Einprozenter-Kult
Moderator: Gerry
Einprozenter-Kult
Hallo Leute!
Mich treiben seit einiger Zeit ein paar Gedanken zur Bikerkultur, insbesondere der sogenannten Einprozenter/Rocker usw. um.
Wenn ich es richtig verstehe, sind Einprozenter Biker, die Wert darauf legen, nicht nach den allgemein kodifizierten Regeln der umgebenden Mehrheitsgesellschaft zu leben. Dazu greifen sie auf den offenbar unwahren Mythos des Einprozenters zurück und versuchen sich durch eine paralellgesellschaftliche Abschottung eine eigene Gesellschaft (=hier: Brotherhood) zu etablieren und nach den selbstkodifizierten Regeln zu leben und diese ggfs. auch anderen aufzuzwingen, was mich auch ein wenig an frühzeitliche Rottenbildung, Studentenbünde oder Mönchsorden erinnert, wenn man daran denkt, dass Frauen meist ausgeschlossen sind.
Natürlich bleibt es nicht aus, dass man mit der Umgebungsgesellschaft in Kontakt tritt, denn manche (überlebenswichtige) Dinge kann die eigene Gruppe nicht anbieten, z.B. Lebensmittelgeschäfte oder Blinddarmoperationen. Der Einprozenter unterschiedet sich also eher durch ein anderes Regelverständnis (Respekt, Ehre, Gruppenbildung, Farben) von der Mehrheitsgesellschaft als durch eine völlige Nichtexistenz in der Mehrheitsgesellschaft.
Ok, das kann ich alles nachvollziehen und verstehen. Manch einer möchte eben sein eigenes Ding im Leben machen und besteht auf einer gefühlsmäßig strikten Abgrenzung, man denke nur an das (oft höchst uniformierte) Erscheinungsbild in Form von Colours und Klamotten und Bikes.
Interessant wird es, wenn man sich die Regeln einer solchen Paralellgesellschaft ansieht. Da herrschen meistens Zwänge, die weit über das hinausgehen, was in der Mehrheitsgesellschaft an Zwängen besteht. Aber gut, die Fesseln, die man sich selber freiwillig anlegt spürt man offenbar nicht so sehr, wie die Fessln, die einem angelegt werden. Aber darauf will ich gar nicht hinaus.
Mich wundert es nur ungemein, wenn sogenannte Einprozentergruppen nun die Regeln der Mehrheitsgesellschaft, die sie doch per Selbstdefinition ablehnen offenbar trotzdem so verinnerlichen, dass sie diese Regeln in einem Ausmaß nutzen, wie sie die meisten Mehrheitsgesellschafter kaum in Anspruch nehmen würden, obwohl sie gerade für die Mehrheitsgesellschafter gemacht worden sind, wobei sie natürlich auch aus der Sicht der offenen Mehrheitsgesellschaft (Karl Popper!) den Außenseitern zugängig sind.
Zum Beispiel das Urheberrecht:
Wie ist es z. B. mit dem Selbstverständnis einer dezidiert als Einprozenter auftretenden Gruppe in Einklang zu bringen, dass sie sich ihr Einprozenter-Logo in der Nichteinprozenter-Gesellschaft urheberrechtlich schützen lässt und das mit der Rechtsprechung der Mehrheitsgesellschaft durchsetzen lässt?
Ist das nicht ein Rückgriff auf die Regeln der Mehrheitsgesellschaft und ein deutlicher Verzicht auf die Regeln der Einprozentergesellschaft, sich als eingetragener Verein zu etablieren (was man Jahre- oder jahrzehntelang nicht war) und das Vereinslogo durch den wenn nicht verachteten so doch abgelehneten Staat schützen zu lassen?
Wenn das so ist, liegt es daran, dass man langsam aber sicher in die Mehrheitsgesellschaft hineinwächst, so wie die Alt-68er, deren Marsch durch die Institutionen zu einem Marsch in die Institutionen verkam?
Liegt das wiederum daran, dass man langsam aber sicher ält und älter wird und die eigenen Knochen nicht mehr so können, dass man sich dann lieber den Arm des Gesetzes leiht?
Mir geht es nicht darum, Einprozenter runter zu machen. Ganz im Gegenteil, wenn jemand sich dazu entschließt aus eigener Verantwortung (und Überzeugung) zu leben, findet das meine Anerkennung. Letzlich tue ich als aus der Sozialversicherung ausgetretener Selbstständiger [bin also auch ein 1%er!] nichts anderes, wenn ich mich selber um meine Sicherheit kümmere.
Aber ich sehe für mich unerklärliche Widersprüche zwischen dem Anspruch als Einprozenter und dem tatsächlichen Tun, wenn sich z.B. der Ex-Chef der HA sich mit einer Filmgesellschaft um Urheberrechte und deren finanzielle Ausbeutung vor Gericht streitet, aber vielleicht denkt der Mann ja im fortgeschrittenen Alter eher an die Sicherstellung seiner Altersvorsorge (wer täte das in dem Alter nicht?!), als an die im Alter sicherlich problematischere randständige Existenz als Einprozenter.
Gruß, Christian
Mich treiben seit einiger Zeit ein paar Gedanken zur Bikerkultur, insbesondere der sogenannten Einprozenter/Rocker usw. um.
Wenn ich es richtig verstehe, sind Einprozenter Biker, die Wert darauf legen, nicht nach den allgemein kodifizierten Regeln der umgebenden Mehrheitsgesellschaft zu leben. Dazu greifen sie auf den offenbar unwahren Mythos des Einprozenters zurück und versuchen sich durch eine paralellgesellschaftliche Abschottung eine eigene Gesellschaft (=hier: Brotherhood) zu etablieren und nach den selbstkodifizierten Regeln zu leben und diese ggfs. auch anderen aufzuzwingen, was mich auch ein wenig an frühzeitliche Rottenbildung, Studentenbünde oder Mönchsorden erinnert, wenn man daran denkt, dass Frauen meist ausgeschlossen sind.
