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Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 23.11.2016, 07:42
von trybear
Shovelpeter hat geschrieben:Hi,

beim Fahrzeugbau handelt es sich um den gesetzlich ungeregelten Bereich. Das heißt nicht, dass jeder machen darf was er will, sondern dass die Ausführung und Bemessung nicht nach Regelwerken wie der DIN EN 1090 o.Ä. erfolgt, sondern der Hersteller eine Genehmigung bei der zuständigen Behörde erwirkt. Das heißt, der Motorrad- oder Autohersteller erwirkt eine Typgenehmigung und steht für die Sicherheit seines Produktes gerade.

Wenn jetzt der DVS oder irgendjemand Anderes technische Regeln verfasst, kann man sich daran orientieren, beispielsweise als Sachverständiger bei der Schadensbeurteilung oder bei der Entscheidung, ob er über eine Manipulation "hinwegsieht". In den Arbeitskreisen sitzen Leute, die meist ein wirtschaftliches Interesse an der Formulierung des Merkblatts haben und versuchen, einen Stand der Technik zu definieren, auf den sie sich bei Diskussionen stützen können. Einen Segen für die regelgerechte Ausführung kann aber nur der Hersteller geben, da nur er die Bemessungsgrundlage kennt.

Noch was grundsätzliches: Bei Ausführungen im gesetzlich geregelten Bereich ist das anders: Will ich eine Brücke bauen, orientiere ich mich an den technisch relevanten Regeln und erwirke auf dieser Basis eine Genehmigung. Dann brauche ich einen Eignungsnachweis, geprüfte Schweißer und Schweißzusätze, Zeugnisse des Werkstoffs, Verfahrensprüfung, etc. Habe ich dass alles beachtet, bin ich aus dem Schneider. Solche Regelungen im Fahrzeugbau wären der absolute Innovationskiller, müsste ich doch jede angestrebte Neuerung erst in einem langjährigen Prozess in einem Regelwerk so formulieren, dass sie jeder (also auch der Wettbewerb) ausführen kann.
Bei den Blättern des DSV gehts nicht um den Bereich Fahrzeugbau, sondern darum, Rahmenbedingungen zu definieren unter denen eine fachlich und technisch korrekte Rahmenreparatur stattfinden sollte.

Das die Hersteller sowas nicht oder nur eingeschränkt wollen oder zulassen, weil sie Neuteile verkaufen oder alte Fahrzeuge vom Markt haben wollen war uns ebenfalls klar.

Aber wichtig war uns auch endlich mal mit den ewig im Netz und auch im wirklichen Leben kursierenden Gerüchten aufzuräumen : "darf man alles nicht, ist verboten!!" = Quatsch.

Bisher waren lediglich "untergeordnete Bauteile" wie Seitendeckelhalter, Zündspulenhalter, etc. zur Reparatur von einigen wenigen Herstellern freigegeben.

Den Lenkanschlag auf der unteren Lagerschalenpassung als "untergeordnetes Bauteil" mit den bei Unfällen einhergehenden Deformierungen der Passung zu definieren fand ich schon immer unmöglich. Das wurde z.B. auch geändert.

Der Reparaturbetrieb übernimmt (eigentlich schon immer ) die Verantwortung für seine Reparatur.

Kann er das unter den in den Blättern aufgezeigten fachlichen Vorraussetzungen und technischen Bedingungen und steht zu seinen Arbeiten steht der Repa nichts im Wege.

@Trybear: Gibt es denn "Abnahmeingenieure", die eine Bescheinigung ausstellen in der formuliert wird, dass Modifikationen/Schweißarbeiten am Rahmen vorgenommen wurden und diese unter Berücksichtigung der Vorgaben des Herstellers die Betriebssicherheit des Fahrzeugs nicht einschränken? Oder wird eher begutachtet und nicht gemeckert, wenn etwas vernüntig ausgeführt ist?
Keine Ahnung war auch nicht Thema bei den Treffen der Arbeitsgruppe, weil es eben um die Ausführung und nicht um die Abnahme ging und geht.
@Ron: Beim MSG-Schweißen ist die Gefahr von Bindefehlern größer, als beim WIG-Schweißen, außerdem ist Nahtübergangswinkel meist größer (also mehr "Kerbe"). Andererseits wird beim WIG-Schweißen häufig mehr Wärme eingebracht, was eine breitere Wärmeeinflusszone und gröberes Korn verursachen kann.

