Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Moderator: Gerry

old.panman
Beiträge: 333
Registriert: 04.05.2010, 23:00

Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von old.panman »

Sorry aber ich muss mich erstmal aus kotzen (in Deckung gehn!) geht nicht anders.

Im laufe der Jahre habe ich jeden Schrauber in Norddeutschland durch.
Von Vollkatastrophe bis Mittelkatastrophe. Aber nicht Einen ohne Fehler.
Von dem Geld hätte ich mein Moped aus Gold bauen können. Nun gut, Mann liebt sein altes Moped halt und macht einiges durch.

Ich entschied mich vor paar Jahren den ganzen Murks neu zu machen.
Neue STD Köpfe, neue Zylinder und Kolben (S&S), und den Block bei Bernd Kramer machen zu lassen, da ich nicht das nötige Messwerkzeug dazu habe.

Alle schwärmten von Bernd und seiner guten Arbeit. Also versuchte ich es erneut und gab den Block fast für ein Jahr ab.

In der Zeit ging ich zu Zylinder-Schleiferei. Der sagte mir, das die Zylinder so wellig seien das ich mit dem Standardmaß-Kolben nicht hin komme und ich gleich das dritte Übermaß nehmen soll. Schweren Herzens bestellte ich neue S&S Kolben mit drittem Übermaß.

Dann rief Bernd an; er sei fertig und ich solle die Zylinder mitbringen ob den auch alles gut passe. Gesagt getan.

Dann sagt er zu mir, die Kolben wären viel zu eng und das wäre nicht gut. Und schon hält er die Zylinder mit der Hand in soner Reibahlenmaschiene. Immer wieder rein und raus und zwischendurch mal mit dem Auge reingeschaut, also pie mal Daumen.

Ich wollte das überhaupt nicht. Bevor ich überhaupt richtig nachdenken konnte, war er schon beim Schleifen. Dann hab ich versucht mir einzureden, das er wohl wisse was er da tut, er ist ja auch Rennfahrer und so weiter.
Was soll ich sagen, die Kreuzschliffe von der Schleiferei waren fast weg.

Jetzt bin ich erst einige tausend Kilometer gefahren und hab mich entschieden, über den Winter, den rechten Motorblock zu tauschen, da ein Haarriss vorhanden ist. Ist zwar nie größer geworden aber ich wollte in diesem Zug auch gleich die Zylinder anschauen, da die Kompression merklich nachgelassen hat. Auch möchte ich die Laufbuchse der Noke, mit einem Nadellager ersetzen und eine A Nocke einbauen.

Gesagt getan.

Die Kolben sehen gut aus, kaum Laufspuren. Aber die Zylinder sind zum Teil schon verglast. Der Hintere hat schon etwas Öl durchgelassen.

Na ganz toll, jetzt hab ich noch ein Paar gute Kolben liegen und kann Sie nicht nutzen. Und dann auch noch die teuren S&S.

Zähne knirschend zum Schleifer und messen lassen.
Der Kolben hat ein Durchmesser von 88,05. Der Schleifer meint; wenn ich auf der sicheren Seite stehen will, sollen die neuen Kolben + 0,50 Übermaß haben, also 88,55

zum Kotzen. Jetzt hab ich ein fast neuen Zylinder und gleichzeitig zwei paar fast neue Kolben und muss jetzt wahrscheinlich auf das fünfte Übermaß gehen. Das ist doch zum Kotzen.

Die Frage ist jetzt:

Ob ich mit dem 4 Übermaß und den geforderten + 0,50 hin komme oder gleich auf das 5, wenn nicht sogar, auf das 6 Übermaß muss.
Wie viel haben die Kolben von einem zum anderen Übermaß?
Weiß das zufällig jemand?

Danke fürs Zuhören,
Ali
Benutzeravatar
rainer_aus_ulm
Beiträge: 2373
Registriert: 04.02.2007, 09:01

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von rainer_aus_ulm »

Hi,

tut mir sorry aber ich habe den Eindruck du wirfst hier ein paar Begriffe durcheinander aus denen man sich keine Vorstellung machen kann.