Natürlich bleibt es nicht aus, dass man mit der Umgebungsgesellschaft in Kontakt tritt, denn manche (überlebenswichtige) Dinge kann die eigene Gruppe nicht anbieten, z.B. Lebensmittelgeschäfte oder Blinddarmoperationen. Der Einprozenter unterschiedet sich also eher durch ein anderes Regelverständnis (Respekt, Ehre, Gruppenbildung, Farben) von der Mehrheitsgesellschaft als durch eine völlige Nichtexistenz in der Mehrheitsgesellschaft.
Ok, das kann ich alles nachvollziehen und verstehen. Manch einer möchte eben sein eigenes Ding im Leben machen und besteht auf einer gefühlsmäßig strikten Abgrenzung, man denke nur an das (oft höchst uniformierte) Erscheinungsbild in Form von Colours und Klamotten und Bikes.
Interessant wird es, wenn man sich die Regeln einer solchen Paralellgesellschaft ansieht. Da herrschen meistens Zwänge, die weit über das hinausgehen, was in der Mehrheitsgesellschaft an Zwängen besteht. Aber gut, die Fesseln, die man sich selber freiwillig anlegt spürt man offenbar nicht so sehr, wie die Fessln, die einem angelegt werden. Aber darauf will ich gar nicht hinaus.
Mich wundert es nur ungemein, wenn sogenannte Einprozentergruppen nun die Regeln der Mehrheitsgesellschaft, die sie doch per Selbstdefinition ablehnen offenbar trotzdem so verinnerlichen, dass sie diese Regeln in einem Ausmaß nutzen, wie sie die meisten Mehrheitsgesellschafter kaum in Anspruch nehmen würden, obwohl sie gerade für die Mehrheitsgesellschafter gemacht worden sind, wobei sie natürlich auch aus der Sicht der offenen Mehrheitsgesellschaft (Karl Popper!) den Außenseitern zugängig sind.
Zum Beispiel das Urheberrecht:
Wie ist es z. B. mit dem Selbstverständnis einer dezidiert als Einprozenter auftretenden Gruppe in Einklang zu bringen, dass sie sich ihr Einprozenter-Logo in der Nichteinprozenter-Gesellschaft urheberrechtlich schützen lässt und das mit der Rechtsprechung der Mehrheitsgesellschaft durchsetzen lässt?
Ist das nicht ein Rückgriff auf die Regeln der Mehrheitsgesellschaft und ein deutlicher Verzicht auf die Regeln der Einprozentergesellschaft, sich als eingetragener Verein zu etablieren (was man Jahre- oder jahrzehntelang nicht war) und das Vereinslogo durch den wenn nicht verachteten so doch abgelehneten Staat schützen zu lassen?
Wenn das so ist, liegt es daran, dass man langsam aber sicher in die Mehrheitsgesellschaft hineinwächst, so wie die Alt-68er, deren Marsch durch die Institutionen zu einem Marsch in die Institutionen verkam?
Liegt das wiederum daran, dass man langsam aber sicher ält und älter wird und die eigenen Knochen nicht mehr so können, dass man sich dann lieber den Arm des Gesetzes leiht?
Mir geht es nicht darum, Einprozenter runter zu machen. Ganz im Gegenteil, wenn jemand sich dazu entschließt aus eigener Verantwortung (und Überzeugung) zu leben, findet das meine Anerkennung. Letzlich tue ich als aus der Sozialversicherung ausgetretener Selbstständiger [bin also auch ein 1%er!] nichts anderes, wenn ich mich selber um meine Sicherheit kümmere.
Aber ich sehe für mich unerklärliche Widersprüche zwischen dem Anspruch als Einprozenter und dem tatsächlichen Tun, wenn sich z.B. der Ex-Chef der HA sich mit einer Filmgesellschaft um Urheberrechte und deren finanzielle Ausbeutung vor Gericht streitet, aber vielleicht denkt der Mann ja im fortgeschrittenen Alter eher an die Sicherstellung seiner Altersvorsorge (wer täte das in dem Alter nicht?!), als an die im Alter sicherlich problematischere randständige Existenz als Einprozenter.
Gruß, Christian
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- holzlenker
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Re: Einprozenter-Kult
Servus Christian,
meine erste Theorie: das wird eine laaaange Geschicht mit vielen Beiträgen...
Meine Meinung (habe da aber nicht so die Clubahnung!):
Wenn man mit Hilfe des Staates sich sein Recht/ seine Rechte sichern läßt ist das doch völlig o.k.
Gehst Du los und setzt Dein Recht per eigener Ideologie mit der Faust durch lacht Dein Gegener (zwar event. ohne Zähne mit gebrochenem Kiefer) aber
Du als 1%-er hast enorme Folgekosten und eventuell paar Wochen Wanne in- & exclusiv.
Das haben viele erkannt und bedienen sich des Apparates des "Rechts", und das völlig zu recht denn schließlich zahlen wir ja genug für den Verein.
Ohne Staatshilfe funktioniert das, glaube ich, nur in/unter den Club's.
Anderes Beispiel: Bist Du früher nach Hause gekommen und hast den Eltern erzählt 'der Lehrer hat mir eine geschossen'
wurde nicht gefragt warum sondern da gab's gleich gratis ohne Gespräch eine dazu...
Heute rennt das Elternpaar geschlossen mit RA zum Rektor und verlangt Satisfaction...
Es wird alles anders und nicht alles einfacher oder besser...
Ciao Lutz,
der Urlaub hat und das Regenwetter geniest
meine erste Theorie: das wird eine laaaange Geschicht mit vielen Beiträgen...
Meine Meinung (habe da aber nicht so die Clubahnung!):
Wenn man mit Hilfe des Staates sich sein Recht/ seine Rechte sichern läßt ist das doch völlig o.k.
Gehst Du los und setzt Dein Recht per eigener Ideologie mit der Faust durch lacht Dein Gegener (zwar event. ohne Zähne mit gebrochenem Kiefer) aber
Du als 1%-er hast enorme Folgekosten und eventuell paar Wochen Wanne in- & exclusiv.
Das haben viele erkannt und bedienen sich des Apparates des "Rechts", und das völlig zu recht denn schließlich zahlen wir ja genug für den Verein.
Ohne Staatshilfe funktioniert das, glaube ich, nur in/unter den Club's.
