Hallo Maruski!
Aber von Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfen hast du ja nichts und daher ist der 1. Mai für dich einfach ein freier Tag.
Ich gebe das als Selbstständiger ganz ehrlich zu. Vom Klassenstandpunkt her ist der 1. Mai für mich DER Tag, an dem ich arbeite, geräuschvoll und offensichtlich.
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Ich finde ja auch nicht das jeder der Angestellte hat, diese ausbeutet. Da sehe ich durchaus viele Arbeitnehmer, die sich für ihre Arbeit korrekt entlohnt sehen und froh sind nicht den ganzen Stress eines Unternehmers zu haben. Lebensmodelle zielen halt nicht immer auf Gewinnmaximierung und die Mehrzahl der Menschen will ja eigentlich nur in Frieden durchs Leben kommen.
Wie so oft, gibt es beides im Leben, Ausbeutung von oben und Ausbeutung von unten: Zur Zeit verdiene ich mein Salär zum Teil damit, eine teilzeitangestellte Kollegin zu vertreten, die regelmäßig die gleiche Zeit, die sie Urlaub hat um Krankheit verlängert. Sie hat auch die angenehme Eigenschaft, Einsatzpläne, die ihr nicht passen durch Krankheitstage passend zu machen. Das ist bereits so zuverlässig einzuschätzen, dass wir für mich einen Einsatzplan danach aufstellen!
Bei meinem Vater in der Firma war ein Mitarbeiter, der regelmäßig die Montagskrankheit hatte, bis er einen nachdrücklichen Besuch von mir und meinem Bruder bekam. Danach war er - ein Wunder! - gesund. Er hatte später die angenehme Eigenschaft, aus dem Fertigteilelager Material verschwinden zu lassen, was er dann auf dem Trödelmarkt vertickte. Der zweite Besuch beendete dann das Arbeitsverhältnis auf eigenem Wunsch - noch ein Wunder!
Mein Vater hätte das nie so versucht zu erreichen, dazu war er einfach zu nett. Er ist gegen die Saufereien bei der Arbeit auch nicht eingeschritten. Seltsamerweise wollte der Werkstattmeister ihn dann mit 56 verklagen, wegen Säuferleber. Glücklicherweise (ja!) ist er ein paar Wochen später an selbiger verstorben.
Andererseits kenne ich einen Vermieter, der gerade eine Bekannte meiner Frau geschäftlich ruiniert hat. jetzt hat sie einen Haufen Schulden und er kriegt sein Geld auch nicht. Wie blöd von ihm. Aber er gilt allgemein als Mieterausbeuter.
Also Unternehmer finde ich eigentlich ja gut, solange die fair sind.
Am schlimmsten sind für mich die Unternehmer, die in Ihren Firmenblättern von ethischer Verantwortung sprechen und ihr Geld nach Liechtenstein bringen, Zumwinkel lässt grüßen. Hier wird eine Entsolidarisierung offenbar, die an die Grundsubtanz unseres Gemeinwesens geht. Ob das nun betriebswirtschaftlich gesprochen die "Externalisierung von Verlusten und die Internalisierung der Gewinne" meint, wie ein Ackermann, wenn er in der Bankenkrise nach dem Staat ruft, der die Verluste auffangen soll oder die Schwarzarbeit des sogenannten kleinen Mannes, der sich anschließend beklagt, dass die Sozialversicherungsbeiträge steigen und noch mehr Schwarzarbeit macht.
Aber es verwundert mich natürlich auch dieses Jahr wieder, wenn bei der Gesamtsituation von 1/5 der Arbeitnehmer in prekären finanziellen Verhältnissen nach Lohnschrumpfung, heimlicher Lohnsteuerprogression, allgemeinen und speziellen Preissteigerungen, heißlaufender Steuerschraube und allenhalben steigenden gesetzlichen Anforderungen (z.B. Umweltzohnen, Versicherungen, etc. pp.) nicht die Millionen Armen demonstrieren, sondern nur wieder die eher wohlhabenden GEWler und Parteifreaks marschieren.
Ja, das ist eigenartig.
Es demonstrieren eher die, welche Verlustängste haben, als die, die schon alles verloren haben. Ich habe hier ein Foto aus dem berliner Tagesspiegel von einer Demo liegen gehabt, auf denen schmerbäuchige Männer unter einem Plakat stehen, dass da lautet "Wir haben Hunger!" Verlustängste ja, aber Verluste?
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Wo sind die Hartz IV- und Globalisierungsopfer?
Sitzen zu Hause und merken nicht mal den Unterschied von 30. April und 1.Mai, weil es in deren Leben eben mittlerweile kaum noch Unterschiede zwischen den Tagen gibt.
Ja! Manch eine(r) ist sozial so degeneriert, dass ihm alles gleich ist.
Als in der Jugendarbeit tätiger ist es für mich immer wieder unfassbar, dass Jugendliche sich an solchen Vorbildern orientieren und dafür lügen und betrügen, dass einem die Spucke wegbleibt. Gestern gerade wieder in einer BvB erlebt. Das geht an die Nerven.
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Aber was schwaffel ich schon wieder? Aber an so Tagen erinnere ich mich das es mir 1990 noch (als 22 Jährigem zwischen Zivildienst und Studium) möglich war, mit harter Arbeit und etwas Unternehmungslust, mir meinen großen Traum des Shovelkaufs zu erfüllen. Für meinen Sohn wird es da wohl schon deutlich enger in Zukunft (Papas Geld ist genau das, was ihm meiner Ansicht nach alles kaputt machen würde).
Und das kotzt mich echt an!
Ist das zwingend so?
Ich versuche meinen Sohn zu einem sozial verantwortlichen Menschen zu erziehen. Dazu gehört auch die Solidarität der Alten mit den Jungen, der Starken mit den Schwachen. Mir ist klar, dass ich heute schon Vorsorge für sein Morgen Sorge tragen muss. Und dass er es eines Tages für seine Kinder auch so tun muss. Und mir ist klar, dass es - egal wie dreckig es mir geht - immer welche gibt, denen es dreckiger geht als mir. Also kann ich eigentlich immer etwas abgeben.
Gruß, Christian