@all who like to read.
Wieder mal etwas längerer Text mit meinen Gedanken zur Szene ;-)))
Hier in den Beiträgen taucht immer wieder das Wort "Freiheit" auf.
Um die Harley Davidsons wabbert unerklärlicher Weise auch dieses Wort.
Ich weiß gar nicht wieviele schwarze und auch schon ergraute, T-Shirts mit dem Slogan "Freedom" ich im Schrank habe.
Es gibt eine Magie um dieses Wort und kaum einer durchdenkt einmal was es überhaupt bedeutet.
Freiheit ist das Fehlen von etwas! Nicht das Haben von etwas! (z.B. Angstfrei, Virenfrei, Sorgenfrei)
Im Easy Rider erklärt der Nickolson dem Hopper eine Funktion des Wortes und die Probleme die Freiheit bringt, weil es auch andere Deutungen gibt, die Freiheit als etwas beschreiben das man haben kann:
https://www.youtube.com/watch?v=KGE1xrPteis
Freedom's just another word for nothin' left to lose
Nothin', it ain't nothin' honey, if it ain't free
And feelin' good was easy, ............
Jannis Joplin (Me and Bobby McGee)
Nichts, ist nicht Nichts, wenn es nicht frei (im Sinne von bedingungslos) ist.
Also wenn es um Freiheit geht, muss es eine (Lebens-)Einstellung sein, die a) Bedürfnislosigkeit (nothin´ left to lose) beinhaltet und b) Bedingungslosigkeit (it ain´t nothin, if it ain´t free).
Wer will, da wirklich frei sein von uns? Ich nicht!
Und diese Freiheit mit einem Motorrad - aus einer industriellen Produktion - also einem Produkt aus dem kapitalistischen System zu verbinden, ist ganz großes Tennis.
Bzw. wer das frisst ist Bekloppt.
Der MoCo ist das in den 70ern gelungen jede Menge Bekloppte zu finden und das hat sie zu einer sehr reichen (Aktien)Firma gemacht.
Sie haben das mit der Verbindung Freiheit-Motorrad aber nicht selber ausgeheckt, sondern sich in ihrer größten Kriese (als Motorräder noch für Sportlichkeit (die sich nicht mehr verkaufen lies) und nicht für Freiheit standen) in der Not angefangen die ekligen Fliegen zu fressen, die Freiheit ihrer Kunden bedeuten würde, wenn sie den Wirklichkeit werden könnte. (Konjunktivalarm)
Die Menschen, die damals in den USA, mitten in der absoluten Glanzzeit des Kapitalismus (die 50-60er), schon die Schatten ahnten, es irgendwie spührten, dass nicht alles Gold ist was glänzt, distanzierten sich auf viele Weisen vom Chrom- und Plastikwahn der Hauptkultur.
"Her rattlin' cough never shuts off
Is nothin' but a used machine
Her aluminum finish, slightly diminished
Is the best I ever have seen"
aus:
https://www.youtube.com/watch?v=kGE6YWVao0Y
Musik die den Geist eines Chopeprs viel besser beschreibt als das totgedudelte "Born to be wild"
Nachdem die Bürger nicht mehr mit Sportlichkeit zu ködern waren, weil da die Engländer und Japanesen einfach erfahrbar sportlichere Maschinen anboten, sah es für die MoCo sehr, sehr eng aus.
So ein Eisenschwein dann einfach Sportster zu nennen ist zwar rührend, aber eben auch brutal naiv.
Sportlichkeit ist ein objektiver Begriff, den man messen kann und kein Symbol, das manipuliert werden kann.
Freiheit ist ein subjektiver Begriff, den man nicht messen, sondern nur fühlen, kann.
Und Gefühle sind manipulierbar.
Beinahe beliebig, wenn sie durch Deutung von Symbolen und nicht aus Erfahrung entstehen.