Gruß, Peter
aus den von Dir ausgeführten Gründen haben wir das WIG - Verfahren für die Repa an Kraftradrahmen gewählt. Es stellte aus unserer Sicht das "geringere Übel" dar... :wink:

Gruß

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 23.11.2016, 10:53
von Tintin
Shovelpeter hat geschrieben:@Trybear: Gibt es denn "Abnahmeingenieure", die eine Bescheinigung ausstellen in der formuliert wird, dass Modifikationen/Schweißarbeiten am Rahmen vorgenommen wurden und diese unter Berücksichtigung der Vorgaben des Herstellers die Betriebssicherheit des Fahrzeugs nicht einschränken?
Ich hatte das Tänzchen mit des Teufels Üblem Vetter vor zwei Jahren. Glasklare Aussage: Ohne Gutachten aus Mörfelden darf man an einem HD-Rahmen absolut gar nix irgendwie reparieren. Aha. Rahmentausch nach §59 am Lotus und an der Norton? Kein Problem, ist machbar. An der HD? No way, gibt keine Freigabe.


Tim

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 23.11.2016, 10:58
von Tintin
trybear hat geschrieben:Das die Hersteller sowas nicht oder nur eingeschränkt wollen oder zulassen, weil sie Neuteile verkaufen oder alte Fahrzeuge vom Markt haben wollen war uns ebenfalls klar.

Aber wichtig war uns auch endlich mal mit den ewig im Netz und auch im wirklichen Leben kursierenden Gerüchten aufzuräumen : "darf man alles nicht, ist verboten!!" = Quatsch.
Es wäre zu und zu schön, wenn sich diese Erkenntnis dann noch gegen die offensichtlichen Beharrungskräfte in der gemeinen Prüferschaft durchsetzte.... ;)


Tim

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 23.11.2016, 12:20
von trybear
Tintin hat geschrieben: Es wäre zu und zu schön, wenn sich diese Erkenntnis dann noch gegen die offensichtlichen Beharrungskräfte in der gemeinen Prüferschaft durchsetzte.... ;) Tim
Da hast Du Recht.
Und genau darum gehts, weil aus der Unsicherheit heraus "weiß ich nicht genau und bevor ich was Falsches sage, sag ich lieber nein" von den Prüfern gesagt wird.
Niemand kann alles wissen, aber man sollte dann wissen wo man nachlesen kann.
Ein Blick in die DVS-Blätter würde den "Abnehmern" ausreichend Informationen und Sicherheit bei der Beurteilung der vorliegenden oder beabsichtigten (vorher fragen ist immer gut :roll: :wink: ) Instandsetzung geben.

Aber das ist leider noch keine alltägliche Praxis. Wir können nur dran arbeiten

Gruß

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 23.11.2016, 16:39
von Tintin
trybear hat geschrieben:Und genau darum gehts, weil aus der Unsicherheit heraus "weiß ich nicht genau und bevor ich was Falsches sage, sag ich lieber nein" von den Prüfern gesagt wird.
In meinem Fall stand zwischen den Zeilen eher sowas wie "Komm mir nicht mit den amerikanischen Caquefässern, gibt nur Ärger, notfalls mit dem Importeur". Ich vermute mal, dass der im Rahmen der Homologation und irgendwelcher ISO-Zertifizierungen durchaus interessante Beträge auf des Teufels Üblen Vetter ihm sein Konto schaufelt und dementsprechend ein inoffizielles Mitspracherecht hat.

Es war recht deutlich, dass sich die "Lex HD" sehr deutlich von der allgemeinen Praxis unterschied, v.a. weil eines der Argumente der Markenschutz sei. Auf meine Frage, was der für eine Rolle für ein Krad spielte, dass vor vier Jahrzehnten hier zugelassen wurde und das damit durch einen ggf. sogar unverschuldeten Unfall ja komplett entwertet würde, kam eine Begründung mit dem Informationsgehalt von "Isso".


Tim

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 24.11.2016, 13:50
von Shovelpeter
Hi,

genau um die Fahrzeugzulassung geht es, lies Dir nochmal die Erklärungen zu geregeltem und ungeregeltem Bereich durch. Und wenn ein kleiner Personenkreis sich zusammensetzt und ein technisches Merkblatt verfasst, in dem deren Erfahrungen und Empfehlungen zusammengefasst ist, ist das sicherlich hilfreich. Aber es legalisiert nicht Änderungen an zulassungsrelevanten Teilen, wenn diese nicht durch den Hersteller (der für die Betriebssicherheit geradesteht) freigegeben sind.

