Seite 1 von 2

Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 22.01.2021, 20:46
von FLH_Hans
Moin zusammen,

ich habe heute meinen Nosecone abgebaut, weil ich eine neue S&S Ölpumpe einbauen möchte und dafür noch eine Bohrung ins Motorgeräusch bringen muss. Dabei wollte ich gleich die moderate Andrews J-Nockenwelle einbauen.

Jetzt stellt sich mir die Frage ob überhaupt die Originale Nockenwelle verbaut war oder mein Vorgänger schon eine Aftermarket Nockenwelle eingebaut hat.
Die Bezeichnung auf der Stirnseite lautet 7-0003B MG zudem sind noch auf 2 der 4 Nocken Zahlen „eingeritzt“ FB“XX“ und 18“XX“ (X steht dabei für unleserliche Zahlen/Buchstaben :D )

Kann jemand damit vielleicht etwas anfangen?

Danke schonmal
Reingehauen
Hans

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 22.01.2021, 23:47
von ron
Scheinbar von Crane. Google mal 7-0003B MG
oder hier
https://www.ebay.com/itm/Evo-Cam-7-0003 ... SwbK5f0n~x
Gru0

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 23.01.2021, 11:47
von FLH_Hans
Moin Ron,

Danke für den Tipp...hätte auch selber drauf kommen können nach cam anstatt nach Nockenwelle zu suchen :lol:
Was ich bis jetzt rausgefunden habe ist, dass Crane scheinbar die eigentliche Welle mit den Nocken und das Zahnrad frei kombinierbare verkauft (hat). Die Nummer 7-0003B ist demnach nur die Nummer der Zahnrads und sagt nichts über die Geometrie der Nockenweille aus.

Weiß vielleicht jemand wie Crane die Wellen markiert hat oder wie ich herausbekomme welchen Grind die Welle hat.

Reingehauen Hans

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 23.01.2021, 16:11
von Alex MTeK
Das was auf den beiden Nocken eingraviert ist, ist für gewöhnlich die Nockenkennung. "FB" steht für Fireball. Wenn der Rest nicht leserlich ist, dann kann man maximal die Nocke nach Steuerzeiten und Ventilhub vermessen und daraus feststellen, welches Modell es genau ist.

Was ich aber nicht verstehe: warum will man eine Bohrung in sein Motorgeräusch einbringen? Gefällt Dir der Klang des Motors nicht? Oder willst Du ein unangenehmes Nebengeräusch wegbohren?????? Fragen über Fragen.... :D :D :D

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 23.01.2021, 16:51
von FLH_Hans
Oh man da hat die Autokorrektur zugeschlagen. Ich meinte natürlich das Motorgehäuse :roll: . Dort muss ich für die S&S ölpumpe eine Bohrung verschließen und eine neue Bohrung setzen.

Habe tatsächlich in der Zwischenzeit zwei Gravuren gefunden. Einmal FB296A und auf einer weiteren Nocke die Gravur 19 81. Bei der zweiten Gravur gehe ich davon aus, dass es das Prduktionsdatum — also 19te Kw im Jahr 81 — ist. Die Erste ist eindeutig die Kennung der Nockenwelle. Für diese habe ich jetzt auch die geometrischen Daten wie Öffnungswinkel und Lift gefunden.

Hat jemand mit der Nockenwelle Erfahrung oder hat einen Vergleich mit der Andrews J? Ich bin eher nicht so angetan vom Motorverhalten. Einem Bekannten komme ich bei gleichem 1200er Motor — jedoch mit Andrews J — nicht hinterher beim Beschleunigen. Klar da gehören auch andere Komponenten wie Auspuff und Vergaser dazu aber dennoch denke ich kann es auch an der Nockenwelle liegen. Muss aber zugeben, dass der Vergaser wegen Falschluft wahrscheinlich noch nicht optimal eingestellt war.

Bin dann auch mal Recherchieren...
Reingehauen
Hans

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 23.01.2021, 17:17
von holzlenker
Servus,

hier sieht man auf einem Bild Gans gut, wie Crane die Cams markiert hat.

https://www.ebay.com/itm/1-0067-320B-CA ... Sw0t5e8hCc

und hier kannst Du die ganzen Cam-Typen anschauen:

https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... PV_mqf7rs_

Ciao Lutz

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 23.01.2021, 23:34
von Roller
Kann Dein Kumpel Dir verraten, mit welcher NW er unterwegs ist?
Ist sein Bike vergleichbar bezüglich anderer Komponenten?

