Fortsetzung Starrahmenfred

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Moderator: Gerry

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holzlenker
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Re: @ Roland

Beitrag von holzlenker »

Servus maruski,

mir ist das selbe durch den Kopf gegangen, auch der Vergleich mit Benz... :lol:

Es gibt noch eine andere Definition von Marktwirtschaft:

"Jeder bescheißt sein gegenüber soweit wie der es zuläßt"

Wenn also einer den Preis bei ebay treiben will, soll er doch: wenn er überpokert hat bleibt er drauf sitzen und zahlt trotzdem Gebühren.

Ebay ist kein Ramsch-Laden, sondern Tagespreisgeschäft.
Wobei, man da eher mal ein Schnäppchen machen kann als an der Tankstelle wo ich Sprit kaufen muß. :wink:
Ciao Lutz
Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen. (Walter Röhrl)
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shovelfauli
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Re: @ Christian

Beitrag von shovelfauli »

Hallo Christian,

entschuldige, wenn ich einmische. Ich kann deiner Argumentation zu 100% folgen: es ist auf jedenfall Beschiss.
Ich glaube aber du versuchst uns gerade einen ritterlichen Kapitalismus beizubringen, der so nicht existiert. ;-)
Ich will hier nicht zu sehr in Politik abtrifften, aber der Vorteil des Kapitalismus ist ja, dass er so schön flexibel auf andere Umstände reagieren kann - natürlich immer mit dem einen Ziel den höchstmöglichen Gewinn für den Verkäufer zu erzielen.
Aber dieses Prinzip funktioniert seit Urzeiten - selbst die Affen haben das begriffen.
... und was soll ich sagen: es kotzt mich genauso an wie dich - aber manchmal mache auch ich ein Schnaeppchen und dann habe ich meinen Ärger über ein manipuliertes Gebot wieder ausgeglichen.

Gruß
Kai
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KayTee
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Re: @ Roland

Beitrag von KayTee »

holzlenker hat geschrieben:Es gibt noch eine andere Definition von Marktwirtschaft:

"Jeder bescheißt sein gegenüber soweit wie der es zuläßt"

Wenn also einer den Preis bei ebay treiben will, soll er doch: wenn er überpokert hat bleibt er drauf sitzen und zahlt trotzdem Gebühren.

Ebay ist kein Ramsch-Laden, sondern Tagespreisgeschäft.
Wobei, man da eher mal ein Schnäppchen machen kann als an der Tankstelle wo ich Sprit kaufen muß. :wink:
Ciao Lutz
Das tut uns BWLern doch auch weh ... Auch Schweineherzen können bluten :wink:

Vollkommen richtig, wie auf 'nem realen Türkisch Basar können sowohl Käufer als auch Anbieter ihre Seite des Spiels überreizen. Käufer bekommen dann nicht den Zuschlag, Verkäufer bleiben auf Ware und Kosten sitzen. Wayne. Dabei von Betrug zu sprechen halte ich für etwas weit hergeholt, denn die Eigenschalften der Ware stehen nicht zur Diskussion. Dann sind Zusätze wie "der beste, den wir jemals hatten" oder "allerletzte Bestände, danach gibt's nichts mehr" mindestens ebenso fragwürdig, gar nicht zu reden von "20% auf alles, nur heute!" oder "Wir hassen teuer!". Will man dann ernsthaft klagen, weil irgendwas bei Mediamarkt/Saturn teurer als beim Wettbewerb angeboten wird?

Bei allen mir bekannten Auktionsformaten wird das Spielchen gespielt, vom Pfandverkauf bis hin zu hochpreisigen Kunst- und Möbelauktionen. Nicht immer zum Nachteil der Käufer, so bilden Kunsthändler gerne Kartelle, versteigern intern und vor der eigentlichen Auktion bereits die zum Verkauf stehende Ware und sprechen so abzugebende Gebote ab. Bilder, die mangels Gebot für 2000€ ersteigert wurden gehen intern für 5000€ weiter und werden umgehend in Galerien für 15000€ angeboten. Alle gewinnen, der Vorbesitzer guckt in die Röhre, nachzuweisen ist das nie.

Wer gierig in den Tümpel springt und sich nicht nach der Grundtiefe oder vorhandenen Krokodilen erkundigt hat kann sich nur selbst etwas vorwerfen.

Ciao
KayTee
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KayTee
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Re: @ Christian

Beitrag von KayTee »

Moin Kai!

