Dieter aus Paris hält sich bei Ölthemen in Internetforen lieber zurück... Außerdem ist Wochenende, da habe ich weniger Zeit zum Antworten als unter der Woche...trybear hat geschrieben:Ich dachte eigentlich der Dieter aus Paris würde was dazu schreiben... der ist vom Fach..![]()
Nur soviel, weil ein kleines bischen Grundwissen bzgl. des Fließverhalten von Ölen nie schaden kann, und weil da einfach viel zu viel Halbwissen im Umlauf ist:
Die Viskosität einer Flüßigkeit wird in mm²/s (oder cSt = Centistoke) angegeben, wobei Wasser bei 20 °C genau 1 mm²/s hat. In den technischen Datenblätter werden immer mindestens die Werte bei 40 °C und 100 °C angegeben, diese sollte man miteinander vergleichen, alles andere ist Kaffeesatzleserei.
Erschwerend dabei ist, dass sich viele Leute einfach auf die SAE Angaben beziehen, diese sind aber schwer vergleichbar, weil es unter anderem unterschiedliche Systeme für Motor- und Getrieböle gibt (wie ja auch bereits von Ron und Tybear angemerkt wurde).
Bleiben wir mal bei beim SAE 50er Einbereichsöl. Das entspricht einem SAE 90er Getriebeöl oder einem ISO VG 220 Getriebeöl. Hier eine Vergleichstabelle, die das sehr gut verdeutlicht:
Man kann also in ein Harley Getriebe problemlos und ohne schlechtes Gewissen auch ein Industriegetriebeöl der ISO Viskositätsklasse 220 einfüllen.
Für diese "thermischer Spannweite" gibt es einen Fachbegriff, dabei handelt es sich um den Viskositätsindex. Dieser einheitenlose Wert beschreibt die temperaturabhängige Viskositätsänderung. Je geringer die Viskositätsänderung über eine große Temperaturspanne ist, desto höher ist der Viskositätsindex.frauhansen hat geschrieben:....gebe dir in soweit recht das diese bei Raumtemperatur weitaus dünner anfühlen als der olle Harley-Sirum früherer Tage.
Das liegt aber, meiner bescheidenen Meinung nach, in der geringen thermischenn "Spannweite" des oels begründet. Sprich, es musste für hohe Temperaturen stabil sein und man hat daher die dicke Konsistenz im kalten Zustand in Kauf genommen.
Ab einem Viskositätsindex von um die 115 - 120 kann man übrigens von einem Mehrbereichsöl sprechen.
Um das ganze einmal anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, hier der Vergleich zweier Klassik-Öle, SAE 50 vs. SAE 20W50:
Man sieht deutlich, dass das SAE 20W50 bei niedrigen Temperaturen wesentlich dünnflüßiger, bei 100 °C jedoch fast genauso viskös wie das 50er Einbereichsöl ist.
Dann sollte speziell bei Motorenöle noch auf den TBN (= Total Base Number) Wert geachtet werden. Dieser sagt aus, wie weit ein Öl in der Lage ist schädliche Säuren, die während des Vebrennungsvorgangs im Motor entstehen, zu neutralisieren. Diese Fähigkeit nimmt im Lauf der Zeit ab.
Der Wert 8 mg KOH/g ist gutes Mittelfeld, 1,5 mg KOH/g weist darauf hin, dass man dieses Öl möglichst häufug wechseln sollte. Logisch, Einbereichsöle sind ja auch für Einsätze gedacht, bei denen sowieso spätestens alle sechs Monate ein Ölwechsel fällig ist, weil man z.B. auf ein Winteröl wechseln muss.
Also, wenn's ums Öl geht, weniger dem Marketing- und Forengequatsche zuhören, sondern sich lieber mal ein technisches Datenblatt anschauen und Werte miteinander vergleichen.
Viele Grüße
Dieter