Zum zweiten hat Bernd Kramer hier einen verflucht guten Ruf und ich verwette mein Monatsgehalt darauf daß man evtl. Reklamationen zuerst mit ihm besprechen kann.

Daß du sauer bist ist verständlich aber ich denke daß dies zuerst unter 4 Augen besprochen werden sollte da ich schon aufgrund deiner techn. Schilderung einiges nicht verstehen kann wie zB der Kreuzschliff, welcher nicht durchs bohren, schleifen ensteht sondern durchs honen ...

Nochmal: Jeder versteht deinen Unmut aber so wie ich das begriffen habe ist der Grund allen Übels diese merkwürdigen Zylinder die du zusammen mit den Kolben gekauft hast (Fehler !).

Mein Senf
rainer
Absoluter Premium-Babbelkopp. Schwafelweltmeister.
Alter Furz der gerne und oft den Faden verliert.
Benutzeravatar
SuperGauzy
Beiträge: 3475
Registriert: 30.01.2007, 14:27
Wohnort: Bielefeld

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von SuperGauzy »

So sehe ich das auch!

Wenn ich doch schon den Rumpf vom Kramer machen lasse, warum dann nicht auch die Zylinder dazu? Wieso kaufe ich mir erst Kolben für den Zylinder und gehe dann zum Zylinderschleifer?

Ich mache es immer andersrum bzw. lasse den Zylinderexperten entscheiden was für ein Maß an Kolben da rein soll.

Ich habe meinen kompletten Motor, also auch Zylinder mit Kolben und Köpfe, bei Kramer machen lassen und der läuft seit Jahren wie ein Uhrwerk. Einmal aufziehen und dann Abfahrt!
SuperGauzy
:riding:
old.panman
Beiträge: 333
Registriert: 04.05.2010, 23:00

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von old.panman »

Ja, hast recht.
Hab mich auch schon wieder beruhigt. Vorhin war ich grad von der Schleiferei zurück gekommen und hat nen dicken Hals.

Muß Bernd auch wieder in Schutz nehmen er hat ja auch 1A Arbeit geleistet.
Das mit dem nachhonen hät nicht umbedingt sein müssen aber die geringe Laufleistung kommt wohl eher von der mangelhaften Laufbuchse, die im Neuzustand schon scheiße war.

Das Nachhonen dürfte wenn nur paar Tausend km gekostet haben. Bei min. 35-40 Tausend km Laufleistung eines Zylinder fällt das nicht ins gewicht.

Im erstem Moment ist man nur sauer und schießt wilt um sich rum bis der Dampf nachläßt :-)

Die scheiß Zylinder warn auch sau teuer. Da kauft man schon die Teuren und bekommt trotzdem Schrott.

Es ist auch richtig, dass der Kreuzschlif durchs maschienelle honen kommt und soweit ich weiß zu Schmierung des Kolben ist. Wenn du aber mit der Hand honst bekommst man das nicht hin, die Fläche wird glatt.

Die Frage ist jetzt; hol ich mir gleich neue Zylinder oder billige standard Kolben!?
Ich glaub ich werd da erstmal ne Nacht drüber schlafen. An einem neuen Tag sieht wieder alles ganz anders aus.

Gruß Ali
old.panman
Beiträge: 333
Registriert: 04.05.2010, 23:00

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von old.panman »

Hi SuperGauzy,

hast schon recht aber manchmal ist es so, dass man mit einer Sache anfängt und sich, im nach hinein, für weitere Maßnahmen sich entscheidet.