Die grundlegende Eigenschaft freier Makrtwirtschaft ist eben nicht, den höchstmöglichen Gewinn für Verkäufer zu ermöglichen, sondern dass "Marktpreise" in Form von Markt räumenden Gleichgewichtspreisen ermittelt werden.
Diese schöne Theorie setzt vollkommene Information voraus, was real nicht gegeben ist. Also spielen real alle Beteiligten nach Spieltheorie, täuschen und feilschen daß es nur so rappelt um jeweils den maximalen Vorteil für sich herauszuholen (Käufer- UND Verkäuferrenten abschöpfen, um beim Marketinggefasel zu bleiben). Verkäufer und Käufer tun desinteressiert, Käufer machen Ware madig und täuschen andere ihnen vorliegende Angebote vor, Verkäufer betonen Vorzüge und andere Kaufinteressenten, und irgendwo trifft man sich dann ... oder auch nicht.

Wenn das Pushen von Auktionen Beschiss ist, wer wird dann beschissen? Derjenige, der nicht mitgeht und die Ware nicht kauft? Inwiefern, was ist sein Schaden?? Daß er *kein* Geld los wird? Der Käufer, der aus freien Stücken sein Maximalgebot abgegeben hat, also eine Willenserklärung abgegeben hat? Niemand zwingt ihn dazu, sich irrational über Marktpreise hinweg zu setzen, wenn das denn der Fall gewesen sein sollte. Der einzige, dem er in solch einem Fall etwas vorwerfen kann, ist er selbst.

Beispiel: ich habe längere Zeit nach einem Montageheber gesucht. Die gibt's beim lokalen Großmarkt für 90€, was meinen sportlichen Ehrgeiz anstachelt. Angebote bei der Bucht stiegen mit regelmäßiger Boshaftigkeit über diesen Preis hinaus (inklusive Versand!), keine Gebotsabgabe (man hat ja mal gelernt: a: Marktpreis kennen, b: Limit setzen, c: frühestens zehn Sekunden vor Schluß bieten :twisted: ).
Dann kam kurz vor Weihnachten jemand, der partout nicht versenden oder auch nur verpacken wollte. Der lag aber auf der Strecke meines Trauzeugen für dessen Weihnachtsheimfahrt. Treffer-versenkt, 35€ für ein unbenutztes Neuteil.

Ist das nicht auch "Beschiss", weil ich einen Vorteil ausnutzen konnte? Habe ich den Verkäufer beschissen, weil ich deutlich unter Marktpreis gekauft habe?

Wohl kaum, denn beide Seiten haben freien Stückes ihre Entscheidungen getroffen: der Verkäufer wollte keinen Aufwand und nicht versenden, ich hätte keinesfalls mehr als 'nen Fuffi bezahlt, egal wie viel ein Blindbieter gepusht hätte. Mit dieser Preisbereitschaft lag ich über der aller Mitbewerber und im Akzeptanzrahmen des Anbieters, fertig ist der Lack.

Im Übrigen:
Wer sich nicht informiert zahlt, das gilt für blauäugige Käufer genauso wie für Verkäufer die keine Ahnung über den Wert der von ihnen angebotenen Ware haben.

Wenn es überhaupt soetwas wie einen funktionierenden Markt gibt, dann ist es eine Plattform wie die Bucht. Viele Anbieter, viele Nachfrager, klare Regeln und jederzeit Transparenz betreffs Eigenschaft und Preis.
Genau deshalb sind echte Schnäppchen weit unter Marktpreis recht selten, die Mitbewerber sind nämlich auch nicht nur dämlich ...

Ciao
KayTee
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Christian
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Re: @ Roland

Beitrag von Christian »

Hallo Kay Tee!

