Hi Landmark, da widerspreche ich dir bei der ersten Aussage nicht - es ist fürchterlich solche Bilder zu sehen und es ist bei dem Horror leicht zu vergessen, warum wir diese Bilder sehen.
Achtung Text nur für Interessierte - andere "Nicht weiterlesen!"
Bei deiner letzten Bemerkung widerspreche ich aber und kann nur sagen das es nichts Gutes im Schlechten geben kann, da das die schrecklichen Ereignisse relativiert (warum wir aberg enau dazu neigen, beschreibe ich (sehr lückenhaft) weiter unten).
Bull-Shit ist und bleibt einfach Bull-Shit und hat mit dem daraus erwartbaren kontingenten Reflexionsprozessen nichts zu tuen.
Das sind zwei zu trennende Ereignisse, von denen zweiteres aber oft ausbleibt.
Was mit dieses Diskussion mal wieder zeigt, ist das was Herr Beck schon Mitte der 80er in seinem Buch "Risikogesellschaft" sehr genau beschrieben hat:
"Um die zweite von der ersten, industriegesellschaftlichen Moderne abzugrenzen unterscheidet Beck vor allem zwischen der „Logik der Reichtumsproduktion“ und der sich immer mehr durchsetzenden „Logik der Risikoproduktion“
http://de.wikipedia.org/wiki/Risikogesellschaft
Und so wie der Reichtum ungleich verteilt wurde, sind auch die Risiken ungleich verteilt.
Reichtum kann nur akkumuliert werden, wenn auch Risiken akkumuliert werden (siehe Umwelt in China).
Über die Problematik/den unmoralischen Drang diese Risiken zu exportieren will ich hier nicht reden.
Hier hat nun ein Volk den Preis für seinen Reichtum zu zahlen und wir alle fühlen (oft auch ohne das zu reflektieren) das wir irgendwie auch Risiken akkumuliert haben und ängstigen uns natürlich vor der Quittung.
In Shakespeares Macbeth (III/5) läßt er die Schicksalsgöttin Hekate sagen:
"Dem Tod und Schicksal sprech er Hohn,
Nicht Gnad´und Furcht soll ihn bedrohn;
Denn wie ihr wisst, war Sicherheit,
Des Menschen Erbfeind jederzeit."
als ein Weg gesucht wird den Macbeth zu vernichten.
Sicherheit ist ein Lug und Trug, ein Erbfeind (ein Konstrukt in einer Risikogesellschaft) und aus der Katastrophe in Japan hier eine Sicherheitsdiskussion anzuzetteln, ist in meinen Augen reiner Irrsinn.
Selten bin ich mit der Frau (?) Merkel einer Meinung (mir sind Menschen, die freiwillig zu enge Klamotten tragen seit den 80ern sehr suspekt) aber da hatte sie mal Recht - das ist Wahlkampfblödsinn mit Gratishorrorbildern.
Ich sehe seit drei Tagen immer nur die gleichen Bilder und habe überhaupt keine Ahnung warum die zweitgrößte Mediennation der Welt, mit unzählichen mobilen Aussenteams, die alles in der Welt in Nullzeit visualisieren kann, uns nicht mehr als diese in Dauerschleife gezeigten Bilder liefern kann.
Was geht da wirklich ab?
Und wie bitte soll ein GAU aussehen, wenn nicht so wie drei nebeneinander explodierte Reaktoren?
Harrisburg war einmalig, Tschernobyl war einmalig und Fukushima wird auch wieder einmalig sein - denn unsere Art zu leben erfordert eine Relativierung der akkumulierten Risiken.
Und wir machen das perfekt.
Das leid der japanischen Menschen für eine solche Diskussion hier, die eben nur das (Relativierung) leistet, zu gebrauchen finde ich schändlich.
Wenn ich die Mesnchen sehe will ich das denen das bald wieder besser geht, eben weil die mir so ähnlich sind in ihren Lebensumständen.
Dafur, Uganda, Lybien, Sri Lanka, Chile, Mexiko, ........ endlose Liste der Länder, aus denen schreckliche Bilder kommen.
Da werden aber Leute gezeigt, die nicht mit meinem Lebensstandart leben, die keine Lebensversicherungen, Aktien, Arbeitsverträge, Krankenversicherungen, Leasingverträge, Ausbildungssparbücher etc. pp. für ein schönes Leben am laufen halten.
Deren Elend ist also irgendwie ein anderes (?).
Die japanischen Menschen sind aber, wie damals die in New Orleans, vom gleichen Schlag (sorry in New Orleans wurden ja fast nur arme Farbige aus den Slums gezeig, um genau dieses Gefühl (in den USA) nicht entstehen zu lassen).
Die Bilder aus Japan verstören mich daher sehr viel mehr.
Das ist so wie das 1000 Ebola-Tote zwischen Lehmhütten nicht den Effekt haben wie die Toten von Marburg, mitten in meiner Welt.
500.000 (bis 1.000.000) mit Macheten abgeschlachtete Tutsi haben hier nicht soviel Aufsehen erregt wie der Opa, der an der U-Bahn zu Tode geprügelt wurde.
Wir Menschen ticken leider oder zum Glück so, denn anders wäre ein Weiterleben psychisch gar nicht möglich. Wir müssen die Risiken des Lebens relativieren.
Aber Landmark, ich möchte da nicht von etwas Positivem reden und glaube absolut nicht das da was ernsthaft angesehen wird.
Das schließt die Liebe zu unserem Lebensstil aus.
Selbst die Japaner werden wieder Atomkraftwerke aufbauen, aber eben wie Hekate fordert, um den Macbeth zu zerstören "Mit großer Sicherheit!"
Ich könnte hier einen Irrsinnstext anfügen, über Hannah Ahrend und ihren Erkenntnissen zum "Denken", will aber nur eine ihrer Fragen allen, die bis hier gelesen haben, auf den Weg geben:
„Könnte vielleicht das Denken als solches – die Gewohnheit, alles zu untersuchen, was sich begibt oder die Aufmerksamkeit erregt, ohne Rücksicht auf die Ergebnisse und den speziellen Inhalt – zu den Bedingungen gehören, die die Menschen davon abhalten oder geradezu dagegen prädisponieren, Böses zu tun?“
http://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt
Und "Böses" kann man meiner Meinung nach durchaus auch durch "Dummes"oder "Gefährliches" ersetzen.
Nur wird auch diese Katsatrophe in Japan hier keinen wirklich zum "Denken" anregen - da "...ohne Rücksicht auf die Ergebnisse ..." bedeuten kann, das wir uns eingestehen müssen, das unsere Art zu leben unvernünftig,böse, dumm, gefährlich oder auch noch was ganz anderes ist.
Und wer will das schon riskieren????
Mit traurigem Gruß. maruski