Anderes Beispiel: Bist Du früher nach Hause gekommen und hast den Eltern erzählt 'der Lehrer hat mir eine geschossen'
wurde nicht gefragt warum sondern da gab's gleich gratis ohne Gespräch eine dazu...
Heute rennt das Elternpaar geschlossen mit RA zum Rektor und verlangt Satisfaction...
Es wird alles anders und nicht alles einfacher oder besser...
Ciao Lutz,
der Urlaub hat und das Regenwetter geniest
Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen. (Walter Röhrl)
Re: Einprozenter-Kult
Hallo Lutz!
Ich gebe Dir völlig recht. Ich bediene mich auch des Rechtstaates, weil ich seinen Instrumenten (manchmal mit Bauchgrimmen und Ungeduld) vertraue und weil ich der Überzeugung bin, dass er von allen bestehenden Gesellschaftsformen trotz seiner Mängel die Beste ist. Ich bejahe ihn und vertraue ihm. Insofern bin ich auch kein 1%er und werde es nie sein.
Aber darum ging es mir nicht. Mir ging es um die Frage, ob es sich mit einer gelebten 1%er-Überzeugung vereinbaren lässt, dass man fallweise von ihr abrückt und sich des ansonsten abgelehnten Systems bedient, sobald man Vorteile davon hat, ihn aber ablehnt, sobald er Zumutungen stellt. Das scheint mir Egoismus, aber keine überzeugende 1%er-Mentalität zu sein.
Habe aber gerade den Hinweis bekommen, dass es bei den Banken zur Zeit nicht anders ist. Solange sie Gewinne machen (es ihnen also gut geht) lehnen sie eine Einmischung des Staates ab, aber jetzt, wo es ihnen schlecht geht, soll der Staat mit Steuergeldern die Verkluste minimieren helfen.
Sobald es ihnen wieder gut geht, soll er sich raushalten....
Vielleicht ist das Eine (1%er) wie das Andere (Bankensektor) auch nur eine Form des "Moral Hazard" der zu Folge jeder sich des Staates und seiner Regeln bedient, solange es zum eigenen Vorteil ist und ihn ansonsten ablehnt, wenn er Zumutungen stellt.
Wo stehe ich dann aber, der im Februar fast gekrachte Bankaktien gekauft hat und sie nun mit ca. 30 % Gewinn verkaufen kann? Korrekterweise müsste ich den Gewinn teilen, was ich ja auch tue (Gewinnsteuer). Ich werde also mit Freuden dem Staat seinen Teil geben.
Sonst wäre ich nicht besser als die Ackermmänner und unechten 1%er....
Gruß, Christian, heue philosophisch
Ich gebe Dir völlig recht. Ich bediene mich auch des Rechtstaates, weil ich seinen Instrumenten (manchmal mit Bauchgrimmen und Ungeduld) vertraue und weil ich der Überzeugung bin, dass er von allen bestehenden Gesellschaftsformen trotz seiner Mängel die Beste ist. Ich bejahe ihn und vertraue ihm. Insofern bin ich auch kein 1%er und werde es nie sein.
Aber darum ging es mir nicht. Mir ging es um die Frage, ob es sich mit einer gelebten 1%er-Überzeugung vereinbaren lässt, dass man fallweise von ihr abrückt und sich des ansonsten abgelehnten Systems bedient, sobald man Vorteile davon hat, ihn aber ablehnt, sobald er Zumutungen stellt. Das scheint mir Egoismus, aber keine überzeugende 1%er-Mentalität zu sein.
Habe aber gerade den Hinweis bekommen, dass es bei den Banken zur Zeit nicht anders ist. Solange sie Gewinne machen (es ihnen also gut geht) lehnen sie eine Einmischung des Staates ab, aber jetzt, wo es ihnen schlecht geht, soll der Staat mit Steuergeldern die Verkluste minimieren helfen.
Sobald es ihnen wieder gut geht, soll er sich raushalten....
Vielleicht ist das Eine (1%er) wie das Andere (Bankensektor) auch nur eine Form des "Moral Hazard" der zu Folge jeder sich des Staates und seiner Regeln bedient, solange es zum eigenen Vorteil ist und ihn ansonsten ablehnt, wenn er Zumutungen stellt.
Wo stehe ich dann aber, der im Februar fast gekrachte Bankaktien gekauft hat und sie nun mit ca. 30 % Gewinn verkaufen kann? Korrekterweise müsste ich den Gewinn teilen, was ich ja auch tue (Gewinnsteuer). Ich werde also mit Freuden dem Staat seinen Teil geben.
Sonst wäre ich nicht besser als die Ackermmänner und unechten 1%er....
Gruß, Christian, heue philosophisch
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- holzlenker
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Re: Einprozenter-Kult
Servus Christian,...ihn und vertraue ihm. Insofern bin ich auch kein 1%er und werde es nie sein....
das habe ich aber anders gelesen:
Auch ein 1% hat Pflichten denen er nachkommt (nachkommen sollte) wie z.B. Steuern und in Sozialkassen einzahlen (wenn Arbeitnehmer), Haftpflicht an die Versicherung abdrücken und was der Geier sonst noch so verlangt....Letzlich tue ich als aus der Sozialversicherung ausgetretener Selbstständiger [bin also auch ein 1%er!] nichts anderes, wenn ich mich selber um meine Sicherheit kümmere....
Also warum soll man die Bonbon's liegen lassen?
Ciao Lutz
Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen. (Walter Röhrl)
- SuperGauzy
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Re: Einprozenter-Kult
hallo christian,
ich denke was du beschreibst ist kein 1%er sondern eher ein anarchist. kann man die beiden vergleichen?
ich denke was du beschreibst ist kein 1%er sondern eher ein anarchist. kann man die beiden vergleichen?
SuperGauzy

Re: Einprozenter-Kult
Hallo Lutz!
Wenn ich diese Pflichten habe und als gegeben annehme, bin ich dann noch ein 1%er?
Kann ich ein 1%er sein, wenn ich eine Sozialversicherung habe und doch eigentlich nur für mich und meine Gruppe da sein will?
Oder andersrum gefragt, ab wann bin ich kein 1%er mehr?
Gruß, Christian
Wenn ich diese Pflichten habe und als gegeben annehme, bin ich dann noch ein 1%er?