Vollkommen richtig, wie auf 'nem realen Türkisch Basar können sowohl Käufer als auch Anbieter ihre Seite des Spiels überreizen. Käufer bekommen dann nicht den Zuschlag, Verkäufer bleiben auf Ware und Kosten sitzen. Wayne. Dabei von Betrug zu sprechen halte ich für etwas weit hergeholt, denn die Eigenschalften der Ware stehen nicht zur Diskussion. Dann sind Zusätze wie "der beste, den wir jemals hatten" oder "allerletzte Bestände, danach gibt's nichts mehr" mindestens ebenso fragwürdig, gar nicht zu reden von "20% auf alles, nur heute!" oder "Wir hassen teuer!". Will man dann ernsthaft klagen, weil irgendwas bei Mediamarkt/Saturn teurer als beim Wettbewerb angeboten wird?
Nun, das ist Werbung und es ist bekannt, dass Werbung den Mund gerne voll nimmt.
Nicht bekannt ist aber wer alles mitbietet um den Preis zu treiben.
Bei allen mir bekannten Auktionsformaten wird das Spielchen gespielt, vom Pfandverkauf bis hin zu hochpreisigen Kunst- und Möbelauktionen. Nicht immer zum Nachteil der Käufer, so bilden Kunsthändler gerne Kartelle, versteigern intern und vor der eigentlichen Auktion bereits die zum Verkauf stehende Ware und sprechen so abzugebende Gebote ab. Bilder, die mangels Gebot für 2000€ ersteigert wurden gehen intern für 5000€ weiter und werden umgehend in Galerien für 15000€ angeboten. Alle gewinnen, der Vorbesitzer guckt in die Röhre, nachzuweisen ist das nie.
Kartellbildung, Preiskartell, nicht nachzuweisen, trotzdem verboten, aus den gleichen Gründen aus denen Scheinbieter unlauter sind.
Wer gierig in den Tümpel springt und sich nicht nach der Grundtiefe oder vorhandenen Krokodilen erkundigt hat kann sich nur selbst etwas vorwerfen.

Sollte ich also den Verkäufer fragen, ob er Scheinbieter (krokodile) mitbieten lässt?

Gruß, Christian
Christian
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Re: @ Christian

Beitrag von Christian »

Hallo Kai!

Ich will nur anständig behandelt werden, wie ich auch anständig behandle.
Dabei bin ich sogar ein Anhänger einer sozialen und fairen Marktwirtschaft, nicht aber des freien Kapitalismus. Was ist eine Gesellschaft noch wert, wenn Menschen (meist unter der Ausrede andere tun es auch so) Menschen übervorteilen? Sei es die Geiz-ist-geil-Mentalität (Geiz ist im Christentum eine Todsünde!) oder die hemmungslose Ausbeutung, zu der ich auch das Preise-Pushen (nicht aber die Produktanpreisung) zähle.

Kapitalismus ist nicht nur der Versuch, als Verkäufer den höchstmöglichen Preis zu erzielen, sondern auch als Käufer den niedrigstmöglichen Preis zu erzielen. Der manipulationsfrei Mechanismus von Angebot und Nachfrage wird zu einem Preis führen, den wir als Gleichgewichtspreis bezeichnen. Wenn dieser Preis aus Deiner und meiner Sicht ein Schnäppchen ist, dann ist nichts schlechtes daran, denn es gehört zum Risiko des Verkäufers, dass er einen niedrigen Preis erzielt, wenn er mit einem Euro startet. Wenn er diese Risiko vermeiden will, kann er einen höheren Startpreis angeben.
Erst die Preismanipulation durch Scheinbieter ist unlauter, denn Du wirst als potentieller Käufer zur Abgabe eines höheren Gebotes veranlasst als Du ohne scheinbare Bieterkonkurrenz abgegeben hättest. Gleichzeitig verhindert der Verkäufer, dass Du ein Schnäppchen machen kannst, indem er durch Scheinbieter die Preise treibt abschöpft. Den erwünschten hohen Preis erzielt er so unter Umgehung eines abschreckenden hohen Startpreises.
Fazit: Er verschiebt den Preisfindungsmechanismus mittels unlauterer Methoden zu Ungunsten des Käufers.
Und das ist Betrug, auch wenn die diesbezüglichen Techniken in den Räuberhöhlen an der Uni (wo ich sie auch kennengelernt habe!) oder in Marketingseminaren gelehrt werden.

Gruß, Christian
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KayTee
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Re: @ Roland

Beitrag von KayTee »

Moin Christian!
Christian hat geschrieben:Sollte ich also den Verkäufer fragen, ob er Scheinbieter (krokodile) mitbieten lässt?
Krokodile gelten als sehr verschwiegen, aber mit etwas Aufmerksamkeit erkennt man gut die merkwürdigen Bewegungen an der Wasseroberfläche :wink:

Zu deinem anderen Beitrag (um nicht alles voll zu spammen):
Wenn ein Bieter ohne Konkurrenz und mit Konkurrenz zur Zahlung verschieden hoher Preise bereit ist, dann kann er sich auch das doch nur selbst vorwerfen. Rational jedenfalls ist das nicht. Man kann häufig beobachten, daß Auktionen mit hohem Einstiegspreis kein Gebot finden, neu eingestellt werden und von einem niedrigeren Startpreis aus sich ein Endpreis deutlich über dem zuvor unbeachtet gebliebenen Mindestpreis bildet. Analog: Artikel werden in Auktionen zu Preisen verkauft, die über Festpreisangeboten identischer Artikel liegen. Beides hat mit Rationalität nicht viel zu tun.