Manchmal hat man auch Tage, wo man den Andern am Telefon glaubt, dass man Standard Maß für die Zylinder nehmen kann, da es ja Qualität Ware ist.
Wenn man viel Geld hinblättert, glaubt man das schon mal und bestellt Sie gleich mit.
Und so kommt Eins zum Anderen :-(

Gruß Ali
eisenarsch
Beiträge: 146
Registriert: 05.01.2011, 20:14

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von eisenarsch »

Mein Beileid Ali, ich kann deine Reaktion dennoch verstehen. Das teuer nicht gleich automatisch gut ist, muss man leider desöfteren lernen. Da hilft nur Erfahrung, am Besten nicht die Eigene. Bezüglich Honen, Schleifen und Zylinder (als einer von den Bösen) möchte ich noch folgende Infos für dich loswerden:

Durch das Honen wird sogutwie kein Material abgetragen das einen Einfluss auf das Kolbenlaufspiel hätte. Wird es das doch, dann ist die Gussqualität mehr als miserabel (hier in Berlin betiteln wir solche Zylinder mit "die sind aus Knete"). Da kann leider auch der beste Schrauber nichts machen. Einfach zu erkennen ist es ebenfalls nicht. Kolben/Ringe und Zylinder stellen im Normalfall immer eine passende Materialpaarung dar. Wenn hier etwas nicht passt, führt das zu übermäßigem und vorzeitigem Verschleiß. Bei Knetezylindern habe ich grundsätzlich als letzte Instanz eine deutsche Laufbuchse aus passendem Material eingezogen, das hält dann sogutwie ewig.

Wenn mit einem Handhongerät (Dreiarm oder Weihnachtsbaum) optisch der Kreuzschliff vom Zylinderschleifer komplett verschwindet, dann ist fehlerhaftes Material die Ursache. Auch das 20. Übermaß wird dich hier nicht vor zukünftigen Verschleißkatastrophen bewahren.

Grüße, Rich
old.panman
Beiträge: 333
Registriert: 04.05.2010, 23:00

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von old.panman »

Moin Rich,

danke für Deine aufschlussreiche Info. Hab mal wieder was dazu gelernt.
Ich hab hin und wieder mal was Knetzylindern gehört aber so richtig glauben konnte ich das nie.
Ich bin einfach davon ausgegangen, das die nur etwas weniger Laufleistung haben. Aber das die schon nach ca. 5-6 Tausend KM durch sind, hätte ich nie geglaubt.
Aber was bleibt einen übrig, wenn man es am einengen Leib erfährt.

Das mit der deutsche Laufbuchse hört sich sehr sinnvoll an. Wo bekomm ich die her und was kosten die so?
Kriegt man den Austausch mit Wärme und Kälte selbst hin oder muss das maschienel aus- und eingepresst werden?

Gruß Ali
eisenarsch
Beiträge: 146
Registriert: 05.01.2011, 20:14

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von eisenarsch »

Moin Ali,

grundsätzlich sind Laufbuchsen bei luftgekühlten Motoren eine anspruchsvolle Arbeit. Sie können, wenn richtig gemacht, auch nur noch durch Ausbohren wieder entfernt werden. Anspruchsvoll ist es deshalb, weil der Zylinderschleifer/Motorbauer hier die Laufbuchse mit nicht zu wenigem oder zu hohem Übermaß anfertigen muss. Weiterhin muss die Bohrung sehr sauber ausgeführt sein. Solche Arbeiten kann man nur erfahrenen Zylinderschleifern überlassen (ich habe es auch machen lassen). Die Gefahr dabei ist, dass die Zylinder entweder beim einpressen bzw. später im Betrieb reißen, der Materialübergang nicht schließend ist. Letzteres verhindert den Wärmeübertrag zur Kühlung an bestimmten Stellen und kann zum punktuellen Verzug des Zylinders führen. Ein Erfahrener Mann schafft das aber sogar auch für Flathead-Zylinder. Flathead-Zylinder sind eine besondere Herausforderung, da sich hier ein Teil des Buchsenübergangs zum Originalmaterial direkt im Brennraum befindet. Unsaubere Arbeit würde sich hier sehr schnell und deutlich bemerkbar machen.