Kann ich ein 1%er sein, wenn ich eine Sozialversicherung habe und doch eigentlich nur für mich und meine Gruppe da sein will?
Oder andersrum gefragt, ab wann bin ich kein 1%er mehr?
Gruß, Christian
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Re: Einprozenter-Kult
Hallo Lutz, hallo Gauzy!
Wenn das, was ich beschrieben habe ein Anarchist ist, was ist dann ein 1%er?
Ist das Merkmal des 1%ers aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft nicht auch ein gewisser Anarchismus i.S. von Nonkonformität, welche aus der Sicht des neutralen Betrachters durch andere Konformitäten überkompensiert wird? Man denke nur an die Uniformität mancher Clubs und zwar nicht nur was die Patches angeht, sondern auch die Kleidung die "Vereinsfarben", Sonnenbrillen, die Haar- und Barttracht, die gemeinsam zelebrierten Exzesse oder Vereinssitzungen, die manch einem Tennisclub zur Ehre gereichen würden, so straff organisiert geht es da bisweilen zu.
Nun weiß man ja seit der Recherche der Bikers News, dass der Ursprung des 1%er-Kultes eine Legende ist. Eine Legende, die über die Jahrzehnte seit 1947 fleissig kolportiert und ausgeschmückt wurde. Eine Legende, die sich selbst erfüllt hat indem die angebliche Aussage über das 1 % Prozent unanaständiger Biker durch die vielen, die unanständig und stolz darauf sein wollen zur Wahrheit gemacht wurde.
Der 1%er beruht also auf einem Mythos, soviel ist klar, aber was ist ein 1%er? Wann ist er es und wie ist er es?
Ist es eine Selbstdefinition ("Ich bin 1%er") oder eine Fremddefinition ("Du bist 1%er"). Wer definiert den 1%er?
Viele der Biker, die aus welchen Gründen auch immer im Knast gesessen ahben, bezeichnen sich als die Wahren 1%er und alle anderen sind Luschen.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal ein paar Kriterien formulieren, die den 1%er von anderen Subkulturen unterscheiden, die quasi zu Alleinstellungsmerkmalen führen können.
Ohne eine Rangfolge festlegen zu wollen:
Das Gruppenselbstbild (Groupthink) und die damit verbundene Ausgrenzung des Anderen
Das Outfit und die Motorräder
Die Affinität zur Gewalt und zur Kriminalität und der Drogenkonsum
Das Männerbündnerische und die Gebietsansprüche
Der Kult des Böseseins (finster Gucken) und des Todes
Das bewusste Zurschaustellen dieser Kriterien
Man wird aber bei Vergleichen feststellen, dass die meisten Merkmale auch von anderen Gruppen in abweichender Gewichtung betont werden.
Gruß, Christian
Wenn das, was ich beschrieben habe ein Anarchist ist, was ist dann ein 1%er?
Ist das Merkmal des 1%ers aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft nicht auch ein gewisser Anarchismus i.S. von Nonkonformität, welche aus der Sicht des neutralen Betrachters durch andere Konformitäten überkompensiert wird? Man denke nur an die Uniformität mancher Clubs und zwar nicht nur was die Patches angeht, sondern auch die Kleidung die "Vereinsfarben", Sonnenbrillen, die Haar- und Barttracht, die gemeinsam zelebrierten Exzesse oder Vereinssitzungen, die manch einem Tennisclub zur Ehre gereichen würden, so straff organisiert geht es da bisweilen zu.
Nun weiß man ja seit der Recherche der Bikers News, dass der Ursprung des 1%er-Kultes eine Legende ist. Eine Legende, die über die Jahrzehnte seit 1947 fleissig kolportiert und ausgeschmückt wurde. Eine Legende, die sich selbst erfüllt hat indem die angebliche Aussage über das 1 % Prozent unanaständiger Biker durch die vielen, die unanständig und stolz darauf sein wollen zur Wahrheit gemacht wurde.
Der 1%er beruht also auf einem Mythos, soviel ist klar, aber was ist ein 1%er? Wann ist er es und wie ist er es?
Ist es eine Selbstdefinition ("Ich bin 1%er") oder eine Fremddefinition ("Du bist 1%er"). Wer definiert den 1%er?
Viele der Biker, die aus welchen Gründen auch immer im Knast gesessen ahben, bezeichnen sich als die Wahren 1%er und alle anderen sind Luschen.
Vielleicht sollte man an dieser Stelle mal ein paar Kriterien formulieren, die den 1%er von anderen Subkulturen unterscheiden, die quasi zu Alleinstellungsmerkmalen führen können.
Ohne eine Rangfolge festlegen zu wollen:
Das Gruppenselbstbild (Groupthink) und die damit verbundene Ausgrenzung des Anderen
Das Outfit und die Motorräder
Die Affinität zur Gewalt und zur Kriminalität und der Drogenkonsum
Das Männerbündnerische und die Gebietsansprüche
Der Kult des Böseseins (finster Gucken) und des Todes
Das bewusste Zurschaustellen dieser Kriterien
Man wird aber bei Vergleichen feststellen, dass die meisten Merkmale auch von anderen Gruppen in abweichender Gewichtung betont werden.
Gruß, Christian
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Re: Einprozenter-Kult
Na das ist ja mal wieder ein/das "all time classic" Thema ;-)
Aber diese Dikrepanz von Ideoligie und Praxis ist größtenteils ein Werkzeugproblem.
Nicht das der Werkzeuge für die Hand, sondern der Werkzeuge für den Kopf.
Auch da gibt es unendlich spezielle Werkzeuge und keine Sinnlosen.
Jedem Problem der Welt haben wir Menschen uns ein passendes Werkzeug geschaffen.
So auch allen sozialen Dingen, die wir zerlegen und zusammenbasteln wollen.
Ein Drehmomentschlüssel ist eben nur bedingt nützlich, wenn es um Vergasereinstellung oder Elektrik geht.
Die 1% und ihr Handeln kann man mit vielerlei Werkzeugen angehen und die Diskussion darüber ist endlos und Dissertationkompatibel ;-)
Aber das spreng den Zeitrahmen meines Feierabends deutlich.
