Gleichstromlichtmaschine: Kugellager für Anker auf Antriebss

Moderator: Gerry

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liekoer
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Re: Gleichstromlichtmaschine: Kugellager für Anker auf Antri

Beitrag von liekoer »

Moin,

ich habe heute vom alten 2 RS Kugellager einmal eine Kappe abgenommen.

Im Chnia-Lager selbst (3 Jahre alt) sah das nicht so berauschend aus. Der noch vorhandene "Schmierstoff" war meiner Meinung nicht mehr so doll, sah ziemlich vergammelt aus. Aber Schmierstoff war noch vorhanden.

Nach der Reinigung mit Bremsenreiniger konnte man durch die andere Abdichtung des Lagers "Lichschlitze" sehen. Also sind die Lager nicht, wie ich vermutet hatte, pottendicht, somit muss also ein Wellendichtring verbaut werden.

Das 1 RS Lager mit einem Wellendichtring empfinde ich auch als optimale Lösung.

Danke an alle für ihre Meinungsäußerungen.

Gruß
Norbert
xlh59
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Re: Gleichstromlichtmaschine: Kugellager für Anker auf Antri

Beitrag von xlh59 »

Hi,
der Vollständigkeit halber hier nochmal etwas generelles zum Thema Kugellager, Dichtring etc.:
Als die 65a Lichtmaschine auf den Markt kam, waren Kugellager mit Deckscheiben (RS) nicht gebräuchlich sondern eher Lager mit Deckscheiben (Z) die nicht so gut dichten wodurch ein Dichtring ohnehin nötig wurde. Man darf auch nicht vergessen, daß im Kurbelgehäuse pulsierende Druckverhältnisse herschen, wodurch das Öl (Spritzöl) in die Lichtmaschine gepumt würde.

Die technische Lösung, Lager mit einer Deckscheibe innen in Verbindung mit einem Wellendichtring zu verwenden ist also naheliegend. Die Lager werden gefettet und zudem mit Spritzöl versehen. Damit das Öl nicht das Fett aus dem Lager wäscht, wurde zudem eine Art Labyrinth - Schleuderscheibe verwendet.

Da die heutigen RS Lager besser dichten, können die Lager mit einer "lifetime" Fettfüllung geliefert werden, d.h. das Fett sollte die Lebensdauer des Kugellagers überleben, sonst ist das Lager überdimensioniert.
Aus heutiger Sicht würde man sicher keine Lager mit Deckscheibe(n) verwenden, weil so die Schmierung auf jeden Fall sichergestellt ist. Die Lager mit nur einer Deckscheibe hätten aber den Vorteil das sie einen geringeren Laufwiderstand haben. Bei dem miesen Gesamtwirkungsgrad der Lichtmaschine dürfte das ziemlich vernachlässigbar sein.

Wie lange würde denn ein 6302 2 RS Lager halten? Nehmen wir an, die durchschittliche Motordrehzahl im Alltagsbetrieb (mit Standgaszeiten) wären 2000 U/min (Lichtmaschinendrehzal 2769 U/min) und es würde eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40km/h gefahren.
Das Drehmoment am Lager wären bei 1kW Leistungsaufnahme ca. 3,3 Nm , was einer Kraft von 310N am Ritzel (13Zähne, 22.225mm Teilkreisdurchmesser) entspricht.

Die theoretische Lebensdauer eines 6302 Lager liegt bei einer Last von 310N, miesen Umgebunsbedingungen und 2769U/min bei 600000h, also 24.000.000 km .... nachschmieren sollte man bei 10000h, also bei 400.000 km.

Von der Sicht her wäre das offene Lager sogar besser, weil man beim Tankstopp bei 400.000 km mit Starrrahmen schneller das Lager nachschmieren kann (man muss die Dichtscheiben nicht rauspopeln ...)

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das wichtigste ist den Wellendichtring richtig (offene Seite in Richtung Kugellager/Druckseite) zu montieren - sonst läuft der schöne Generator voll Öl.

Sollte ich mich irgendwo verrechnet haben, bitte korrigiern.

Ralf
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Don Rocket
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Re: Gleichstromlichtmaschine: Kugellager für Anker auf Antri

Beitrag von Don Rocket »

1A, toller Beitrag Ralf! Technisch fundiert und deswegen so interessant, gerne mehr davon :D
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