Die Wahl der NW ist wie Du schon sagtest von vielen Faktoren abhängig.
Du bist ja nicht nur gefühlsmäßig "hinten".

Meine Erfahrungen mit "scharfen Nocken" unter anderen -Leineweber- haben mich dazu bewogen, nicht nur nach großen Steuerzeiten
sondern vielmehr nach dem wirklichen "Atmungsvermögen" der Köpfe zu handeln.

Ich bin selbst mit "gemachtem Motor", der Sportster-Drehzahlen gut "wegsteckt", zurück auf die "H-Nocke" original gewechselt.
Für mich immer noch die "Victory-Cam"....

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 24.01.2021, 14:33
von FLH_Hans
Moin Roller,

mein Kumpel fährt eine Andrews J im Standard 1200 Motor.

Ich habe mir die Steuerzeiten der beiden Nockenwellen einmal angeschaut.

Die Andrews J hat 21/41° mit .405“ Lift, die Crane 20/44° mit .455“ Lift

Das bedeutet, dass die Crane eine minimal geringere Überschneidung (40° Crane zu 42° Andrews) hat —> Crane sollte stabileren Leerlauf haben und die Drehmomentkurve sollte sich zu niedrigen Drehzahlen verschieben

Zudem sollte die Crane durch den größeren Lift dem strömenden Gas weniger Widerstand entgegenbringen was wiederum die Ladung und das Ausstoßen begünstigen sollte. Dem Gegenüber steht natürlich die höhere mech. Belastung des Ventiltriebs. Daher sind bei mir auch starre Stößel verbaut.

So in der Theorie :P

Alles in allem sollten — denke ich — die beiden Nockenwellen nicht viel merklichen Unterschied bewirken.

Wenn ich hier einen Denkfehler habe gerne korrigieren :idea:

Reingehauen
Hans

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 24.01.2021, 23:28
von Mike_O
Hallo Hans,

Wenn das Mopeds deines Kumpels dir davon zieht, kann es an vielen Dingen liegen. Gut eingestellt, kürzere Übersetzung, leichterer Fahrer (nicht persönlich gemeint), etc. etc.

Die Crane NW wird ja ohne Zahnrad geliefert. Ich würde da erstmal die Steuerzeiten checken, ob der Vorbesitzer die NW auch richtig ins Zahnrad eingepresst hat. Die beste NW nützt wenig, wenn das Zahnrad falsch aufgepresst ist.

NW wieder einbauen, Gradscheibe auf die Kurbelwelle, Messuhr auf die Tappets, Kuli und Papier, ein Kasten Bier, ...

Gruß,
Michael

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 25.01.2021, 22:10
von Roller
Moin Hans,
die erwähnten Unterschiede der Nockenwellen sollten sich nicht wesentlich bemerkbar machen.
Gute Idee mit den "solids".
Die Überprüfung der wahren Steuerzeiten ist der beste Ansatz.

Vor langer Zeit habe ich mal eine interessante Terminologie gehört für die mein Deutsch nicht ausreicht:
wird im englischen als "Lobe-Center" bezeichnet und beschreibt die optimale Einstellung des besagten
Zahnrades bei gegebener Steuerzeit in Relation zur Pleuelstellung des Motors (bei 90`Kurbelwinkel?).
Damit holen die Cracks ihre finalen Ergebnisse und wird nicht gerne d´rüber gesprochen.

Die Forums-Mathematiker können hier vieleicht helfen, wenn Du sowieso gerade Messungen machst.
Ich schaue auch gerne mal in meine Formelsammlung nach, für den letzten Kick, das dauert allerdings jetzt eine Weile..
Das macht den Spaß aus hier: man erinnert sich..

Gruß

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 26.01.2021, 10:17
von holzlenker
Servus,

paßt nur bedingt zum Thema.

https://translate.google.com/translate? ... ch&pto=aue

Hat mich interssiert, deshalb mal gegoogle't.

Ciao Lutz

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 26.01.2021, 13:01
von Don Rocket
Roller hat geschrieben: 25.01.2021, 22:10 Die Überprüfung der wahren Steuerzeiten ist der beste Ansatz.