Herrn Barger und seinen Kampf um "geistiges Eigentum" zu analysieren ist das eine, seinen Platz in der Kulturgeschichte zu kritisieren ein anderes Gebiet.
Was soll das Gerede über 1%er überhaupt, wenn die Position dieses Prozentes nicht klar ist?
Was weiß man überhaupt und woher?
Was sind das für Menschen? Und was bewegt sie?
Es gibt reichlich gesicherte Erkenntnisse über Menschen und ihr Handeln als solches, aber in diesem Fall kaum welche über diese Individuen.
Unfassend hat sich der Soziologe Niklas Luhmann über Systeme (Kommunikationssysteme) ausgelassen und deren Selbsterschaffung und Evolution. Kommunikation zwischen Individuen und Gesellschaften gibt es soviele wie Außenkontakte der Individuen.
Soviel hier nur kurz. Jedes System hat seinen Code und kann nicht anders als ihn benutzen.
Im Geldsystem ist der Code bezahlen/nicht bezahlen und nur danach kann man alle Handlungen innerhalb dieses verstehen.
Wenn also diese Kommunikation angesehen wird muss aller Austausch im bezahlen/nicht bezahlen gesucht werden.
Die Person des 1%ers ist aber in sehr viel mehr Systemen aktiv (wie jeder von uns) und daher sagt ein Streit um Kohle nichts über einen Punkt z.B. im Familienleben aus.
Was will ich sehen? In welches System schaue ich?
All das führt zu dem Knackpunkt der Vereinbarkeit (oder soziologisch) der Irritation.
Interessant wäre die Frage wie ein 1%er diese Irritation mit seinem Konstrukt vereinbaren kann?
Ab wann kann ein System es nicht mehr integrieren z.B. den Rechststaat (auch ein System mit dem Code Recht/Unrecht) für zahlen/nicht zahlen zur Hilfe zu nehmen?
Rocker sein und in dem System der Randgruppe "1%er Club" zu funktionieren schließt das alles nicht aus, da der Code des einen Systems nicht mit dem Code des anderen Systems kollidiert solange beide sich nicht ausschließen.
Schließt der Kampf um bezahlen/nicht bezahlen den des Respekts/kein Respekt aus?
Ich glaube nicht.
Ebensowenig wie den des Recht/Unrecht, Liebe/ keine Liebe oder Hilfe/keine Hilfe etc.
Warum sollte es auch?
Selbst wenn es so sein sollte das die Gesetze der Gesellschaft abgelehnt werden würden, werden sie eben damit als vorhanden anerkannt und akzeptiert.
Die Position von dem Einzelnen zu den Realitäten der Welt ist immer situationsgebunden und damit auch konstruiert.
Man kann die Schwerkraft z.B. in einer engen Kurve als Übel ansehen, aber dennoch fällt alles nach unten.
Wenn ein Mensch z.B. die gesamte Medizin (Code heilen/nicht heilen) ablehnt und dennoch krank wird, kommt der Code heilen/nicht heilen, egal welchen Weg er wählt, zum tragen.
So auch bei den 1%ern und der Gesellschaft Code teilhaben/nicht teilhaben).
Falls ein Gericht der Weg ist, gut, es gibt auch andere. Am Ende wird bei einem Gezanke um Recht immer Recht haben/ Unrecht haben stehen, bei einem Gezanke um Geld zahlen/nicht zahlen und so weiter und so fort.
Zu den Mechanismen der Gruppenbildung gibt es unendlich viele Untersuchungen und warum einer Mitglied wird ist ebenso diffus.
Stanley Milgram hat gezeigt das fast jeder zu allem fähig ist, wenn die Situation es hergibt. Ebenso P. Zimbardo oder Hannah Ahrend um nur wenige zu nennen.
Sekten und Gruppen kennen so viele Techniken der Manipulation (oder des Weiterbestehens durch Wachstum) und Beeinflussung, das die Dynamik des Clubs X sich nur von innen erklären lässt. Nie von außen.
Guck dir mal irgendeine Handlung an (z.B. deinen Aktiendeal) und eine andere Handlung (z.B. eine Konversation mit deiner Frau). Da gibt es sofort eine Irritation, die nur auflösbar ist weil du beides nach unterschiedlichem Code für unterschiedliche Systeme angehst.
Ein abgefuckter Gordon Gecko kann ein guter ehrlicher Freund sein der dich nie bescheißt und andersrum, weil die Kommunikation in einem anderen System stattfindet.
So kann ein Outlaw (nicht der MC ist gemeint) auch einen Rechtsstreit gewinnen/angehen, ohne sich in Schwierigkeiten mit seinem Selbstverständnis zu bringen, wenn er beide Systeme trennt.
Aber das ist wie oben gesagt endlos beredbar.
Guten Abend! Maruski
Aber diese Dikrepanz von Ideoligie und Praxis ist größtenteils ein Werkzeugproblem.
Nicht das der Werkzeuge für die Hand, sondern der Werkzeuge für den Kopf.
Auch da gibt es unendlich spezielle Werkzeuge und keine Sinnlosen.
Jedem Problem der Welt haben wir Menschen uns ein passendes Werkzeug geschaffen.
So auch allen sozialen Dingen, die wir zerlegen und zusammenbasteln wollen.
Ein Drehmomentschlüssel ist eben nur bedingt nützlich, wenn es um Vergasereinstellung oder Elektrik geht.
Die 1% und ihr Handeln kann man mit vielerlei Werkzeugen angehen und die Diskussion darüber ist endlos und Dissertationkompatibel ;-)
Aber das spreng den Zeitrahmen meines Feierabends deutlich.
Herrn Barger und seinen Kampf um "geistiges Eigentum" zu analysieren ist das eine, seinen Platz in der Kulturgeschichte zu kritisieren ein anderes Gebiet.
Was soll das Gerede über 1%er überhaupt, wenn die Position dieses Prozentes nicht klar ist?
Was weiß man überhaupt und woher?
Was sind das für Menschen? Und was bewegt sie?
Es gibt reichlich gesicherte Erkenntnisse über Menschen und ihr Handeln als solches, aber in diesem Fall kaum welche über diese Individuen.