Flathead (Boxer)-Zylinder mit Laufbuchse (der Rand ist schwach zu erkennen):

Bild

Die eingepresste Buchse steht unten über und man erkennt wie sauber gebohrt wurde (der überstehende Rest der noch entfernt wurde hatte eine Stärke von 1/10 mm):
Bild

Normale OHV-Zylinder sind weniger problematisch. Die Buchsen kann der Zylinderschleifer entweder aus Schleudergussrohlingen drehen, oder einfach passende Buchsen aus anderen Motoren verwenden - z.Bsp. gibt es für hunderte (luftgekühlte mit Alu-Zylindern) Motoren entsprechende Ersatzbuchsen die man oft verwenden kann.

Dem Zylinderschleifer muss der Kolben zur Verfügung stehen, damit er sich ein Bild über die Art und das Material des Kolbens und der Ringe machen kann. Im besten Fall hat er Zugriff/Erfahrung bezüglich der Härtewerte/Typ der Ringe und kann danach das passende Material heraussuchen. Die hier abgebildeten Zylinder laufen in einem aufgepopelten SV-Boxer-Gespann mit 40 statt 22 PS (750 cm³), auch mit voller Beladung, Hänger, volle Pulle Autobahn. Wurde nie geschont. Ein Dichtungswechsel offenbarte den nachwievor vorhandenen jungfräulichen Kreuzschliff. Vorher hat die Kombination mit den original Zylindern ca. 3-4 tkm "gehalten". Einbauspiel bei beiden von mir komplett aufgebauten Motoren: 3-4 1/100 mm konisch, wohlgemerkt mit deutschen Autothermikkolben (Mahle).

Ablauf der Arbeiten ist folgender:

1. passendes Buchse heraussuchen
2. Bohrungsmaß ermitteln (zumeist ist das im Bereich des Außenmaßes des Überstands am Zylinderfuß)
3. Originalzylinder aufbohren
4. Buchse einpressen/schrumpfen
5. Gesamten Zylinder auf Kolbenmaß bohren
6. Zylinder planen (sofern nötig, bei Überstand oben wird vor einpressen der Buchse geplant)
7. Zylinder honen

Wie gesagt, ist anspruchsvoll, denn Laufbuchsen in Gusszylindern sind im Normalfall durch den Materialübergang rein thermisch problematisch.
Ist aber alles richtig gemacht: Einbauen, einfahren, vergessen.

Kosten pro Zylinder je nach Aufwand und Material ab ca. 200 €, also recht teuer. Wenns aber kein ordentliches Material gibt, nützen auch neue Zylinder nichts. Aus diesem Grund habe ich es gemacht. Für einen Sontagsfahrer ist das sicher oversized, aber ich fahre nunmal sehr viel mit den alten Öfen.

Gruß, Rich
Sidewinder

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von Sidewinder »

Hallo Rich,

wenn man sich technisch zu einem Bericht hier im Forum äußert, sollte man auch das Wissen dazu haben.
Es bringt nichts, irgend so einen ausgemachten Blödsinn zu verzappen, wie Du es hier im Moment machst und die Leute auch noch damit verunsicherst, oder schlimmer noch, sie vielleicht auch noch dazu bringst diesen Quatsch umsetzen zu wollen.
Ich werde hier nicht im einzelnen auf Deinen Beitrag eingehen, ich rate Dir kaufe ein Fachbuch und lerne, das ist der bessere Weg, glaube mir.