Vor langer Zeit habe ich mal eine interessante Terminologie gehört für die mein Deutsch nicht ausreicht:
wird im englischen als "Lobe-Center" bezeichnet und beschreibt die optimale Einstellung des besagten
Zahnrades bei gegebener Steuerzeit in Relation zur Pleuelstellung des Motors (bei 90`Kurbelwinkel?).
Damit holen die Cracks ihre finalen Ergebnisse und wird nicht gerne d´rüber gesprochen.

Die Forums-Mathematiker können hier vieleicht helfen, wenn Du sowieso gerade Messungen machst.
Ich schaue auch gerne mal in meine Formelsammlung nach, für den letzten Kick, das dauert allerdings jetzt eine Weile..
Das macht den Spaß aus hier: man erinnert sich..

Das Einjustieren der Nockenwelle per Lobecentermethode ist eine feine Sache, und wenn man es einmal verstanden hat, auch absolut keine Hexerei.
Allerdings braucht es dafür verstellbare Nockenwellenantriebsräder und da fangen die Probleme auch schon an. Die einzige Möglichkeit, die ich spontan sehe, ist das Antriebszahnrad der Nockenwelle, welches man versetzt aufpressen kann.
Man muss also erstmal gucken, wo man steht und dann analog zur errechneten Lobecenterabweichung in Grad das Zahnrad umpressen.


Für die Berechnung braucht man das Datenblatt der Nockenwelle. Nehmen wir zum Beispiel die Cannonball Victory H von W&W, vorderer Zylinder:
186013.jpg
Einlass
- öffnet -6° vor OT
- schließt 46° nach UT
=> -6° + 180° (Konstante zwischen OT und UT) + 46 = 220° Öffnungszeit

Auslass
- öffnet 44° vor UT
- schließt 20° nach OT
=> 44° + 180° (Konstante zwischen UT und OT) + 20 = 244° Öffnungszeit

Soweit stimmen wir also mit dem Datenblatt überein, jetzt geht's an die Lobecenterberechnung; wir wollen errechnen, wo genau der theoretische Mittelpunkt der Öffnungszeit liegt (denn nix anderes ist der Lobecenter).

Einlass
Öffnungszeit / 2 (ergibt die Mitte zwischen öffnen und Schließen) - Überschneidung, Öffnung vor OT = Lobecenter in Grad nach OT
= > 220° : 2 - (-6) = 116°

Auslass
Öffnungszeit / 2 (ergibt die Mitte zwischen öffnen und Schließen) - Überschneidung, Öffnungt nach OT = Lobecenter in Grad vor OT
= > 244° : 2 - 20 = 102°

Diese Werte müssen jetzt per Gradscheibe und Messuhr überprüft werden. Dafür stellt man die Gradscheibe per Kolbenstopper genau auf OT. Dann drehen wir die KW solange bis die Messuhr einen Weg von - sagen wir - 1 mm anzeigt. Ein Blick auf die Gradscheibe und den Wert notieren. Dann drehen wir weiter, das Ventil öffnet komplett, senkt sich, und wenn die Messuhr wieder 1 mm anzeigt, gucken wir nochmal auf die Gradscheibe und notieren den Wert.
Mit den ermittelten Werten errechnen wir mittels obiger Formeln die Öffnungszeit und anschließend den Lobecenter. Angenommen das Ergebnis wäre 112° nach OT, also 4° zu früh könnte man das durch ein Umpressen des Nockenwellenantriebszahnrades um 2° korrigieren.

Das mag jetzt erstmal furchtbar kompliziert klingen, aber wenn man sich mal mit viel Ruhe an den Motor setzt, Messuhr und Gradscheibe positioniert, und sieht, was sich wann wie bewegt, werden die Zusammenhänge deutlich.


Ich habe das erst neulich an einem Kawasaki GPz1100 Unitrak Motor gemacht:
20201030_131830.jpg
IMG-20201030-WA0008.jpg
Was man leider nicht sieht, ist die Gradscheibe auf der Kurbelwelle. Man erkennt aber ganz deutlich, die Verdrehung der Nockenwellen anhand der Position der Schrauben in den Langlöchern, wobei ich aber hier die Spreizung um 4° verkleinert, die Lobecenter also näher zusammengerückt habe. Das geht mit Shovelhead & Co natürlich nicht, weil die ja eine gemeinsame Nockenwelle für Ein-und Aulass besitzen, aber man kann die Lobecenter parallel verschieben und damit Einfluss auf die Motorcharakteristik nehmen.