Unfassend hat sich der Soziologe Niklas Luhmann über Systeme (Kommunikationssysteme) ausgelassen und deren Selbsterschaffung und Evolution. Kommunikation zwischen Individuen und Gesellschaften gibt es soviele wie Außenkontakte der Individuen.
Soviel hier nur kurz. Jedes System hat seinen Code und kann nicht anders als ihn benutzen.
Im Geldsystem ist der Code bezahlen/nicht bezahlen und nur danach kann man alle Handlungen innerhalb dieses verstehen.
Wenn also diese Kommunikation angesehen wird muss aller Austausch im bezahlen/nicht bezahlen gesucht werden.
Die Person des 1%ers ist aber in sehr viel mehr Systemen aktiv (wie jeder von uns) und daher sagt ein Streit um Kohle nichts über einen Punkt z.B. im Familienleben aus.
Was will ich sehen? In welches System schaue ich?
All das führt zu dem Knackpunkt der Vereinbarkeit (oder soziologisch) der Irritation.
Interessant wäre die Frage wie ein 1%er diese Irritation mit seinem Konstrukt vereinbaren kann?
Ab wann kann ein System es nicht mehr integrieren z.B. den Rechststaat (auch ein System mit dem Code Recht/Unrecht) für zahlen/nicht zahlen zur Hilfe zu nehmen?
Rocker sein und in dem System der Randgruppe "1%er Club" zu funktionieren schließt das alles nicht aus, da der Code des einen Systems nicht mit dem Code des anderen Systems kollidiert solange beide sich nicht ausschließen.
Schließt der Kampf um bezahlen/nicht bezahlen den des Respekts/kein Respekt aus?
Ich glaube nicht.
Ebensowenig wie den des Recht/Unrecht, Liebe/ keine Liebe oder Hilfe/keine Hilfe etc.
Warum sollte es auch?
Selbst wenn es so sein sollte das die Gesetze der Gesellschaft abgelehnt werden würden, werden sie eben damit als vorhanden anerkannt und akzeptiert.
Die Position von dem Einzelnen zu den Realitäten der Welt ist immer situationsgebunden und damit auch konstruiert.
Man kann die Schwerkraft z.B. in einer engen Kurve als Übel ansehen, aber dennoch fällt alles nach unten.
Wenn ein Mensch z.B. die gesamte Medizin (Code heilen/nicht heilen) ablehnt und dennoch krank wird, kommt der Code heilen/nicht heilen, egal welchen Weg er wählt, zum tragen.
So auch bei den 1%ern und der Gesellschaft Code teilhaben/nicht teilhaben).
Falls ein Gericht der Weg ist, gut, es gibt auch andere. Am Ende wird bei einem Gezanke um Recht immer Recht haben/ Unrecht haben stehen, bei einem Gezanke um Geld zahlen/nicht zahlen und so weiter und so fort.
Zu den Mechanismen der Gruppenbildung gibt es unendlich viele Untersuchungen und warum einer Mitglied wird ist ebenso diffus.
Stanley Milgram hat gezeigt das fast jeder zu allem fähig ist, wenn die Situation es hergibt. Ebenso P. Zimbardo oder Hannah Ahrend um nur wenige zu nennen.
Sekten und Gruppen kennen so viele Techniken der Manipulation (oder des Weiterbestehens durch Wachstum) und Beeinflussung, das die Dynamik des Clubs X sich nur von innen erklären lässt. Nie von außen.
Guck dir mal irgendeine Handlung an (z.B. deinen Aktiendeal) und eine andere Handlung (z.B. eine Konversation mit deiner Frau). Da gibt es sofort eine Irritation, die nur auflösbar ist weil du beides nach unterschiedlichem Code für unterschiedliche Systeme angehst.
Ein abgefuckter Gordon Gecko kann ein guter ehrlicher Freund sein der dich nie bescheißt und andersrum, weil die Kommunikation in einem anderen System stattfindet.
So kann ein Outlaw (nicht der MC ist gemeint) auch einen Rechtsstreit gewinnen/angehen, ohne sich in Schwierigkeiten mit seinem Selbstverständnis zu bringen, wenn er beide Systeme trennt.
Aber das ist wie oben gesagt endlos beredbar.
Guten Abend! Maruski
79er FX1200; SR500; RM-Z250; RM-Z 450
Despite the high cost of living, it remains popular.
www.planetrock.com
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Re: Einprozenter-Kult
Hallo Maruski!
Das erinnert mich an die Spontis aus meiner Jugend, die heute alle das große Zittern kriegen, wenn die Sozialversicherung mal wieder teurer wird, weil sie ihr klein Häuschen noch abbezahlen müssen und damals kompromisslos das "System" der Spießer bekämpfen mussten. Also alles eine Frage der Perspektive?
Gute Nacht, Christian
Das will ich ja ergründen.Was soll das Gerede über 1%er überhaupt, wenn die Position dieses Prozentes nicht klar ist?
Bedeutet das also, das man nur zeitweilig als 1%er existieren kann, jedenfalls solange, wie man ohne die abgelehnte Gesellschaft existieren kann?Die Person des 1%ers ist aber in sehr viel mehr Systemen aktiv (wie jeder von uns) und daher sagt ein Streit um Kohle nichts über einen Punkt z.B. im Familienleben aus.
Das erinnert mich an die Spontis aus meiner Jugend, die heute alle das große Zittern kriegen, wenn die Sozialversicherung mal wieder teurer wird, weil sie ihr klein Häuschen noch abbezahlen müssen und damals kompromisslos das "System" der Spießer bekämpfen mussten. Also alles eine Frage der Perspektive?
Ja, wie denn?Interessant wäre die Frage wie ein 1%er diese Irritation mit seinem Konstrukt vereinbaren kann?
Schließt die Selbstdefinition des 1%ers also nicht die Ablehnung der restlichen 99 % ein. Oders schließt sie die restlichen 99% nur so lange aus, wie deren Solidarität nicht benötigt wird? Das wäre ein nahezu ausschließlich egoistisches Motiv.Rocker sein und in dem System der Randgruppe "1%er Club" zu funktionieren schließt das alles nicht aus, da der Code des einen Systems nicht mit dem Code des anderen Systems kollidiert solange beide sich nicht ausschließen.