Mit freundlichen Grüßen

Heribert Wladarz
Motoren Wladarz
Christian
Beiträge: 4153
Registriert: 13.02.2007, 20:34

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von Christian »

Hallo Herr Wladarz,
Hallo Rich,

wenn man sich technisch zu einem Bericht hier im Forum äußert, sollte man auch das Wissen dazu haben.
Es bringt nichts, irgend so einen ausgemachten Blödsinn zu verzappen, wie Du es hier im Moment machst und die Leute auch noch damit verunsicherst, oder schlimmer noch, sie vielleicht auch noch dazu bringst diesen Quatsch umsetzen zu wollen.
Ich werde hier nicht im einzelnen auf Deinen Beitrag eingehen, ich rate Dir kaufe ein Fachbuch und lerne, das ist der bessere Weg, glaube mir.

Mit freundlichen Grüßen

Heribert Wladarz
Motoren Wladarz
Schade, dass Sie Rich's Beitrag lediglich runtermachen, ohne im Einzelnen darauf einzugehen, was Ihrer Meinung nach falsch ist.

Ihre fachliche Kompetenz mag ja unbestritten sein; muss man annehmen, dass es Ihre Unhöflichkeit leider auch ist?

Gruß, Christian
Lieber nen Shovel-Vibrator als nen TC-Staubsauger

Kicker rules!
eisenarsch
Beiträge: 146
Registriert: 05.01.2011, 20:14

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von eisenarsch »

Heribert Wladarz,

Ich bin mir sicher das ich keinen ausgemachten Blödsinn verzapfe. Was technische Details angeht steht es außer Frage das mit einem entprechenden Zylinderschleifer/Motorbauer vor Ort zu besprechen. Wenn Dieser aufgrund der Gegebenheiten anders entscheidet, sollte dem auch Rechnung getragen werden.

Was ihrer Meinung nach bei meinen Erfahrungsberichten der absolute und ausgemachte Blödsinn sein soll, wüsste ich auch gern. Hier muss dann scheinbar wohl der von mir beauftragte Zylinderschleifer mit mehr als 40 Jahren Berufserfahrung bei ihnen nochmal in die Lehre gehen.

[Nachtrag:]

Prinzipiell kann ich die Reaktion verstehen, wenn man meine Beiträge überfliegt und eventuell etwas missversteht. Im Normalfall sind Buchsen im Gusszylinder (wie ich schrieb) problematisch und wird eher vermieden. Mein Zylinderschleifer sagte mir das ebenfalls, fügte aber hinzu dass es auf die Ausführung ankommt. Dann gäbe es prinzipiell keinen wesentlichen Unterschied ob die Buchse im Alu- oder im Gusszylinder sitzt (von Hochleistungsanwendungen und Spezialfällen abgesehen).

Ich hatte absichtlich hinzugefügt, dass es eine Lösung darstellt, wenn neue Zylinder gleich miserables Material aufweisen oder man unbedingt die vorhandenen nicht wegwerfen will. Im Endeffekt sind wir doch erwachsene Menschen, dass man sich hier vor Ort mit einem Fachmann auseinandersetzen sollte, halte ich für selbstverständlich. Ich muss mich wohl falsch ausgedrückt haben dass H.W. denkt ich sähe dies als die "generell beste Lösung" an, dem ja nicht so ist. Es ist allein die beste Lösung im Hinblick auf die von mir beschriebenen Voraussetzungen und Gegebenheiten und habe damit ausschließlich eine bestimmte Lösung zu einem bestimmten Fall dokumentieren wollen. Welche Entscheidung anhand der bei Ali realistisch gegeben Voraussetzungen getroffen wird, hängt natürlich immer von der Ursachenforschung und dessen Ergebnis ab. "Absolut ausgemachter Blödsinn" ist aber wirklich was ganz anderes.

Grüße, Richard
old.panman
Beiträge: 333
Registriert: 04.05.2010, 23:00

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von old.panman »

Sehr geehrter Herr Wladarz,

ich bin Ihnen dankbar, dass Sie versuchen anderen Leuten vor Schaden zu bewaren.
Nur haben Sie es leider versäumt, den Grund Ihrer Meinung preis zugeben. Auch wenn Sie völlig Recht hätten, so sollten wir uns doch höflich begegnen und uns sachlich Auseinander setzen.