Das mit der erlebten Freiheit haben die Freaks authentisch, lange vor der MoCo mit ihrer gefakten Freiheit, gemacht.
Und das zeigt der Easy Rider in einigen Szenen (Bauern/Hippys/Biker).
Sie haben sich alte Maschinen gekauft (na ja im Falle der vier Requsiten wohl eher besorgt) und sie mittels symbolischer Veränderungen als Transportmittel ihrer Gefühle/Hoffnungen, also als Botschaften genutzt.
Nach New Orleans kommt man auch anders bequemer/sicherer, als auf diesen Symbolen der Gefühle.
So kommt die lange Gabel der Chopper aus dem Drag-Race und ist durch den absolut unsinnigen Ape-Hanger adabsurdum geführt worden (Drag Racer liegen flach auf den Motorrädern und hängen nicht wie ein Bremsfallschirm im Winde).
Das offene Hinterrad kommt, wie auch die hochgezopgnen Auspüffe, ebenfalls aus dem Rennsport (Dirt-Tracker).
Alles maßlos überzeichnet und mit individuellem "Firlefanz" dekoriert, als Botschaft für einen eigenen Geschmack, eigene Gedanken, die frei sind von den (Konsum) Zwängen des Mainstream.
Chopper, die dieses Gefühl transportieren können, zu kaufen ist daher schlichtweg unmöglich - den muss man sich selber bauen.
Das war eine Art Freiheit sich von dem kapitalistischen Main-Stream zu lösen und dessen Werte zu karikieren, die voll funktionierte und daher dann auch zu einer großen Distanz von den Bedingungen und Sicherheiten der Gesellschaft führte.
So kann man Captain Amerikas und Billys Bikes deuten.
Und es erklärt auch Fondas tiefe Abneigung gegen das Bike (Symbol), da er ja ein reiches Kind des erfolgreichen kapitalen Systems war.
Aber er sollte ja einen Out-Law spielen, was durch die Anfangszene klar festgeschrieben wird.
Und er wollte es Papa (der gerne den Out-Law in Western spiele) eben auch zeigen.
Dieses Nichts (an Zwängen/Unfreiheiten und Sicherheiten), was man nur bedingungslos (also ohne eingegangene Verpflichtungen) hat, ist ein Traum, der eben nur eine Idee ist, die jeglicher Realtiät wiederspricht, da wir als Lebewesen natürlich angewiesen sind auf Bedingungen für das Überleben unseres Körpers, die stabil und verlässlich sind.
Im Easy Rider leben sie in der Natur, unsteht und gefährlich (für George Handson, der dort als Anwalt (!) nicht hingehört, tödlich).
Diese Stabilität und Verläßlichkeit unsere Umwelt- und damit Überlebensbedingungen, ist unabdingbar.
Aber wir können uns (nach Kant) frei entscheiden wieviel wir davon brauchen und ob wir den Preis der Bequemlichkeit/Sicherheit zahlen indem wir imemr weniger selber Denken.
Bescheidenheit und Genügsamkeit steigern die Freiheit, wussten schon die alten Griechen und predigten dieses u.a. in dem Lehrgebäude der Stoa.
Wir können als materielle Wesen aber niemals ganz frei von materiellen Bedingungen sein, da unser Körper eben Ansprüche hat.
Unfreiheiten müssen wir spätestens akzeptieren, wenn wir unfreiwillig hungrig werden oder frieren.
ABER wir sind auch geistige Wesen und die Gedanken können frei sein, keiner kann sie erschießen mit Pulver und Blei (Captain America und Billy wurden erschossen, aber nicht ihre Ideen/Gedanken).
Wenn wir es im Kopf wollen, kann hungern und frieren sogar richtig Spaß machen.
Aber je mehr der Körper (der nicht frei sein kann) nach stabilen Bedingungen/Sicherheit strebt (Man meint, dass es ohne XYZ nicht mehr geht), verliert der Geist eben leicht seine mögliche Freiheit.
