Michigan kippt Helmpflicht ...

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Moderator: Gerry

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Gerry
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Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von Gerry »

...und hier fahren die Jungs freiwillig in Leuchtuniform...

http://www.freep.com/article/20120413/NEWS06/120413019


Gruß,
Gerry
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rainer_aus_ulm
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von rainer_aus_ulm »

Hi,

http://www.bikersrights.com/states/50state.html

Ein Biker in den USA hat es mir mal so erklärt:
Wenn einer Vorschrift, Gesetz das Gegenteil bewiesen werden kann dieses Gesetz, Vorschrift
vom State-House (Landesregierung) wieder rückgängig gemacht werden.

Um die Notwendigkeit einer Helmvorschrift zu beweisen wurden die Versicherungen befragt.
Laut Auskunft der Versicherungen ist eine Helmvorschrift in vielen Bundesstaaten irrelevant da es sich nicht
beweisen lässt daß dadurch weniger Verletzungen enstehen.

Ob man dieser Logik folgen kann oder nicht .. alleine der Fakt daß man Gesetze zurücknehmen kann
hat mir damals die Sprache verschlagen

rainer
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Thorsten D.
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von Thorsten D. »

nana, was ist denn daran so unglaublich ;-)

Bei uns könnten se auch ihren Mist wieder zurücknehmen, wenn se denn wollten....allerdings scheuen es diese da, noch mehr wie der Teufel das Weihwasser, einen Lapsus oder wie auch immer zu zugeben.

es bleibt bei uns der Weg nach KA, sackteuer und zeitraubend und wenig Aussicht auf Erfolg
Gruss Thorsten
maruski
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von maruski »

Moin ... cooles Thema ;-)))
Theoretisch können wir Menschen alle Gesetze (ausser den Naturgesetzen) immer wieder den bedürfnissen anpassen.
(und das sollte man mal über die Bedürfnisbefriedigung der Helmpflicht meditieren).

Schon die ollen Griechen (die, die keine Schulden hatten) wussten aber schon, das es eine "normative Kraft des Faktischen" (Georg Jellineck) gibt und haben viele ihrer Gesetze daher "auf Zeit" beschlossen.
Das Gesetz erlosch ausdrücklich z.B. nach dem Feldzug gegen .... und musste im Falle das es weiter gewünscht wurde erneut beschlossen werden.
Auch wurden in der Geschichte viele Gesetze auf Nachweisbarkeit beschlossen. D.h. sie galten nur solange wie ihre Wirkung erwiesen war.

Bei uns zieht diese Kraft des Faktischen enorm. Etwas neu machen ist sehr positiv besetzt (Aktivismus), etwas Bestehendes beenden, sehr negativ (Konservatismus).
Daher werden Gesetze gerne und ausgiebig neu gemacht, aber sehr selten abgeschaft.
Paulus sein Zitat eines Jesus-Wortes: "Geben ist seliger als nehmen" ist Teil unserer Grundkultur. Und in allen Bereichen wird lieber etwas hinzugefügt als weggenommen.
Dazu der aufklärerischen Wahn das die Natur und das Leben erfassbar und kontrollierbar seien, führt zu der schwirigkeit Vorhandenes wieder loszuwerden - egal als wie bescheuert es sich herausstellt.

Menschen sind nun mal so, das sie ohne eine logische Erklärung liefern zu können, glauben, das eine Sache, die da ist besser ist als eine Sache die neu kommt (Konservatismus) und das es mehr Gründe braucht etwas abzuschaffen als etwas anzuschaffen (Kraft des Faktischen).
Unser ganzes Denken, Fühlen und Handels ist von diesen Prämisseng eprägt.

Ich vertrete ja auch die persönliche Meinung, das mir mein minderwertiger Jet-Helm schon unendlich oft das Leben gerettet hat.

Meine drei Kumpel, die sich totgefahren haben, hatten allesammt allerbestes Material und sind mit 700DM Helmen und in Schwabenleder auf nagelneuen Rennhockern mit neuen Bremsbelägen, teuren Reifen und feinster TÜV-Genemigung gestorben.
Ich bin mit dem gegenteil unterwegs und lebe noch.

"Harley Davidson saves my life!"

Ich kann eigentlich nicht wirklich lange schnell fahren mit dem Shovel, meinen Flatterklamotten und dem schlecht sitzenden Helm, der mich ab 130km/h würgt und dringend ermahnt mein Gehirn zu benutzen.

In einem Integralhelm "eingemauert" bekommt man absolut sicher nicht soviel Infos über die Geschwindigkeit und Umwelt, wie in einem Jethelm und wenn mir einer die Theorie erklärt, das ohne Helm dieses noch besser ist - kann ich kaum wiedersprechen.