Auch wenn Rich nicht in allen Punkten Recht hätte, so hat er sich doch sehr viel Mühe gegeben, um mir Behilflich zu sein. Allein deswegen bin ich Ihm sehr dankbar.

Bisher bin ich auch davon ausgegangen, dass das hier ein öffentlichen Forum ist, wo sich Biker versuchen gegenseitig zu helfen. Dies beinhaltet somit, das Alle Laien sind aber auch Fachmann durch gesammelte Erfahrung.
Dies beinhaltet jedoch nicht, das eine Gewehr gegeben wird. Ich hab hier jedenfalls, keine gewerblichen Inhalte gesehen wo sich das draus schließen lassen würde.

Aber auch ich bin schnell mal dabei über Ziel zu schießen. Jeder hat Verständnis dafür, wenn man mal ein schlechten Tag hat oder die Schlagader grad am pochen ist.
Mit ein paar klärenden Worten ist sowas schnell aus der Welt geschafft.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich erneut mit klärenden Worten melden würden.
Zumal Rich gar nicht mal so Unrecht haben kann, wenn man sich die Bilder anschaut.

In den Zylindern sind mehrere Vertiefungen, die man mit dem Fingernagel deutlich spürt. Auch einige Pickel sind deutlich zu sehen.

(Aufnahmen sind leider nur mit dem Handy!)
Bild zylinder.jpg (44 KB)

Natürlich können im Metall Verunreinigungen sein aber doch wohl eher in minderwertigen Material. Vielleicht sind auch Verspannungen im Material gewesen. Würde jedenfalls die Laufspuren erklären.

Zu diesem Bild brauch ich glaub ich nichts mehr sagen.
Bild kolben.jpg (66 KB)

Ich hab heute bei W&W angerufen.
Er meinte; er hätte in den 20 Jahren noch nie gehört, das eine Schleiferei gleich das dritte Übermaß schleift, weil die Zylinder so wellig sind.
Er war auch stark bemüht mir klar zu machen, dass das nicht sein kann.
Der Schleifer hätt bestimmt ein Maß für Boxer von VW oder so genommen, ich solle doch zu einem Fachschleifer für Harleys gehn.

Auch wenn man schon zich Motoren (Autos, Japaner und meine Pan, gar nicht zu zählen) auseinander und zusammen gebaut hat, steht man doch wie ein Ochse vorm Berg. Ich hab null Plan was das Schleifen betrifft.

[.......der Rest meines Berichtes ist leider ins Nirwana verschwunden......)

Aber den Link will ich Euch nicht vorenthalten:
(200Tausend km gefahren und die Honspuren sind noch völlig ok)

http://www.winni-scheibe.com/ta_marken/ ... _hd_td.htm

Gruß Ali
Benutzeravatar
Gerry
Site Admin
Beiträge: 4589
Registriert: 25.01.2007, 15:58
Wohnort: Hildesheim
Kontaktdaten:

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von Gerry »

Moin,

mal von technischen Hintergrund abgesehen....es ist hier nicht notwendig auf förmlichen Umgangston umzuschalten. Ich glaube das ist in 10 Jahren der erste Beitrag in dem jemand gesiezt wird?!

Gruß,
Herr Gerry
Shovel-Head.com - Teileshop:
https://www.kraftradteile.com

Gerry's BAKERy:
https://www.bakergetriebe.de
Sidewinder

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von Sidewinder »

Hallo Ali, hallo zusammen,

beginnen wir erst einmal mit Deinen Zylindern:
Das Kind ist schon bei Deinem Zylinderschleifer in den Brunnen gefallen. Neue Zylinder von S&S sind nicht wellig, höchstens nicht maßhaltig. Naja... aber gehen wir einfach einmal davon aus. Eines ist Fakt, die Messuhr hat das letzte Wort. Wenn es dick kommt, dann wäre es die 1. Kolbengröße bei Dir gewesen, da die einzelnen Größen nach oben um ca. 0.25 mm steigen. Da wäre Dein Zylinder auch wenn er 'wellig' gewesen ist, todsicher wieder sauber geworden. Die 3. Übergröße wie in Deinem Fall ist blanker Unsinn. Der Schleifer meint... Der hat gar nichts zu meinen, die Messuhr gibt vor und dementsprechend ist zu handeln.