Versteh mich nicht falsch: ich finde es auch nicht toll, Opfer von "Pushing" zu sein, ich kann aber damit leben, dies zu wissen. Ich biete dann einfach nicht. "Sauber" und "fair" sind sehr subjektiv und setzen voraus, daß sich beide Seiten derart ethisch verhalten. Das kann man nicht ernsthaft erwarten, oder?

Gruß
KayTee
"Auf dass die Hand nur lenken möge, was der Fuß zum Leben erweckte!"
Christian
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Re: @ Christian

Beitrag von Christian »

Hallo KayTee
Wenn das Pushen von Auktionen Beschiss ist, wer wird dann beschissen? Derjenige, der nicht mitgeht und die Ware nicht kauft? Inwiefern, was ist sein Schaden?? Daß er *kein* Geld los wird? Der Käufer, der aus freien Stücken sein Maximalgebot abgegeben hat, also eine Willenserklärung abgegeben hat? Niemand zwingt ihn dazu, sich irrational über Marktpreise hinweg zu setzen, wenn das denn der Fall gewesen sein sollte. Der einzige, dem er in solch einem Fall etwas vorwerfen kann, ist er selbst.
Dein Irrtum ist in diesem Satz: "Niemand zwingt ihn dazu, sich irrational über Marktpreise hinweg zu setzen"
Die Manipulation ist kein konkreter Zwang aber eine absichtvolle Irreführung, welche die Handlung des Irregeführten zum eigenen Ungunsten und zu Gunsten des Irreführenden beeinflusst. Das nennt der Jurist arglistige Täuschung. Und selbstverständlich ist der Preis eine wesentliche Eigenschaft der Sache.
Beispiel: ich habe längere Zeit nach einem Montageheber gesucht. Die gibt's beim lokalen Großmarkt für 90€, was meinen sportlichen Ehrgeiz anstachelt. Angebote bei der Bucht stiegen mit regelmäßiger Boshaftigkeit über diesen Preis hinaus (inklusive Versand!), keine Gebotsabgabe (man hat ja mal gelernt: a: Marktpreis kennen, b: Limit setzen, c: frühestens zehn Sekunden vor Schluß bieten :twisted: ).
Dann kam kurz vor Weihnachten jemand, der partout nicht versenden oder auch nur verpacken wollte. Der lag aber auf der Strecke meines Trauzeugen für dessen Weihnachtsheimfahrt. Treffer-versenkt, 35€ für ein unbenutztes Neuteil.
Da weder bei Käufer noch beim Verkäufer eine Irreführung zu vermuten sind ist dies kein Beispiel für eine Manipulation, sondern für das Zustandekommen eines fairen Gleichgewichtspreises.
Ist das nicht auch "Beschiss", weil ich einen Vorteil ausnutzen konnte? Habe ich den Verkäufer beschissen, weil ich deutlich unter Marktpreis gekauft habe?

Wohl kaum, denn beide Seiten haben freien Stückes ihre Entscheidungen getroffen: der Verkäufer wollte keinen Aufwand und nicht versenden, ich hätte keinesfalls mehr als 'nen Fuffi bezahlt, egal wie viel ein Blindbieter gepusht hätte. Mit dieser Preisbereitschaft lag ich über der aller Mitbewerber und im Akzeptanzrahmen des Anbieters, fertig ist der Lack.
Dein Beipsiel passt vorne und hinten nicht für die Preismanipulation.
Bei aller Zurückhaltung: Mir drängt sich langsam die Vermutung auf, dass Du Dir des Unterschiedes zwischen einem fairen Preis und einem manipulierten Preises nicht bewußt bist.
Im Übrigen:
Wer sich nicht informiert zahlt, das gilt für blauäugige Käufer genauso wie für Verkäufer die keine Ahnung über den Wert der von ihnen angebotenen Ware haben.
Das ist die freie Entscheidung eines jeden einzelnen, nicht aber eine durch Manipulation herbeigeführte Entscheidung.
Wenn es überhaupt soetwas wie einen funktionierenden Markt gibt, dann ist es eine Plattform wie die Bucht. Viele Anbieter, viele Nachfrager, klare Regeln und jederzeit Transparenz betreffs Eigenschaft und Preis.
Genau deshalb sind echte Schnäppchen weit unter Marktpreis recht selten, die Mitbewerber sind nämlich auch nicht nur dämlich ...
Das halte ich für einen teilweisen Irrtum.
Transparenz wird ja nicht erst durch eBay geschaffen, sondern durch die vielen anderen Märkte, auf denen man sich informieren kann. Und durch die Informationsbeschaffung von Käufer und Verkäufer. Gegen die Preis-Manipulation durch die Verkäufer ist bei eBay allerdings noch kein Mittel gefunden worden. Im Gegenteil, durch das Verbergen der Bieternamen in der Gebotsliste ist die Transparenz weiter eingeschränkt worden. Der Markt funktioniert noch schlechter.