Daher sollte man einmal objektiv ermitteln was angeblich sichere Helme an Verhaltensänderungen beim Motorradfahren bewirken und dieses mit der unwidersprochenen Schlagsicherheit korrelieren.

Im Mittlealter gab es ja auch eine, im Krieg objektiv ausgetragene, Diskussion zwischen "Rüstung maximal" (Auto) und "Offenheit und Flexibilität" (Motorrad) auf der anderen Seite.
Wie ich mich zu erinnern glaube hat die Flexibilität bis in unsere Tage hinein in der Kriegsführung gewonnen.
Oder kennt einer von euch Taliban-Kämpfer in Panzern?

Klar schützt ein Helm beim DIN Schlagtest, aber was hat das mit Motorradfahren zu tun?

Wieviel Unfälle würden ohne Helm gar nicht erst stattfinden, weil man langsamer fährt oder mehr hört und sieht?

Ich für meinen Teil orientiere mich sicherheitsrelevant zum Informationszugewinn und fahre offen ;-))

Ohne Helm bin ich in den Staaten lange und gerne gefahren - muss aber sagen das es für einen europäisch sozialisierten Motorradfahrer ein komisches Gefühl ist.

Die hatten da aber in Indiana und Rhode Island die Brillenpflicht, die deutlich Sinn machte, da ein Brummer im Auge sehr die Verkehrssicherheit tangiert.
Helmpflicht gab es auch - aber nur für den Sozius, der ja runterfallen kann, wenn er oder der Fahrer nicht aufpasst.

Guten Sonntag euch allen - ohne Helmbenutzung (den man ja nur beim Aufprall wirklich nutzt).

Ach ja - der Krach auf den Ohren ist ohne Helm sehr viel geringer - keine Windgeräusche - was ja wohl auch der Gesundheit zuträgt.

Gruß vom Feldrand.
Maruski
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der-onkel
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von der-onkel »

Ich glaube, daß diese sehr stringente Theorie daran krankt, daß sie nur auf Alteisentreiber anwendbar ist.

Die jungen Wilden auf ihren emotionslosen surrenden Krafträdern würden sich trotzdem kaputtfahren. Da das enorme Kosten für die Sozialkassen verursachen würde, kann keine Partei der Abschaffung zustimmen.
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KayTee
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von KayTee »

der-onkel hat geschrieben:Ich glaube, daß diese sehr stringente Theorie daran krankt, daß sie nur auf Alteisentreiber anwendbar ist.

Die jungen Wilden auf ihren emotionslosen surrenden Krafträdern würden sich trotzdem kaputtfahren. Da das enorme Kosten für die Sozialkassen verursachen würde, kann keine Partei der Abschaffung zustimmen.
Nun, das subjektive Geschwindigkeits- und Lärmgefühl würde auch bei japanesischen Reisschüsseln zunehmen und die Schmerzgrenze erreichen, somit halte ich die erste These für schwierig haltbar.

Ein paar der jungen Wilden würden als Konsequenz langsamer fahren, ein paar Unfälle somit verhindert.

Die anderen würden unverändert schnell ihre Unfälle bauen (den Teil mit "besserer Wahrnehmung Dritter geflissentlich auslassend). Diese hätten nun keine harten Hüte neuster Bauart mehr auf den Deckel. Falls sie zuvor den Crash nicht überlebt hätten ändert sich nichts. Falls doch blieben meist schwerste Verletzungen und lebenslange Pflegenotwendigkeit. Der Teil würde ohne Zweifel deutlich reduziert mangels Überlebbarkeit derartiger Unfälle ohne jeden Kopfschutz. In so weit werden die Sozialkassen sogar entlastet.

Bleibt der Teil, der trotzdem zu schnell fährt, Unfälle baut und diese jetzt folgenlos überlebt, alternativ ohne Helm mit bleibenden und Pflege bedürfenden Schäden überlebt. Ohne Zahlen zu kennen würde ich diesen Anteil als recht gering einschätzen, da diese ja deiner These zufolge trotzdem unangepasst schnell fahren würden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl Unfallzahlen als auch Belastung der Sozialkassen sinken würden. Dass soetwas in Deutschland niemals beschlossen wird steht gebenfalls fest, hierzuulande hat man ein grundsätzliches Problem mit individueller Freiheit, die stets auch Eigenverantwortung bedeutet. Der "starke Staat" will als kompetenter Beschützer des Wahlvolkes allseitige Kompetenz beweisen (=immer mehr Regulierungen) während gleichzeitig der Bürger Eigenverantwortung und jedes noch so absurd kleine Risiko scheut. "German Angst".

Blanken Zynismus beiseite.