Zum Bohren und Honen:
Ein Zylinder wird deshalb auf einem Zylinderbohrwerk vorgebohrt, damit die Röhre winkelig zur Dichtfläche unten, zylindrisch und rund ist. Das sind Voraussetzungen für den nächsten Arbeitsschritt, dem Honen. Es wird bis 0.06 mm vor das eigentliche Endmaß gebohrt und die restlichen 0.06 mm werden gehont. Zum Schluss hont man noch einmal mit einem feineren Honstein kurz durch damit ein so genanntes Plateau entsteht.
Also wie Du hier siehst, und das gilt auch für Richi, es erfolgt ein Materialabtrag von 0.06 mm. Und weil das so sein muss, sind das noch lange keine Knete-Zylinder.

Honmaschinen:
Es gibt sie in zwei Versionen. Zylinder fest aufgespannt, Honahle über Gelenk (also lose) mit dem Spindelkopf der Maschine verbunden.
Oder Honahle fest und Zylinder lose in den Händen. Das geht aber nur bei einzelnen Zylindern, keine Blöcke wie bei Autos. Das ist deshalb so, damit sich die Honahle von selbst zentrieren und der vorgebohrten Röhre sauber folgen kann. Was Dir bei Bernd komisch vorkam ist also ganz normal.

Jetzt komme ich einmal zu Richi's Beitrag:
1. Du schreibst: "Durch honen wird so gut wie kein Material abgetragen, das keinen Einfluss auf das Kolbenlaufspiel hätte" Wenn Dir das so Dein Schleifer mit 40 Jahren Berufserfahrung erzählt hat, was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, dann sollte er besser aufhören.
2. Du schreibst: "wird es das doch, dann ist die Gussqualität miserabel und die Zylinder sind aus Knete" Ich gehe mal davon aus, dass Du da etwas verwechselt hast, Dein Schleifer meinte sicherlich, daß das Honen Knete kostet.
3. Zylinderlaufbuchsen gibt es in allen Größen wie Sand am Meer (LA Sleeve), die muss man nicht aufwendig anfertigen, denn diese müssen aussen geschliffen werden und wer kann das schon.
4. Laufbuchsen werden nicht eingepresst sondern eingeschrumpft. Platzende Zylinder gibt es nicht, wenn das Schrumpfmass eingehalten wird.

Laufbuchsen einzusetzen ist kein Hexenwerk. Das muss nicht erst der göttliche Laufbuchseneinschrumpfdödel sein, der so etwas kann.
Zylinder werden vorgebohrt und auf das Schrumpfmass der Laufbuchse gehont. Laufbuchsen frosten, Zylinder aufheizen, einsetzen. Zylinder bohren und honen, fertig.

Auch wenn Du es gut gemeint hast, bringt das hier im Forum keinen weiter. Ali's Weltraumschrauber haben es bestimmt auch gut gemeint, das streite ich nicht ab. Aber wenn Du seinen Beitrag liest, siehst Du wie weit er gekommen ist. Und da scheint noch lange kein Ende in Sicht.

Zum Verschleiß in Zylindern:
1. Zu viel Kraftstoff verdünnt den Ölfilm. Zwangsläufig geht der Verschleiss drastisch nach oben (wer stellt schon seinen Vergaser sauber ein/Colortune etc.)
2. Zu eng anliegende Ölabstreifringe verursachen Kolbenschäden (http://motoren-wladarz.de/home/Technik% ... haeden.pdf), bei Hastings-Ringen leider oft der Fall (wer stellt schon seine Ringe ein?).
3. Schmutz über verdreckte oder nicht vorhandene Luftfilter, wie bei Harley-Fahrern so oft gesehen. Da braucht sich keiner zu wundern, wenn dann Riefen oder dgl. im Zylinder sind.