Gruß, Christian
Christian
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Re: @ Roland

Beitrag von Christian »

Hi Maruski!

Rocker als Sozialarbeiter.
Und ich bin ein Rocker als Lehrer.

Haben wir die Gesellschaft ja gut unterwandert. 8)
Ist der örtliche HD Dealer nun ein Betrüger, weil er meinem Nachbarn "vorgaukelt" die neuen Moppeds sind so gefragt, das es keinen Rabatt geben kann? Oder ist Mercedes Benz ein Betrüger, weil die mir "vorgaukeln" das die Lagerung von 60er Jahre Ersatzteilen soviel kostet (gekostet hätte, wenn gelagert worden wäre) obwohl sie die seit langem zeitnah nachproduzieren?
Nun ist der betriebswirtschaftliche Aufwand für Kleinserien tatsächlich höher als für Großserien. Insofern ist ein höherer Preis durchaus gerechtfertigt.
Klar ist jedem Verkäufer an einem Gewinn gelegen der maximal ist und kein Verkäufer soll wissen wie hoch dieser ist. Aber jeder Käufer hat doch sein eigenes "Koordinatensystem" von Be-gier-lichkeiten oder Notwendigkeiten, die ihm einen Preis als gut oder schlecht erscheinen lässt.
Und wenn das Koordinatensystem des Käufers durch Irreführung verschoben wird, dann ist das Betrug. Komm ich nicht dran vorbei.

So auch bei eBay -- ich will was und wenn ich es zu meinem Preis bekomme gut, wenn nicht auch gut. Ist mir echt egal ob da was gedreht wurde oder so, ist doch alles freiwillig.
Die Manipultaion beschränkt die Freiwilligkeit aber in hinreichender Form, das man von Betrug reden kann.
Ich finde eBay aber immer noch cool und bequem und freue mich täglich das es das gibt (als Unterhaltung und Spaß) - habe mir seit Jahren keine Kleinanzeigenzeitung mehr kaufen müssen.
Na klar. Und wer manipulationsfest ist, kann sich dort viele Dinge kaufen, die er sonst lange suchen müsste. Trotz aller Schwächen hat ein Internetauktionshaus auch seine Vorteile, wie zum Beispiel das große Angebot.

Gruß, Christian
Christian
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Re: @ Roland

Beitrag von Christian »

Hallo Kay Tee!
Krokodile gelten als sehr verschwiegen, aber mit etwas Aufmerksamkeit erkennt man gut die merkwürdigen Bewegungen an der Wasseroberfläche :wink:
Richtig!
Wenn ein Bieter ohne Konkurrenz und mit Konkurrenz zur Zahlung verschieden hoher Preise bereit ist, dann kann er sich auch das doch nur selbst vorwerfen. Rational jedenfalls ist das nicht.
Auch auf die Gefahr hin, völlig vom Thema abzuschweifen:

Ich frage mich oft, was wir eigentlich unter "Rationalität" verstehen.
Ist es nicht auch ein Zeichen von Rationalität, wenn ich bei mangelnder Konkurrenz weniger zu zahlen bereit bin?
Ist es nicht rational, die Wertschätzung, die eine Sache durch andere erfährt in meine Wertschätzung einfließen zu lassen?
Ist es nicht aus der Sicht des Verkäufers rational Pushing zu betreiben?
Kann man nicht den Betrug oder Mord an einem Menschen ganz rational planen und durchführen?
Ist es nicht rational, meinen Nachbarn das Laub wegfegen zu lassen, das ich im Dunkeln von meinem Weg auf seinen rübergeschoben habe?
Oder meinen Müll unbemerkt in seine Mülltonne zu entlehren und bei der Kommune zu beantragen, dass meine Tonne nur noch zweiwöchentlich (gegen geringere Gebühr natürlich!) entlehrt wird?
Oder die berühmte Tragik der Allmende: Alle beuten die Gesellschaft aus und versuchen die soziale Kompensation zu minimieren: Gewinne werden internalisiert und Verluste externalisiert, wenn bei steigenden Gewinnen Mitarbeiter entlassen werden damit die Gewinne weiter steigen.
Ist es nicht rational Designerkinder mittels vorgeburtlicher Diagnostik und Abtreibung aus medizinischer Indikation zu erzeugen? (Ich wäre seinerzeit damit vielleicht nie auf die Welt gekommen!)