Das bedeutet aber nicht, dass die Anwendung der regeln für den 1%er als verbindlich anerkannt werden. Als 1%er betreibe ich doch (m)einen Ausschluss von der Gesellschaft.Selbst wenn es so sein sollte das die Gesetze der Gesellschaft abgelehnt werden würden, werden sie eben damit als vorhanden anerkannt und akzeptiert.
Verstehe ich das richtig? Sobald die Situation es erfordert verstoße ich gegen die selbstdefinierten Prinzipien des 1%ers und nehme andere an.Die Position von dem Einzelnen zu den Realitäten der Welt ist immer situationsgebunden und damit auch konstruiert.
Nö, meine Frau freut sich in der Konversation, weil wir vom Gewinn der Aktien eine Lebensversicherungsrate bezahlen können.Guck dir mal irgendeine Handlung an (z.B. deinen Aktiendeal) und eine andere Handlung (z.B. eine Konversation mit deiner Frau). Da gibt es sofort eine Irritation, die nur auflösbar ist weil du beides nach unterschiedlichem Code für unterschiedliche Systeme angehst.
Ist diese Trennung nicht ein Selbstbetrug?So kann ein Outlaw (nicht der MC ist gemeint) auch einen Rechtsstreit gewinnen/angehen, ohne sich in Schwierigkeiten mit seinem Selbstverständnis zu bringen, wenn er beide Systeme trennt.
Gute Nacht, Christian
Lieber nen Shovel-Vibrator als nen TC-Staubsauger
Kicker rules!
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Re: Einprozenter-Kult
Hi Christian.
Es ist eben alles sehr komplex mit uns Menschlein als Ganzem und unseren Macken im Besonderen.
So wie ich das rauslese geht es dir um die Frage wie monolitisch bzw. flexibel das Selbst ist.
Das ist eine große Frage, die eine sehr starke Glaubenskomponente hat.
Realistisch gesehen sind Menschen Oportunisten und situationsabhängig sehr flexibel, in der Selbstwahrnehmung aber genau das Gegenteil. Jeder nimmt für sich eine Position in Anspruch, die "fest" ist und er führt Kriege dafür das das auch so anerkannt wird.
Dazu die Episode aus meinem Lieblingsfilm wo Wyatt dem Jack und Billy am Lagerfeuer erklärt was Freiheitssymbole sind und was Menschen machen, wenn man ihnen zeigt das sie nicht frei sind - ihr Selbstbild in Frage stellt.
Das gründet u.a. aus der Psychologie der Gruppe. Wer "fest" ist ist nicht beliebig und damit vertrauenswürdiger als ein Gruppenmitglied, das nicht "berechenbar" ist.
Diese Einstellung der Selbstwahrnehmung und Selbstvermarktung hat sich bewährt und ist uns allen zum Inventar geworden, wir lernen (!) es quasi mit der Muttermilch.
Es ändert aber nichts an den biologischen Tatsachen, die besagen das Opportunisten am besten durchkommen -- auch das hat sich, viel stärker, in unseren Genen festgesetzt.
Da gibt es jetzt den großen Knartsch, denn wer will schon zugeben ein Opportunist zu sein?
Aber ich habe das mit den Systemen eher so gemeint, das dieses Werkzeug der Analyse die Phänomene, die du siehst und als "Selbstbetrug" bezeichnest auflöst.
Wenn du dich mit deiner Frau über deine gerissenen oder glücklichen Aktiendeals unterhältst, willst du doch nicht, das sie den Rückschluss macht:"Christian ist aber auch ein gerissener Fuchs, ob unsere Beziehung wohl auch nur ein Aktiendeal ist, der sich für ihn rechnen muss?"
In eurer Beziehung spiel eine andere Musik, bzw. es gilt ein andere Code als bei deinen Bankgeschäften.
So ist das auch mit den Rockern gemeint.
Was einer bei der Bank oder vor Gericht treibt hat nach dieser Analyse wenig mit seiner Zugehörigkeit zu einem Club zu tun, es ist eben ein anderes System.
Gepaart mit der ersten Erkenntnis kommt dabei natürlich raus das wir Menschen viele Dinge machen, die nicht in unsere Selbstbild passen und dieses dann zu unseren Gunsten "dekonstruieren" damit es wieder passt.
Wer seinen Diesel mit Salatöl vom Albrecht tankt, will damit ja nicht Kinder im Sudan verhungern lassen. Wer eine olle Harley mit ShotGuns fährt, will damit natürlich nicht die Herzinfarktwelle im Altenheim provozieren.
Aber mehr dazu später mal. Muss los.
Gruß Maruski
Es ist eben alles sehr komplex mit uns Menschlein als Ganzem und unseren Macken im Besonderen.
So wie ich das rauslese geht es dir um die Frage wie monolitisch bzw. flexibel das Selbst ist.
Das ist eine große Frage, die eine sehr starke Glaubenskomponente hat.
Realistisch gesehen sind Menschen Oportunisten und situationsabhängig sehr flexibel, in der Selbstwahrnehmung aber genau das Gegenteil. Jeder nimmt für sich eine Position in Anspruch, die "fest" ist und er führt Kriege dafür das das auch so anerkannt wird.
Dazu die Episode aus meinem Lieblingsfilm wo Wyatt dem Jack und Billy am Lagerfeuer erklärt was Freiheitssymbole sind und was Menschen machen, wenn man ihnen zeigt das sie nicht frei sind - ihr Selbstbild in Frage stellt.
Das gründet u.a. aus der Psychologie der Gruppe. Wer "fest" ist ist nicht beliebig und damit vertrauenswürdiger als ein Gruppenmitglied, das nicht "berechenbar" ist.
Diese Einstellung der Selbstwahrnehmung und Selbstvermarktung hat sich bewährt und ist uns allen zum Inventar geworden, wir lernen (!) es quasi mit der Muttermilch.
Es ändert aber nichts an den biologischen Tatsachen, die besagen das Opportunisten am besten durchkommen -- auch das hat sich, viel stärker, in unseren Genen festgesetzt.
Da gibt es jetzt den großen Knartsch, denn wer will schon zugeben ein Opportunist zu sein?