Das ist die Situation die Nickolson dem Billy erklärt, das macht sichere, aber unfreie, Menschen so gefählich.
Und für diese unsichere Freiheit waren in den 60ern eben Chopper ein Symbol.
Und weil es in den USA eben jede Menge alte (unsichere) Harleys billig gab, wurden diese ideal zu Choppern.
Schlicht weil sie da waren, weil man sie sich selber dafür gebaut hat, nicht weil sie gekauft wurden.
UND weil sie sich dafür eigneten.
Jollen Kreuzer oder Golf-Carts hätten die Symbolik nicht tranportieren können.
Hot Rods konnten das auch nicht so gut, weil sie zu nache dran waren an dem Mainstream. Sie verkörperten immer noch die Sportlichkeit und den Leistungsgedanken des Systems.
Es wurde aber auch von Jugendlichen versucht sie ebenso zu funktionalisieren (sie James Dean).
Nur die Autokonzerne brauchten den Zug nicht zum draufspringen.
Na ja, heute gibt es auch da Hot Rods von der Stange (besonders von den fast pleite gegangenen Chrysler Jungs).
Was haben wir nun heute?
Sicherlich keine Chopper mehr, im Sinne des Ur-Choppers, der aus Wohlstandabfall als individuelles Symbol ersteht.
Aber absolut unechtes Plastikzeug, mit einer Symbolik, die von dafür ungeeigneten Typen genutzt wird
Und die Fahrer sind sicherlich auch keine psychisch traumatisierten Männer, die nach dem gewonnenen Krieg über die Übeltypen der Welt in ihrer Heimat neben der Gesellschaft standen, die ihnen den Heldenruhm mit dreckigen Jobs vergalt (da u.a. die, die nicht im Krieg waren, in der Zeit Karrieren im System gemacht haben).
Sie hatten die Siegessymbole (SS Runen und Hakenkreuze = Zeichen der Unfreiheit) für alle sichtbar auf den Lederjacken und keiner hat es ihnen vergolten,d ass sie ihren Arsch für die Freiheit riskiert haben.
Einer Freiheit, die für etwas stand, also dem kardinalen Denkfehler beid eisem Wort, das für das Fehlen von etwas steht.
Etwas das es nicht gibt, konnte man ihnen also nicht geben. Verarscht!
Das mit den Nazisymbolen der Unfreiheit als Trophäe der Freien war am Anfang keine Provokation, sondern ein Hilferuf, ein Schrei nach Anerkennung.
"Sieh her, ich habe ein Eisernes Kreuz erbeutet und du gibst mir nicht mal nen Job!".
Da ist es schlichtweg lächerlich, wenn heute Chopper mit EK-Ornamenten dekoriert werden, nur weil man das bei den "Orginalen" so gesehen hat.
Die heutigen Harleyfahrer sind das System und können maximal so dargestellt werden wie die beiden Honks in der Kneipe im Film "Flashback", den ich jedem Easy-Rider Liebhaber und Hasser warm empfehle.
Hier hat SuperGauzy absolut das echte Gefühl. Da stimmt nicht mehr viel heute in der "Szene".
Und warum sollten die heutigen Harleyfahrer denn von den Bürgern gehasst werden?
Es sind doch Menschen mit dem gleichem Wertesystem, die, bequem und fett, zu den gleichen Bedingungen (also Unfreiheiten) existieren.
Drei Wochen Urlaub, mit Lohnfortzahlung, Unfallversicherung, Altersrente, Lebensversicherung, Aktienkapital, etc. pp, nutzen um "frei" zu sein?
Lachhaft.
20-30 K auf den Tisch knallen um ein Motorrad zu kaufen das "Rebellisch" ist (mit TÜV und KAT).
Lachhaft.
Wir alle hier stecken in Bedingungen, die uns unfrei machen, weil wir meinen die Sicherheiten der Gesellschaft brauchen.