Ich bin der festen Überzeugung, dass gesteigerte Aufmerksamkeit beim bewegen jedweder Fahrzeuge die Unfallwahrscheinlichkeit drastisch reduziert. Bei mir sorgt das Bewusstsein um die eigene Verletzlichkeit ganz erheblich für größere Aufmerksamkeit.

Eine Isolation von der Umwelt über Thermopenverglasung im Auto oder modernsten Integralhelmen reduziert dieses Bewusstsein. Dito übrigens die vielen elektronischen Helferlein, beziehungsweise das Bewusstsein um das Vorhandensein derselben.

Meine britischen Freunde vertreten die These, dass der beste Unfallschutz ein 30cm langer, angespitzter Stahldorn in der Mitte jedes Lenkrades sei. Nicht ganz dumm, dieser Ansatz. Oder?

Gruß,
KayTee
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benny
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von benny »

Hey,

ich kann Maruski und Kai in vollem Umfang beipflichten!!!

Ich fahre auch oft ohne Helm....und wurde schon mehrmals von Hosenträger tragenden BMW Buntkombikaspern angepöbelt und versucht zur Rechtfertigung zu bewegen!!!!!!!!!
Meiner Meinung nach haben die meisten dieser Kameraden zu wenig Rückgrat um sich nicht nach der Erwartungschaltung der Gesellschaft zu richten, den er will ja gelobt werden für sein vorbildliches Verhalten.

Ich hingegen mach einfach wonach mir ist und wenn ich Bock habe nackent und mit Wackelpudding beschmiert Moped zu fahren mach ich auch das 8) 8)

Benny
maruski
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Re: Michigan kippt Helmpflicht ...

Beitrag von maruski »

Hi KayTee
... das ist es ja was all diese kleinen bequemen Helferlein machen - sie gaukeln einem etwas vor und lullen einen in Untätigkeit (auch des Hirns).

In jungen Jahren hatte mein Bruder mal einen RS 2000 mit Gruppe N Pass und den damals sagenhaften 140-150 PS, den ich gerne und viel quer "bewegt" habe.
Da der speziell für ADAC-Slalomrennen ausgerüstet war, hatte der das extrem kurze Renn-Getriebe und ging um die Kurve wie die Sau beim Metzger.
Das war ein richtig, richtig schnelles Auto, richtig schnell - obwohl der Tacho nicht über 200km/h kam.
Später hatte er dann ein 944er, der dagegen total luschig war und niemals die Fahrspaß des RS 2000 hatte, obwohl da alle Daten "schneller" waren.
Dito der 500 SEL oder mein 72er Cadillac Eldorado - echt schnelle Autos, ohne das Geschwindigkeitsgefühl.

Sicher war der Ford auch ohne Ende, dank Käfig und diverser Stabistreben und hat sein Ende folgerichtig an einem ostfriesischen Baum gefunden.
Der Fahrer hat den Totalschaden (mit abgerissenen Teilen am Auto) nahezu ohne Verletzung überstanden (selbst das getriebe war zerstört).
Dagegen ist ein anderer Kumpel mit nem M3 und allem an elektronischen und luftgestützten modernen Sicherheitspipapo, an einem anderen ostfriesischen Baum, noch am Unfallort gestorben.

"Schnell" waren die beide - eben gefühlt am Limit und real dann drüber.

Bei dem "sicheren" BMW war dieser "Schnellbereich", ab dem man sich am Limit fühlt, aber deutlich über 200km/h.

Wenn ich mein Dnepr-Gespann mal auf 95km/h hochscheuche ist aber richtig Achterbahn.
Mit den ausgehärteten Gelände-Reifen noch "made in USSR" und dem Dreirad-"Fahrwerk" ist es der Ritt auf der Kanonenkugel (jeder 40 Tonner hat dazu nen halben Bremsweg), den man so unvernünftig manchmal für das psychische System dennoch notwendig braucht.
Das Adrenalin kommt auf ner GSX-R 1100 erst ab 250km/h ansatzweise durch und lange nicht so intensiv.

Ich wäre auch sofort für ein Tempolimit von 100km/h auf BAB und 70 auf allen Landstraßen - wenn dafür der TÜV weg wäre. Nichts abgeben ohne was zu kriegen!

Wenn ich ab und an so ballaballa bin, das ich den Shovel ausfahre, um zu ermitteln wie fertig der jetzt wohl schon ist und wann der neue Motor fällig wird (wenn ich die 150km/h nicht mehr reiße ist Schluss - noch istw as an Luft da), ist es mir doch total mumpe, ob das erlaubt oder verboten ist - unvernünftig ist es allemale (und das ist doch viel schwerer zu ertragen).

Freiheit wird einem nicht gegeben - man muss sie sich nehmen!
Freiheit wird einem nicht genommen - man muss sie hergeben!

Gruß vom Feldrand. Maruski
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