Harley muss schon etwas Besonderes ein, wenn es extra "Zylinderfachschleifer für Harleys" gibt. Wenn man sich an die Spielregeln und an die Vorgaben hält, ist das ganze kein Hexenwerk. Heutzutage werden in den Zylinderschleifereien überwiegend wassergekühlte Automotoren gehont. Diesen Honstein kann man nicht für luftgekühlte Zylinder benutzen. Aber wer wechselt schon die Honleisten, wenn überhaupt vorhanden?

Ich hoffe mit diesem Beitrag einiges geklärt zu haben und wünsche Euch ein frohes Schrauben,

Heribert Wladarz
eisenarsch
Beiträge: 146
Registriert: 05.01.2011, 20:14

Re: Auskotzen + Kolbenmaß Frage

Beitrag von eisenarsch »

Moin Heribert,

Missverständnis, so interpretiert ist das natürlich unsinnig (wie ich schon vermutete), was dazu in Bezug gesetzt werden muss ist der Zweite Satz den ich dazu schrieb: "Wenn mit einem Handhongerät (Dreiarm oder Weihnachtsbaum) optisch der Kreuzschliff vom Zylinderschleifer komplett verschwindet[..]".

Was an meinen Ausführungen generell nun der ausgemachte Blödsinn sein soll, sowie der Ausdruck (durch die Blume) ich wäre ein ahnungsloser Idiot ("es darf nur schreiben wer auch Ahnung hat" usw.), erschließt sich mir dennoch nicht. Dieses Getue von oben herab darfst du dir verkneifen.

Ich sehe das so, dass wir prinzipiell dasselbe meinen, nur anders ausgedrückt. ich bin beruflich die "Schrauberseite" (+ Elektrik +Elektronik) und kein Zylinderschleifer. Das es hierbei sicher eine differenzierte Ausdrucksweise gibt, ist mir klar. Auch ist mein Zylinderschleifer eine fiese "Berliner Schnauze" und ich lege da nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Es ist aber hilfreicher wenn man dem Laien durch eine fachliche Diskussion aufklären hilft (wie es sich glücklicherweise jetzt kristallisiert), anstatt Wortschießen oder "du darfst nur Posten wenn du kompetent genug bist" wie bei deinen Antworten.

Der ganze Motorbau ist natürlich prinzipiell kein Hexenwerk, schon gar nicht die vergleichsweise einfache Technik hier. Auch glaube ich dass für Kompetenzen wie meinem Zylinderschleifer oder dich sowas sicher ebenfalls kein Hexenwerk darstellt, aber es gibt viel zu viele "Experten" in eurem Berufsstand und ich unterstreiche mit "Anspruchsvoll" die fachlich saubere Arbeit. Knetezylinder zeige ich dir gerne und sofort, sind scheinbar modern geworden bei dem ganzen Chinamüll. Schlimm ist nur, dass man als Verbraucher hier zu oft teures Lehrgeld zahlt.

Was die Zylinder von Ali betrifft bin ich ebenfalls der Meinung dass hier das Kind bereits zum Großteil beim Zylinderschleifer in den Brunnen gefallen ist (anhand der Bilder), wobei zusätzlich eine schlechte Gussqualität (Lunker) mitverursachend zu vermuten ist. Derartige Ausbrüche sieht man nach so wenig Laufleistung bei einem technisch sonst einwandfreien Motor doch recht selten. Die Kontaktspuren am Kolben deuten aus meiner Sicht sehr auf zu großes Laufspiel hin. Theoretisch müsste der Kolben bereits hörbar gewesen sein.

Grüße, Richard
Zuletzt geändert von eisenarsch am 25.01.2011, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten