ein Heroinkartell und den Ku-Klux-Klan unterwanderte. Der ehemalige V-Mann infiltrierte verschiedene kriminelle Organisationen und berichtet detailliert und spannend aus deren Innenleben. Caine stammt selber aus schwierigen Verhältnissen und hatte eine große Affinität zur kriminellen Subkultur, bevor er die Seiten wechselte und sich als V-Mann der kanadischen und amerikanischen Polizei zur Verfügung stellte um kriminelle Gangs auszuschalten. Ein schockierend ehrliches Buch, das auch vor Kritik an den eigenen Reihen nicht haltmacht.


Und wer sich für die englischen Rockers (mit „s“ hinten dran!) interessiert:
Johnny Stuart: Rockers. King of the road. Das harte Leben und der Lifestyle der Ton-Up-Boys wird beschrieben. Was in den 50ern und den 60ern der Lebensstil junger arbeitender Männer war und heute noch auf der Insel en Mass Rockers zum ACE Cafe zieht, wird hier einfühlsam und mit vielen Bildern ausgestattet beschrieben. Ein Klassiker, allerdings in englisch, der nur noch im Internet gebraucht zu haben ist.

Den Freunden der Brit-Twin-Cafe-Racern seien diese Bücher empfohlen:
Cafe Racers. Riders and Lifestyle. A Pictorial Review (engl.). Eine Sammlung historischer Brit-Moppeds in Bildern. Auch der Clash zwischen Rockers und Mods kommt nicht zu kurz. Die Ursprünge der Rockerskultur, die Maschen und die Typen auf ihnen werden beschrieben und bebildert.

The Cafe Racer Phenomenon (engl.). Der weltweit größte Motorradclub, der 59 Club und das legendäre wiedererstandene Ace Cafe sowie die britsichen Legenden der Rockerskultur werden hier beschrieben. Auch die Cafe Racer der verschiedenen Dekaden kommen nicht zu kurz.

Or Glory (deutsch). Das Buch beschreibt nicht nur die Brit-Twins, sondern auch den Lifestyle und die Musik der britischen Untamed Youth der 50er und 60er Jahre mit ihren Ursprüngen zum Teil noch vor dem 2. Weltkrieg und ihren Einflüssen auf die heutige britische Bikerkultur, die immer noch sehr stark am Ursprünglichem festhält und darum eine völlig andere Entwicklung als die deutsche Rockerkultur mit ihrem – man ist schon fast geneigt, zu sagen – MC-Unwesen genommen hat.


Gruß, Christian
Zuletzt geändert von Christian am 06.11.2011, 19:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Joker24
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Re: Mal ein paar Buchtips

Beitrag von Joker24 »

Hallo Christian!
Hab mir mal 2 der von dir beschriebenen Bücher bestellt....
wenns interessiert gibts nen Feedback (kann aber nen bisschen Dauern eines ist in English da muss ich jeden Satz 2 mal lesen :oops: )


MFG
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Panhead Andi
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Panhead Andi »

... Falscher Engel von Jay "Bird" Dobins...
hab ich in zwei Abenden durch gelesen und ich bin keine Leseratte ;-)

Bird erzählt von seiner Zeit als Undercover Cop bei den Rot Weißen und wie er selber einer von Ihnen wurde... und das nicht nur auf der Kutte...

sehr Interessant und spannend geschrieben...

Gruß
Andi
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KayTee
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von KayTee »

AndiBar hat geschrieben:... Falscher Engel von Jay "Bird" Dobins...
hab ich in zwei Abenden durch gelesen und ich bin keine Leseratte ;-)

Bird erzählt von seiner Zeit als Undercover Cop bei den Rot Weißen und wie er selber einer von Ihnen wurde... und das nicht nur auf der Kutte...

sehr Interessant und spannend geschrieben...

Gruß
Andi
Den habe ich im letzten Urlaub auch verschlungen. Ich fand das Buch super, wenig poserhaft und vielschichtig.

Ich würde zu gerhe mal sehen, ob die aus Mesa wirklich so fahren.

Gruß,
KayTee
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SuperGauzy
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von SuperGauzy »

Den Jay Dobins hab ich auch in 3 Tagen gelesen, wie zuvor den Sonny Barger vor ca. 2 oder 3 Jahren. Schon interessant wie die einen über die anderen denken...
SuperGauzy
:riding:
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Joker24
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Joker24 »

Na ich hab mir auch das Buch vom Barger in English und das Buch vom Thompson in Deutsch geholt.
Jetzt bin ich mal gespannt...
Sauge alles mal auf und das wichtigste und interessanteste werde ich behalten
:wink:

Wissen ist Macht ! oder wie war das ?

Gruß Sven
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maruski
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von maruski »

Moinsen @all

Das ja mal nen schöner Beitrag, der mir aus der Seele spricht.

Ich möchte ja Gerry gerne hiermit vorschlagen (wennd as nicht ein zu irrer Arbeitsaufwand ist) eine Extrarubrik für Bücher, analog zu der "Tech-Base", anzudenken.
In der "Buch-Base" könnten dann die Leseergebnisse der unterschiedlichen Bücher, von Bargers Selbstbeweihräucherung bis hin zu Piersigs Gratwanderung am Qualitätsirrsinn, besprochen werden.
Ich würde da dann aber wirklich die Bandbreite auf "Motorradliteratur" einzäumen und Life-Style ohne Motorräder rauslassen.

CUT

Und da hier ja der Wahnsinnige Thompson und sein irres Erstlingswerk erwähnt wurde, eines meiner Lieblingszitat, das alles an esotheischen BlaBla sofort entkräftet, des guten Mannes, der auch in den Dooneybury-Comics zu einer amerikanischen legende wurde.
http://www.doonesbury.com/

"THE EDGE– there is no honest way to explain it because the only people who really know where it is are the ones who have gone over."

— Hunter S. Thompson

Wer Bilder und weitere Zitate mag:

http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... 9,r:4,s:56

CUT back

Aber das mit der Buch-Base sollte nicht darüber vergessen werden, da es unendlich viele echt gute Bücher und auch noch mehr flaches Altpapier gibt zu dem Thema "Motorrad".

Gruß vom Feldrand - zu dem ich nach Kupplungsseilriss endlich wieder zurück bin.
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Joker24 »

Nun übefordert den armen Gerry nicht so....der hat Tagelang nur mit Kängeroos geschnackt und ist BMW gefahren :lol:


Bitte nicht hauen..... :shock:
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Gerry
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Gerry »

maruski hat geschrieben: Ich möchte ja Gerry gerne hiermit vorschlagen (wennd as nicht ein zu irrer Arbeitsaufwand ist) eine Extrarubrik für Bücher, analog zu der "Tech-Base", anzudenken.
In der "Buch-Base" könnten dann die Leseergebnisse der unterschiedlichen Bücher, von Bargers Selbstbeweihräucherung bis hin zu Piersigs Gratwanderung am Qualitätsirrsinn, besprochen werden.
Och nöööööööööööööö....
Ich wußte gar nicht das es hier so viele Hobby-Literaturkritiker zugegen sind.
Ich glaube ein Thema analog zum YouTube-Threat wäre ersten einfacher für mich und zweitens könnte da jeder seinen Rezesionssenf direkt ablassen.

Gruß auf'm Weg in die Werkstatt,
Gerry
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Re: Mal ein paar Buchtips

Beitrag von panshovel »

"Undercover"
Die Geschichte von William John Jr. (Billy) als Undercover Agent bei den Mongols. Wurde auch verfilmt und war auch vor einiger Zeit mal im D-Max. Wurden auch Orignalaufnahmen von den Überwachungen des Clubs und Mitschnitte von Gesprächen unter den Membern vorgespielt. Recht interessant.

-Jürgen-
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Landmark
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Landmark »

Gerry hat geschrieben:
(...)

Ich wußte gar nicht das es hier so viele Hobby-Literaturkritiker zugegen sind.
Ich glaube ein Thema analog zum YouTube-Threat wäre ersten einfacher für mich und zweitens könnte da jeder seinen Rezesionssenf direkt ablassen.

Gruß auf'm Weg in die Werkstatt,
Gerry

Moin,

ja der Trend geht zum Zweitbuch :D

Die Idee mit dem Buchtipp-Thread find ich gut. Man könnte dieser ja gleich dazu verwenden.

Vielleicht benennt ihn Christian (Thread-Starter) noch um in "Bike-Buch-Tipp-Thread" o.ä.

Hab hier noch einen Link zu einem älteren Thread in dem einige Buchtipps und "Buch-Links" enthalten sind.

http://forum.shovel-head.com/viewtopic. ... 9141ee43a3


Gruß!

Landmark
„Ich denke nicht, dass meine Lieder alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind – die sind nur hoffnungslos.“ – Townes Van Zandt
-
https://www.youtube.com/watch?v=A6lXAGli3JU
Christian
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Christian »

Vielleicht benennt ihn Christian (Thread-Starter) noch um in "Bike-Buch-Tipp-Thread"
Hallo Landmark,

erledigt!

Gruß, Christian
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maruski
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von maruski »

Hi Leseroggers, habe gerade das "Under and Alone" von William Queen gelesen (gibt es auch auf Deutsch) und bin wenig begeistert.

Recht flache Reflexionsebene - eigentlich alles nur Selbstbeweihräucherung über was ATF Officers für tolle Typen sind und Mongols für Blödmänner (und Angels noch größere "Wannabees").

Da das Ganze ja offensichtlich auf einer realen Ermittlung beruht, glaube ich das der gute William das einfach nicht besser wiedergeben konnte.

Zwischen den Zeilen kommt ab und zu ein Glimmer von Nachdenken raus und es scheint mehr gegeben zu haben, als wie er da niederschreiben konnte.
Muss auch - wenn man selber weiß wie das Leben wirklich ist. Das alles kriegt er aber nicht zu Papier.

Im Großen und Ganzen ein netter Zeitvertreib das Buch zu lesen.
Aber richtig viel zum Nachdenken oder auch nur neue Blickwinkel auf die "1%er Kultur" gibt das Buch nicht - vielleicht weil es da auch einfach nichts zu zeigen gibt?

Am Schluß zieht er das Fazit, das er persönlich zuviel verloren hat (Familie und Selbstachtung) und das Register der Strafen, die seine über zwei Jahre Ermittungen ergaben, ist auch recht lächerlich.

Und am Ende hat es den Mongos MC in keiner Weise überhaupt tangiert das da ein so "großer Schlag" geführt wurde - "Business as usual" - nur das Queen sich selber psychisch ruiniert hat.
Aber das alles wird nicht wirklich thematisiert, sondern nur ein flacher Ermittungsbericht gebracht, der mehr Klischees bedient als Einblick schafft.

Das zweite Buch zu dem ich hier was beisteuern will ist dagegen beinahe mein Lieblingsmotorradbuch (aber da hab ich viele "Beinahes")

"Riding the edge" von Dave Barr (gibt das nicht auf Deutsch - leider, leider) ist der Hammer.
Dave hat als Söldner in Afrika "gearbeitet" (er würde jetzt protestieren, da er darauf besteht das er kein Söldner war, sondern immer bei regulären Armeen als Soldat angeheuert hatte und auch immer nur den Soldatensold der Regulären bekommen hat) und ist auf einer Landmine explodiert.
Hat dabei beide Beine verloren und konnte nur knapp überleben.
In den USA zusammengeflickt geriet ihm sein leben aus den Händen und er wurde ein fieser Säufer.
Nach einem Beinaheunfall mit einer kinderwagenschiebenden Mutter im Vollsuff ging er in sich und war verzeifelt das er nichts wirklich konnte (ausser Soldat sein), nichts hatte (weder Familie nocht echte Freune im Zivilleben - und ohne Beine waren seine Soldatenkumpel weit weg) und total leer dastand.

Ihm kam dann die Idee, Erleuchtung oder was auch immer, eine Spendenfahrt rund um die Welt zu machen, für die Organisation, die ihm damals im Behindertensanatorium, das Leben gerettet hatte.

Und um das Ganze noch irrer zu machen, will er den Trip mit seinem 1977er Shovel durchziehen, den er sich noch vor der Landminengeschichte gekauft hatte.

Dave ist auch kein großer Schreiber - plain english und auch keine große Philosophie.
Aber rund um die Welt reflektiert er seine Position und die Reaktionen der Menschen auf ihn, gibt viel von der Art und Weise wie USA-Menschen das Leben sehen (Selbstverantwortung, eindimensionaler Christenglaube) rüber und ist durchweg sehr offen mit der Wiedergabe seiner Eindrücke.

Dave Barr ist bestimmt kein klassischer "feiner Kumpel" und für Europäer auch schwer nachzuvollziehen, aber er ist grundehrlich, bescheiden und letztlich beinhart, bis an die Kante des nachvollziehbaren (wie er alleine seine ungezählten Stürze beschreibt ...).

Auch ist es ein Ding mit wie wenig Planung oder Geld, der das durchgezogen hat.
Eine Aneinandereihung von "Fuck ups", für die er aber immer eine Lösung fand.
Irre wieviel Selbstvertrauen und Power ein Mensch haben kann.
Und er beschreibt das sehr einfach und ehrlich - total sympathisch und nachvollziehbar.

Wer, wie wir hier, weiß was es bedeutet mit einem Shovel Longdistance zu fahren kann dennoch kaum ermessen was da zu leisten war. Z.B. die total verschlammten Dschungelstrecken in Afrika oder die Offroad- und Tiefsandstecken in der Sahara, wo ihn die Endurofahrer mitleidig betrachteten und dann staunten was ein Shovel kann.

Und Dave beschreibt auch durchgehend sehr detailiert (und für uns besonders interessant) seine immensen mechanischen Probleme (mit dem Shovel und mit seinen Prothesen) und deren wundersame Lösungen.
Hier alles auch nur anzureißen geht nicht - selber lesen.

Zu geil das Buch, ein Reise- und Lebensbericht der Extraklasse.
Für Leser mit Schulenglischkenntnissen locker zu schaffen und ein absoluter Gewinn.

Kann bei Dave Barr direkt bestellt werden (er bittet um Dollarnoten (muss man beid er Bank tauschen ;-) in nem Brief), der das im Selbstvertrieb verteilt.
http://www.davebarr.com/books.html
Kurze Mail an Ihn, um die Verrsandgebühren zu erfragen und er schickt es mit Widmung zu sobald er die Kohle hat.

Das Buch mit dem Sportster durch Australien und das mit Russland im Winter sind beide gut lesbar - aber lange nicht so gut und intensiv wie sein Erstlingswerk.
Die Folgebücher haben die Seele nicht (er war da schon gut gesponsorter Reiseprofi) und zuviel Show.
Gut zu lesen und nett im Geiste "mitzufahren" aber nicht zu vergleichen mit "Riding the edge".

Den total abgerittenen Shovel von "Riding the edge" hat er der MoCo geschenkt, die den Hocker jetzt in ihrem Museeum stehen haben.

Das mal für hier, vielleicht gibt sich ja einer zu Weihnachten die Bücherkante.

Gruß! Maruski
PS - mal sehen ob ich die Zeit finde Piersigs "Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten" nochmal querzulesen und dann hier vorzustellen.
Hab das schon mindestens viermal gelesen und es ist immer wieder, in jeder Lebernsphase, neu und sehr gut.
Aber echt harter Stoff. Nix für Entspannung.
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Re: Mal ein paar BuchtipS...Ergänzung

Beitrag von Landmark »

maruski hat geschrieben:
(...)

"Riding the edge" von Dave Barr (gibt das nicht auf Deutsch - leider, leider) ist der Hammer.

(...)

Kann bei Dave Barr direkt bestellt werden (er bittet um Dollarnoten (muss man beid er Bank tauschen ;-) in nem Brief), der das im Selbstvertrieb verteilt.
http://www.davebarr.com/books.html
Kurze Mail an Ihn, um die Verrsandgebühren zu erfragen und er schickt es mit Widmung zu sobald er die Kohle hat.

(...)
Moin,

alternativ kann man das Buch auch beim Tesch (allerdings ohne Widmung) hier in Deutschland ordern.

http://www.berndtesch.de/Deutsch/Bueche ... senBu.html


Gruß

Drehung
„Ich denke nicht, dass meine Lieder alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind – die sind nur hoffnungslos.“ – Townes Van Zandt
-
https://www.youtube.com/watch?v=A6lXAGli3JU
earlyshovel69

Re: Bike-Buch-Tipp-Thread

Beitrag von earlyshovel69 »

Christian hat geschrieben:Hallo Leute,

mal ein paar Buchtips:



Alex Caine: Mister Undercover. Wie ich die Hells Angels, Bandidos, ein Heroinkartell und den Ku-Klux-Klan unterwanderte. Der ehemalige V-Mann infiltrierte verschiedene kriminelle Organisationen und berichtet detailliert und spannend aus deren Innenleben. Caine stammt selber aus schwierigen Verhältnissen und hatte eine große Affinität zur kriminellen Subkultur, bevor er die Seiten wechselte und sich als V-Mann der kanadischen und amerikanischen Polizei zur Verfügung stellte um kriminelle Gangs auszuschalten. Ein schockierend ehrliches Buch, das auch vor Kritik an den eigenen Reihen nicht haltmacht.



Gruß, Christian
Gutes Buch-sehr kurzweilig zu lesen!
Schockierend ehrlich...nun gut, kommt darauf an auf was man es bezieht.
Aber was da über die miese Art der Amibullen raus kommt...würg...
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