Mir ist bewusst, dass eine ganze Branche von den Reparaturen an Rahmen lebt, eine gute und technisch ausreichende Arbeit abliefert und in ihrem Bemühen von den Fahrzeugherstellern nicht gerade unterstützt wird. Ich bin auch dankbar, dass es Spezialisten gibt, die einem den Hocker im Notfall retten können. Aber das Ganze erfolgt nach dem Motto "Wo kein Kläger, das kein Richter".

Und verboten sind Manipulationen nicht, sie sorgen lediglich dafür, dass das Fahrzeug die Betriebserlaubnis verliert...: Der Reparturbetrieb muss entweder den Segen des Herstellers haben oder er tritt selber als Hersteller auf. Letzteres bedingt natürlich ein aufwendiges Genehmigungsverfahren und ist für eine Reparatur nicht sinnvoll.

Gruß, Peter

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 24.11.2016, 14:24
von Tintin
Shovelpeter hat geschrieben:Der Reparturbetrieb muss entweder den Segen des Herstellers haben oder er tritt selber als Hersteller auf.
Angenommen, Du fährst Dir den Rahmen irreparabel krumm. Und nun gibt es ja bekanntlich Ersatzrahmen von mindestens einem Hersteller mit Gutachten. Würde man den Hersteller des Rahmens als Hersteller des Krads eintragen wollen, wäre das wohl als Neubau zu behandeln und dementsprechend nicht zulassungsfähig. Und nu'? Tja, Pech gehabt, die Kiste ist leider nix mehr wert und kann nur noch ausgeschlachtet werden - so die Auskunft zur Situation bei HDs von zwei verschiedenen Stellen.

Lustigerweise kenne ich allerdings auch eine Triton, bei der des Teufels Übler Vetter höchstpersönlich die Seriennummer der Triumph, aus der der Motor kam, in den Norton-Rahmen eingeschlagen hat. Was nach hiesigem Zulassungsrecht glasklar eine Norton ist, fährt jetzt offiziell als Triumph herum. Nee, is' klar.

Mich kotzt die offensichtlich Willkür oder zumindest Interpretationsfreiheit der geltenden Regeln in dem Bereich jedenfalls mächtig an....



Tim

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 24.11.2016, 15:46
von trybear
*

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 24.11.2016, 18:34
von PANHEAD
So, nach diesem ganzen Fachsimpeln : was ist eigentlich mit dem Rahmen passiert? Hast du die Platte schon abgeflext?
Gruss

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 24.11.2016, 22:21
von Arthur
Meine Philosophie:

Wer viel fragt, bekommt viel Antwort.

Gruß Arthur

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 29.11.2016, 23:20
von Kiste2002
Nabend zusammen,
Ich habe die Platte abgeflext.
Meine neue Fußrastenanlage wurde heute geliefert.
Werde jetzt danach eine neue Halterung anfertigen.
Die rechte Seite benötigt nur zwei Befestigungspunkte wie schon von Thorsten erwähnt wurde. Die abgeflexte Platte war auch selbst gebastelt und ist nicht zu gebrauchen.Hat jemand zufällig ein Foto von der rechten Rahmenseite ohne montierte Fußrastenanlage? Dann hätte ich einen genaueren Anhaltspunkt wie eine originale Halterung auszusehen hat und wo sie genau angeschweisst ist.
Vielen Dank im Voraus und viel Erfolg mit euren Winterprojekten.
Gruß aus Bremen

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 30.11.2016, 08:02
von trybear
Moin,

Bild


Bild

biddeschön

falls Du mal Trittbredder montieren möchtest, irgendwann dann doch mal..., wäre der richtiche Winkel wichtich.

gruß

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 30.11.2016, 18:33
von Kiste2002
Perfekt....
Vielen Dank :D

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 17.12.2020, 19:53
von Popeye29
Hallo,
Das Thema ist für mich aktuell geworden.
Bei meiner fxe fehlt das Teil auch, Scheint in den USA ab geflext worden zusein.
Bike wurde 2000 rum importiert.

Muss man das Stück selber machen oder kann man die „ Platte „ erwerben.
Gruss Popeye

Re: Benötige Hilfe beim Rahmen Pfusch

Verfasst: 17.12.2020, 20:26
von PANHEAD
Hi,
falls du nicht selber basteln willst, kann Gerry dir das passende Teil bei seiner nächsten Bestellung mitliefern: https://www2.vtwinmfg.com/front-frame-m ... -type.html