Wir stoßen hier sehr schnell an die Grenze der Rationalität, auf einen blinden Fleck:
Wer allein auf die Rationalität vertraut, der wird erleben, dass auch die unmenschlichsten Dinge rational begründet werden können.
Ein Adolf Eichmann beispielsweise war kein Antisemit, ihm waren die Juden schlicht und ergreifend völlig egal. Er machte nur seinen Job, aber den furchtbar rational: Er organisierte die Fahrpläne der Züge in die Vernichtungslager. Er hätte auch jeden anderen Fahrplan organisiert, aber das war nicht seine Aufgabe.

Rationalität muss eine Begrenzung in einer Ethik finden, in einer Moral, die verhindert, dass alles rational begründbare und damit machbare auch getan wird.
Ein Philosoph Kant war noch ergriffen von der Wucht des moralischen Gesetzes, welches in ihm war.
Ein Papst Benedict setzt gegen die Rationalität die Moral eines christlichen Glaubens, der aus Liebe Gutes zu tun gebietet und überzeugt damit sogar einen religiös amusikalischen Vernunft-Philosophen wie Habermas.
Und was tun wir?

Man kann häufig beobachten, daß Auktionen mit hohem Einstiegspreis kein Gebot finden, neu eingestellt werden und von einem niedrigeren Startpreis aus sich ein Endpreis deutlich über dem zuvor unbeachtet gebliebenen Mindestpreis bildet. Analog: Artikel werden in Auktionen zu Preisen verkauft, die über Festpreisangeboten identischer Artikel liegen. Beides hat mit Rationalität nicht viel zu tun.
Ja, das habe ich auch schon gesehen.
Wäre die Frage, ob da nicht im zweiten Anlauf manipuliert worden ist. Aber auch ohne Manipulation wird es so, wie von Dir beschrieben passieren. Insofern unterscheidet sich die Scheinbieterkonkurrenz ja nicht von der echten Bieterkonkurrenz. Und das nutzen die Scheinbieter ja auch aus.
Versteh mich nicht falsch: ich finde es auch nicht toll, Opfer von "Pushing" zu sein, ich kann aber damit leben, dies zu wissen. Ich biete dann einfach nicht. "Sauber" und "fair" sind sehr subjektiv und setzen voraus, daß sich beide Seiten derart ethisch verhalten. Das kann man nicht ernsthaft erwarten, oder?
Richtig, wenn ich das erkenne biete ich auch nicht.
Aber wieviele können das erkennen? Da ist ein Lernprozeß nötig, bei den Käufern, bei den Verkäufern und bei eBay.
Doch, ich erwarte, dass Menschen sich ethisch verhalten. Und das schließt mich zuerst ein!

Gruß, Christian
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KayTee
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Re: @ Christian

Beitrag von KayTee »

Nochmal Moin Christian!
Christian hat geschrieben:Hallo KayTee
Dein Irrtum ist in diesem Satz: "Niemand zwingt ihn dazu, sich irrational über Marktpreise hinweg zu setzen"
Die Manipulation ist kein konkreter Zwang aber eine absichtvolle Irreführung, welche die Handlung des Irregeführten zum eigenen Ungunsten und zu Gunsten des Irreführenden beeinflusst. Das nennt der Jurist arglistige Täuschung. Und selbstverständlich ist der Preis eine wesentliche Eigenschaft der Sache.
Das sehe ich subjektiv anders. Eigenschaften sind exogen gegeben, der Preis findet sich endogen im Spiel. Ob das juristisch so zu sehen ist sollen Zivilrechtler klären, dazu fühle ich mich nicht berufen.
Christian hat geschrieben:Dein Beipsiel passt vorne und hinten nicht für die Preismanipulation.
Bei aller Zurückhaltung: Mir drängt sich langsam die Vermutung auf, dass Du Dir des Unterschiedes zwischen einem fairen Preis und einem manipulierten Preises nicht bewußt bist.
Das Beispiel passt nicht für Preismanipulation, sehr wohl aber für einseitig verschobene Vorteilsausnutzung. Nichts anderes habe ich behauptet.
Im Übrigen kann ich Dich beruhigen, der Unterschied ist mir sehr wohl bewusst, ebenso wie der zwischen den hübschen Modellwelten und der harschen, deutlich unschöneren realen Welt. In letzterer ist Manipulation in Form von Feilschen notwendiger Alltag.
Christian hat geschrieben:Das ist die freie Entscheidung eines jeden einzelnen, nicht aber eine durch Manipulation herbeigeführte Entscheidung.
Ich wiederhole meine Anmerkung: wer sich in einer virtuellen Konkurrenzsituation auf einen Preis oberhalb eines unmanipulierten Marktpreises drücken lässt kann sich nur selbst etwas vorwerfen. Natürlich haben 1:1 und 1:n Situationen verschiedene Gleichgewichtspreise, aber wir sprechen eben nicht über einen Monopolanbieter, sondern es gibt stets Alternativanbieter (wenn auch nicht zu jedem gegebenen Zeitpunkt). Somit ist ein Marktpreis in aller Regel ebenso bekannt wie die eigene Preisbereitschaft. Falls der Käufer sich auch nur ansatzweise rational verhält *kann* auch ein manipulierter Bieterwettstreit keinen höheren als den Marktpreis erzielen, wobei eine für beide Seiten per Definition faire Preisgestaltung gefunden wird. Wenn sich Leute im Eifer des Gefechts nicht mehr unter Kontrolle haben, so ist das doch wohl kaum den Verkäufern vorzuwerfen, oder?