Aber ich habe das mit den Systemen eher so gemeint, das dieses Werkzeug der Analyse die Phänomene, die du siehst und als "Selbstbetrug" bezeichnest auflöst.
Wenn du dich mit deiner Frau über deine gerissenen oder glücklichen Aktiendeals unterhältst, willst du doch nicht, das sie den Rückschluss macht:"Christian ist aber auch ein gerissener Fuchs, ob unsere Beziehung wohl auch nur ein Aktiendeal ist, der sich für ihn rechnen muss?"
In eurer Beziehung spiel eine andere Musik, bzw. es gilt ein andere Code als bei deinen Bankgeschäften.
So ist das auch mit den Rockern gemeint.
Was einer bei der Bank oder vor Gericht treibt hat nach dieser Analyse wenig mit seiner Zugehörigkeit zu einem Club zu tun, es ist eben ein anderes System.
Gepaart mit der ersten Erkenntnis kommt dabei natürlich raus das wir Menschen viele Dinge machen, die nicht in unsere Selbstbild passen und dieses dann zu unseren Gunsten "dekonstruieren" damit es wieder passt.
Wer seinen Diesel mit Salatöl vom Albrecht tankt, will damit ja nicht Kinder im Sudan verhungern lassen. Wer eine olle Harley mit ShotGuns fährt, will damit natürlich nicht die Herzinfarktwelle im Altenheim provozieren.
Aber mehr dazu später mal. Muss los.
Gruß Maruski
79er FX1200; SR500; RM-Z250; RM-Z 450
Despite the high cost of living, it remains popular.
www.planetrock.com
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Re: Einprozenter-Kult
Hallo Maruski!
Meine Frau vertraut mir und ich ihr. Und sie sieht, dass mein Aktiendeal auch zum Nutzen völlig fremder Menschen ist, die mir wohl kaum einen direkten Gegennutzen geben können).
Gruß, Christian
Stimmt, ich habe oft beruflich mit Menschen zu tun, die eine gewisse Verschrobenheit haben und ich frage mich, wie sie die für mich offensichtlichen Diskrepanzen zwischen Denken und Handeln aushalten. Da ich kein Soziologe bin sondern Wirtschaftspädagoge gehe ich da natürlich eher mit pädagogischen Ansätzen ran.Es ist eben alles sehr komplex mit uns Menschlein als Ganzem und unseren Macken im Besonderen.
So wie ich das rauslese geht es dir um die Frage wie monolitisch bzw. flexibel das Selbst ist.
Was wohl auch auf den 1%er-Kult zutreffen dürfte nur dass hier noch heftiger die Eisntellung der 100%igen Korrektheit des eigenen Denkens und Verhaltens verfochten werden dürfte (und genau dies allen anderen abspricht).Realistisch gesehen sind Menschen Oportunisten und situationsabhängig sehr flexibel, in der Selbstwahrnehmung aber genau das Gegenteil. Jeder nimmt für sich eine Position in Anspruch, die "fest" ist und er führt Kriege dafür das das auch so anerkannt wird.
Dazu die Episode aus meinem Lieblingsfilm wo Wyatt dem Jack und Billy am Lagerfeuer erklärt was Freiheitssymbole sind und was Menschen machen, wenn man ihnen zeigt das sie nicht frei sind - ihr Selbstbild in Frage stellt.
Das gründet u.a. aus der Psychologie der Gruppe. Wer "fest" ist ist nicht beliebig und damit vertrauenswürdiger als ein Gruppenmitglied, das nicht "berechenbar" ist.
Diese Einstellung der Selbstwahrnehmung und Selbstvermarktung hat sich bewährt und ist uns allen zum Inventar geworden, wir lernen (!) es quasi mit der Muttermilch.
Es ändert aber nichts an den biologischen Tatsachen, die besagen das Opportunisten am besten durchkommen -- auch das hat sich, viel stärker, in unseren Genen festgesetzt.
Denke ich auch so. Scheint eine Art blinder Fleck zu sein.Da gibt es jetzt den großen Knartsch, denn wer will schon zugeben ein Opportunist zu sein?
Vertrauen auf der Basis von Liebe:Wenn du dich mit deiner Frau über deine gerissenen oder glücklichen Aktiendeals unterhältst, willst du doch nicht, das sie den Rückschluss macht:"Christian ist aber auch ein gerissener Fuchs, ob unsere Beziehung wohl auch nur ein Aktiendeal ist, der sich für ihn rechnen muss?"
In eurer Beziehung spiel eine andere Musik, bzw. es gilt ein andere Code als bei deinen Bankgeschäften.
Meine Frau vertraut mir und ich ihr. Und sie sieht, dass mein Aktiendeal auch zum Nutzen völlig fremder Menschen ist, die mir wohl kaum einen direkten Gegennutzen geben können).
Erscheint mir in der Konsequenz wie eine Art Persönlichkeitsspaltung oder Selbstbetrug: Wir interagieren in verschiedenen sozialen Systemen auf der Basis verschiedener Ideologien, die sich manchmal ausschließen oder miteinander nicht in Wechselweirkung stehen. Daraus ergeben sich Verhaltenswidersprüche die wir vor uns selber wegnegieren, die von einem aussenstehenden aber deutlich gesehen werden.So ist das auch mit den Rockern gemeint.
Was einer bei der Bank oder vor Gericht treibt hat nach dieser Analyse wenig mit seiner Zugehörigkeit zu einem Club zu tun, es ist eben ein anderes System.
Gepaart mit der ersten Erkenntnis kommt dabei natürlich raus das wir Menschen viele Dinge machen, die nicht in unsere Selbstbild passen und dieses dann zu unseren Gunsten "dekonstruieren" damit es wieder passt.
Es gibt eben auch Konsequenzen des eigenen Verhaltens, die wir ignorieren. Das gehört zur Persönlichkeitsspaltung dazu.Wer seinen Diesel mit Salatöl vom Albrecht tankt, will damit ja nicht Kinder im Sudan verhungern lassen. Wer eine olle Harley mit ShotGuns fährt, will damit natürlich nicht die Herzinfarktwelle im Altenheim provozieren.
Gruß, Christian
Lieber nen Shovel-Vibrator als nen TC-Staubsauger
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