Wer schlägt denn noch sein Zelt auf einer Autobahnraste auf?
Ich habe das zum letzten Mal vor über 20 Jahren gemacht und will jetzt nicht mehr anecken und Diskussionen mit den Scheriffs, abbauen müssen (erlebter Zwang, der die eigene Meinung über die "Meanies" bestärkt) und (als moralischer Sieger) weiterfahren.
Das brauche ich sicherlich nicht mehr.
Und das wissen die Bürger und grinsen sich ins Hemd, wenn sie mich "Wild Hog" jetzt auf meinem Chopper sehen.
47 jährige Familienväter mit Ehering sind nicht mehr so gefährlich wie 25 jährige Rabauken.
Das weiß hier im Lande jeder!
Und daher sind wir überall so gern gesehen, jetzt.
In unserer Gesellschaft haben es die jungen Menschen exrem schwer sich abzugrenzen und Symbole zu erfinden, die dem Bürger zeigen, dass er nicht frei ist und sie wohl noch (zumindest im Glauben an die/ihre Zukunft).
Junge Menschen habe das Bedürfnis für sich am Anfang des Lebens ehrlich zu sein und dem Ideal von Freiheit nachzustreben.
Das macht sie unbequem und zu einer Gefahr für die Bequemlichkeit (die auch Sicherheit sein soll).
Diese Jugend ist aber der Motor für die Anpassung der Gesellschaft an die Herausforderungen der neuen Zeiten.
Können Jugendliche nicht mehr ehrlich von Freiheit träumen und uns alte Säcke nerven, verlieren wir die Dynamik der geselslchaftlichen Anpassung.
Mit der Zeit erkennen sie dann (so wie wir alle hier), dass auch sie Sicherheiten brauchen, die es nur für den Preis der Unfreiheiten gibt.
Also baut man sich den Zahnarztspiegel (der nur Ärger brachte) ab und den OEM wieder an.
Auch wenn darin die Dinge amtlich anderes aussehen, als sie sind (steht auf meinem sogar drauf).
Fonda schmeißt die Uhr weg (eine oft in den Kritiken angeführte Szene), um bildlich zu zeigen, dass er sich, auf dem allegorischen Weg zum Mardi Gras (fetter Dienstag - Tag bevor es knapp wird mit allem in der Fastenzeit - eines der zentralen Symbole des Films), von dem ganzen System der Gesellschaft lösen möchte.
Eine allgemein verbindliche Uhrzeit ist noch gar nicht so alt und eine Erfindung der Kapitalisten der Frühindustrialisierung. Erst mit der Eisenbahn und den Werkhallen wurde sowas wie gleiche Zeit für alle, an allen Orten nötig.
I may be going to hell in a bucket, babe
But at least I'm enjoying the ride, at least I'm enjoy the ride
Ride, ride, ride, ride
Grateful Dead - Hell In A Bucket
https://www.youtube.com/watch?v=kKR1-pgFxC4
Ich bin jetzt zu müde um weiterzumachen und ende daher hier aprupt und mitten drin mit den Dead.
Ich fahre solange es mir Spaß macht - und wenn es keinen Spaß mehr macht höre ich auf!
Scheiß auf die Freiheit, dass ist echte Freiheit - wer davon labert das er sie hat, hat sie nicht.
Soviel ist sicher.
Und ein Mopped braucht man dazu schon mal auf gar keinen Fall.
Mein alter Herr ist mit 77 Jahren drei Monate mit Zelt und nem alten Peugeot Fahrrad von San Francisco nach Baja California/Mexico getrampt und sagte mir danach, dass es unbeqem aber total frei war, er es ganossen hat, aber nicht nochmal machen wird.
Vielleicht geht es mir mit dem Shovel auch mal so? Aber bis dahin:
"At least I'm enjoying the ride!"
Gruß vom Wiesenrand.
Maruski