Ich trete bei allen Freiheiten auch immer für das Recht ein, sich aus freien Stücken auf die Schnauze fallen lassen zu dürfen.
Christian hat geschrieben:]Das halte ich für einen teilweisen Irrtum.
Das hätte ich dann schon gerne belegt.
Christian hat geschrieben:Transparenz wird ja nicht erst durch eBay geschaffen, sondern durch die vielen anderen Märkte, auf denen man sich informieren kann. Und durch die Informationsbeschaffung von Käufer und Verkäufer.
Auf keinem anderen mir bekannten Marktplatz ist die Eigenschafts- und Preistransparenz derart offensichtlich, sind diese Informationen so schnell und kostengünstig zu beschaffen wie bei eBay.
(Das offenbart sich in unfassbar niedrigen Preisen für Massengüter wie Handytaschen oder ähnliches Geraffel sowie der offensichtlichen Unrentabilität vieler solcher Geschäfte, reich wird von diesen Anbietern keiner, viele hauen den Hut drauf. (Nahezu prototypisches Polypol mit Preisen zu Grenzkosten, alternativ Oligopol mit Bertrand'schem Grenzpreisphänomen)
Es gibt Regeln, die werden von beiden Seiten gebeugt.
Bei echten Gesprächen angesicht zu Angesicht mit realen Gegenübern setze ich dann gerne Augen zwinkernd ein "Willkommen in der realen Welt" hinzu. Oder wie Denis Leary so passend sagte: "Life sucks, get a helmet!"
Wahrscheinlich bricht da der Zyniker in mir durch ...
Christian hat geschrieben:Gegen die Preis-Manipulation durch die Verkäufer ist bei eBay allerdings noch kein Mittel gefunden worden. Im Gegenteil, durch das Verbergen der Bieternamen in der Gebotsliste ist die Transparenz weiter eingeschränkt worden. Der Markt funktioniert noch schlechter.
Dabei (Manipulation) unterscheidet sich eBay in keiner Weise von anderen Auktionsmärkten oder auch nur dem normalen 1:1 Markt.
Die Vorteile des massenhaften Angebotes (Vorteil für Nachfrager), des quasi kostenlosen Zuganges für eine Unzahl Nachfrager (Vorteil für Anbieter) sowie der nahezu optimalen Preistransparenz (Vorteil für Nachfrager) bleiben. Des Weiteren kann man zwar bei hochpreisigen Auktionen nicht mehr die Bieternamen sehen (wofür es ebenfalls gute Gründe gibt!), jedoch sehr wohl deren Bewertungszahl, was ich mit den kleinen Verwirbelungen auf dem Krokodilstümpel gleichsetzen würde. Das ist in der realen Welt auch nicht einfach zu erkennen, ich erwähne nur *zufällig* gerade anrufende oder hereinkommenden Interessenten für den vom Käufer ins Visier genommenen Gebrauchtwagen.

Ist halt ein Spiel.

Nix für ungut!