Aber auch, wenn man da nicht dran rumspielen will, ist die Methode perfekt um eine Nockenwelle exakt gemäß Datenblatt zu positionieren. Das ist dann Motortuning in seiner ursprünglichen Bedeutung, nämlich die vorhandenen Komponenten bestmöglich zu optimieren und in Einklang zu bringen.
Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem sei Ulf Penners Tuning Fibel wärmstens ans Herz gelegt: https://www.gaskrank.tv/motorrad-tuning ... zeiten.htm

Gruß
Dieter

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 26.01.2021, 23:03
von Roller
Dankeschön, das war die beste Nachhilfe seit Jahren!
ich möchte, wenn wir schon einmal dabei sind, nochmal das Thema darauf bringen und erweitern:

Welcher Lobe-Center-Grad bringt mit das beste Ergebnis für meinen Motor bezüglich Hub/Pleuellänge, bei gegebenen Größen wie
Köpfe/Ventile (Durchfluss), Ansaug-Manifold/Vergaser und Abgasanlage ? (Ich besaß da mal was..Such, such immer noch..)

Ich stelle das mal so ins Thema, weil oft nur die Steuerzeiten verglichen werden und die nicht immer zu besseren
Ergebnissen führen, weil im übertragenen Sinn "die Zündung" nicht richtig steht für das Modell; der erwartungsvolle Käufer ist enttäuscht,
weil der Kumpel mit kleineren Steuerzeiten und vieleicht besserer Konstellation besser unterwegs ist.
Der Einlass-LC ist konstruktionsbedingt bei unseren bikes zu vernachlässigen.
Game not over..?
Gruß
Gerd

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 27.01.2021, 09:28
von Don Rocket
Hallo Gerd,

das kann man so pauschal gar nicht sagen, die Antwort auf deine Fragen kennt nur der Prüfstand, wo du den Effekt einzelner Veränderungen sofort beurteilen kannst.

Ansonsten sollte der Ausgangspunkt zur Einstellung der Steuerzeiten immer das Datenblatt der Nockenwelle sein. Anhand dieer Daten stellst du die Lobecenter genau auf die errechneten Werte ein. Sollte kein Datenblatt vorhanden sein, musst du die aktuellen Steuerzeiten in 5° Schritten abnehmen, so wie hier auf dem Photo:
20201222_112129.jpg
Dann siehst du ganz genau, wo sich deine Lobecenter befinden, die Überschneidung liegt und wie groß die Spreizung ist. Bei dem Motor auf dem Photo lag die Überschneidung genau im OT, da habe ich dann nichts mehr weiter dran gemacht. Bei OHV Motoren mit einem elastischen Ventiltrieb kann man aber auch schon mal 5° vor den OT gehen.

Mehr kann ich dazu nicht sagen; Nockenwelle, Vergaser, Auspuff, Luftfilter, Ansauglänge, allgemeiner Zustand des Motors, das alles spielt eine Rolle und beeinflusst sich gegenseitig.

Gruß
Dieter

Re: Identifikation Nockenwelle

Verfasst: 27.01.2021, 13:46
von FLH_Hans
Da habe ich ja jetzt was in Gang gebracht... :D
Danke für eure zahlreichen Antworten!

Also Messuhren oder sogar komplette Messaufbauten habe ich nicht zur Verfügung. Dennoch finde ich das Thema echt spannend und interessant wieviel Leute hier doch soweit ins Detail gehen. Echt klasse, denn ich will nicht nur fahren sondern auch verstehen was, wie, warum und wo passiert.

Nichtsdestotrotz werde ich die Nockenwelle jetzt erstmal so drin lassen, weil sie sich kaum von der Andews J unterscheidet und ich kein Hochleistungsbike bauen will. Das mehr an Drehmoment bei geringen Drehzahlen sollte also auch die verbaute Nockenwelle liefern. Entscheidender ist es erst einmal die Vergaserprobleme in den Griff zu bekommen. Der CV hat nämlich überhaupt nicht auf Änderungen an der LLG-Schraube reagiert, weswegen ich von Falschluft - wahrscheinlich über den Auspuffflansch - ausgehe. Das hat sicherlich auch Auswirkungen auf die Leistung!

Also nochmals vielen Dank an alle. Ich hoffe dennoch, dass das Thema noch ein bisschen am Leben bleibt, weil ich es echt interessant finde!

Reingehauen
Hans