Gruß
KayTee
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Christian
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Re: @ Christian

Beitrag von Christian »

Hallo KayTee!
Ich wiederhole meine Anmerkung: wer sich in einer virtuellen Konkurrenzsituation auf einen Preis oberhalb eines unmanipulierten Marktpreises drücken lässt kann sich nur selbst etwas vorwerfen.
Und das Preis-Pushen durch den Verkäufer hat dabei keine Bedeutung?
Wenn sich Leute im Eifer des Gefechts nicht mehr unter Kontrolle haben, so ist das doch wohl kaum den Verkäufern vorzuwerfen, oder?
Auch nicht, wenn Verkäufer den Kontrollverlust durch Manipulation herbeiführen oder beschleunigen?
Ich trete bei allen Freiheiten auch immer für das Recht ein, sich aus freien Stücken auf die Schnauze fallen lassen zu dürfen.
Und wie ist es mit denen, die geschubst werden?
Das hätte ich dann schon gerne belegt.
Siehe dort in den nachfolgenden Sätzen.

Auf keinem anderen mir bekannten Marktplatz ist die Eigenschafts- und Preistransparenz derart offensichtlich, sind diese Informationen so schnell und kostengünstig zu beschaffen wie bei eBay.
Und nirgends wird leider von manchen Verkäufern so geschwindelt wie bei eBay. Da werden vergammelte Teile in höchsten Tönen als neuwertig beschrieben, Fotos retuschiert und so weiter und so fort. Eine Zeitlang konnte man sich sogar gegenseitig positive Bewertungen zuschieben oder auf die eigenen Angebote mitbieten.
eBay hat nachgebessert und muss da noch viel nachbessern.
Das ist in der realen Welt auch nicht einfach zu erkennen, ich erwähne nur *zufällig* gerade anrufende oder hereinkommenden Interessenten für den vom Käufer ins Visier genommenen Gebrauchtwagen
.

Ist das keine Manipulation vergleichbar der wie sie bei eBay stattfindet?
Ist die Existenz von Manipulationen anderenorts eine Rechtfertigung für eine Manipulatuion bei eBay?

Was nützen mir all die schönen Termini aus der Wirtschaftslehre, wenn ihnen das moralische Fundament fehlt? Aus eigenem Studium weiß ich: Sie erklären, wie Menschen Menschen betrügen und zu oft rechtfertigen sie es.
Und deswegen fangen wir an, uns im Kreis zu drehen.

Gruß, Christian
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Gerry
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Re: Endlos ...

Beitrag von Gerry »

Mädelz - meint Ihr das Ihr in dieser Problematik auch noch zu einer Lösung oder einem halbwegs gemeinsamen Nenner kommt? Die Diskussion ist schon lange weg vom Starrrahmen oder dem was Roland dazu geschrieben hat.

Ehrlich gesagt find ich´s echt mühsam Euren Beiträgen zu folgen. Erstens interessierts mich eine Grundsatzdiskussion über Ebay in keinster Weise und zweitens finde ich Eure Ausdrucksform für dieses Forum irgendwie übertrieben und unpassend.

My 2 Cents.
Gerry
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KayTee
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Re: Endlos ... Ende meinerseits

Beitrag von KayTee »

Selbst Mädel ;)

Nein, kommen wir nicht, dafür sind die Ausgangspunkte zu unterschiedlich.
(zynischer Realismus vs. philosophischer Idealismus)

Meine "famous last words": wer sich auf den Basar begibt akzeptiert die Regeln. Dazu gehört ebenso, daß der Verkäufer sich vor Verlusten schützt, wie, daß alle Beteiligten für sich den größtmöglichen Vorteil suchen. Möge der beste gewinnen.
Wer hochpreisige und kniffelige Ware wie alte Rahmen blind kauft leistet meines Erachtens grob fahrlässig Beihilfe zum Betrug (an sich selbst), auch wenn keinerlei Fragwürdigkeit vorliegt. Praktizierte Dummheit.

Und ja, ich habe mein Lehrgeld auch schon gezahlt. Mehrfach 8)
Ich kann jedenfalls an der Praxis des betrachteten Falles nichts Kritik würdiges erkennen.

Peace!
KayTee
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tattoowestside
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Re: Endlos ...

Beitrag von tattoowestside »

Na endlich hat mal jemand ein Machtwort gesprochen!!
Wie kann man sich nur so dran aufgeilen!!!

Wenn ich heute bei Ebay was sehe,das einen Listenpreis oder Katalogpreis von z.B. 200Euro hat und ich kriege den Zuschlag bei 150Euro,so is es mir Piepegal ob der Herr Mayer von nebenan oder der Seppl von der Stammkneipe mitgeboten hat.
Ich habs 50Euro billiger bekommen und daß alleine zählt

SCHLUSS,AUS,BASTA!!!
Rechtschreibfehler sind die künstlerische Ausdrucksform des Autors und sind somit zu respektieren!
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