Bike-Buch-Tipp-Thread
Verfasst: 02.11.2011, 08:59
Hallo Leute,
mal ein paar Buchtips:
Ralph „Sonny“ Barger: Hells Angels. Barger beschreibt seinen Werdegang als Jugendlicher bis zum „alten Herren“ im HAMC, mit allen Exzessen wie Drogen, Gewalt, Verbrechen, Schlägereien und Knast. Leicht lesbar, in seiner dumpfen Gewalttätigkeit aber abstoßend. Auch nicht immer ganz glaubwürdig, wenn er das amerikanische Rockerleben stilisiert. In diesem Buch wird all das beschrieben, was manche Dumpfbacke das Leben in einem Rockerclub anziehend macht. Über die Hintergründe erfährt man nichts, Barger hält sich an das mafiöse Gesetz des Schweigens, die Omerta und liefert teilweise eine gut geschriebene Propaganda für die HA ab. Dennoch ist das Buch eine gute Milieustudie, da es die nach Außen sichtbaren Erscheinungsformen wie Gewalt und Gruppenkonformität der amerikanischen Rockerkultur, wie sie nicht nur für die HA gelten, gut darstellt.
Klaus „Hüpper“ Wagner: Der Freeway Rider. Mein deutsches Rockerleben. Das Freeway-Riders-Gründungsmitglied und Chapter-Presi Klaus Wagner ist das deutsche Pendant zu Sonny Barger, aber weniger gewalttätig und mehr reflektiert. Gut lesbar beschreibt Wagner seinen Werdegang vom Jugendlichen mit Kleinkraftrad zum Rocker mit schwerem Motorrad. Auch hier erfährt man Hintergründiges nicht, trotzdem Wagner nicht verschweigt, dass er im Knast gesessen und im Rotlichtmilieu als Zuhälter gearbeitet hat. Deutlich wird, dass Wagner Freiheit als Selbstbestimmung auffasst und dafür seinen Weg zu gehen bereit ist, auch wenn er dafür zeitweilig im Knast landet.
Michael Ahlsdorf : Alles über Rocker. Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen: Eher lexikalisch angelegt, werden hier die grundlegenden Fragen beantwortet, die sich jeder schon einmal gestellt hat, sei es um Begriffe wie 1-Prozenter, Patches oder Vereinsstrukturen, oder die Geschichten und Legendenbildungen zur Rockerkultur. Natürlich werden nicht die speziellen Informationen aus dem Innenleben eins Clubs gegeben, aber doch die Informationen, die man wissen sollte, wenn man sich in dieser Subkultur bewegt. Manche kritisieren die Verniedlichung der 1%-er, andere dass nicht alle Angaben korrekt sind, insgesamt ein gutes Einsteigerbuch.
Aussteiger-Literatur gibt es natürlich auch. Sie ist schonungsloser und legt die Stellen bloß, die von den Clubs verschwiegen oder bestritten werden offen:
Hunter S. Thompson: Hells Angels. Das von den Angels am meisten bekämpfte und geschmähte Buch. Der Journalist Thompson hat ein Jahr lang in den 60ern die Hells Angels in ihrem exzessiven Lebenstil begleitet und daraus ein Buch gemacht, welches auch die schlechten Seiten der Vereinskultur nicht ausspart. Thompson gilt den HA als Ratte und musste zeitweilig untertauchen. Dazu werden auch manche Übertreibungen beigetragen haben. Fakt ist, dass nicht nur die HA keine Chorknaben sind und Thompson genau das beschreibt.
Bad Boy Ulli: Höllenritt. Ein deutscher Hells Angel packt aus. Ulrich Detrouis erzählt eine Geschichte aus Gewalt, Drogen und Lügen und zeigt die organisierte Kriminalitä als Hintergrundfolie des Clubs auf. Als ehemaliger Vizepresi mit Zugang zu den wichtigsten Insider-Infos kann Bad Boy Ulli fundiert über die kriminellen Machenschaften berichten. Aus dem Klappentext: „Dies ist die Geschichte von Bad Boy Uli. Er erzählt, wie er zu seinem ersten Bordell kam, und später ein Hells Angel wurde. Er nimmt uns mit auf seine Touren zu seinen Brüdern in der Südsee, in Südafrika und in den USA. Er berichtet von den deutschen Clubs, ihren Strukturen und ihren geheimen Regeln. Und er räumt mit dem Easy-Rider-Mythos von Freiheit und Abenteuer auf. Denn Hells Angels geht es vor allem um eines: Um viel Geld. Bad Boy Uli beschreibt kriminelle Geschäfte mit Waffen, mit Drogen und mit Prostitution. Noch nie hat ein führender deutscher Hells Angel so offen ausgepackt. Noch nie haben Außenstehende einen so tiefen Einblick in diese geheimnisvolle und gefährliche Welt erhalten.“ Detrouis kritisiert auch die Machenschaften derer, die - besonders in Deutschland - als Member den Club und andere Member für sich ausnutzen. Auch die Probleme mit dem unkontrollierten Wachstum werden thematisiert.
Alex Caine: Mister Undercover. Wie ich die Hells Angels, Bandidos, ein Heroinkartell und den Ku-Klux-Klan unterwanderte. Der ehemalige V-Mann infiltrierte verschiedene kriminelle Organisationen und berichtet detailliert und spannend aus deren Innenleben. Caine stammt selber aus schwierigen Verhältnissen und hatte eine große Affinität zur kriminellen Subkultur, bevor er die Seiten wechselte und sich als V-Mann der kanadischen und amerikanischen Polizei zur Verfügung stellte um kriminelle Gangs auszuschalten. Ein schockierend ehrliches Buch, das auch vor Kritik an den eigenen Reihen nicht haltmacht.
Und wer sich für die englischen Rockers (mit „s“ hinten dran!) interessiert:
Johnny Stuart: Rockers. King of the road. Das harte Leben und der Lifestyle der Ton-Up-Boys wird beschrieben. Was in den 50ern und den 60ern der Lebensstil junger arbeitender Männer war und heute noch auf der Insel en Mass Rockers zum ACE Cafe zieht, wird hier einfühlsam und mit vielen Bildern ausgestattet beschrieben. Ein Klassiker, allerdings in englisch, der nur noch im Internet gebraucht zu haben ist.
Den Freunden der Brit-Twin-Cafe-Racern seien diese Bücher empfohlen:
Cafe Racers. Riders and Lifestyle. A Pictorial Review (engl.). Eine Sammlung historischer Brit-Moppeds in Bildern. Auch der Clash zwischen Rockers und Mods kommt nicht zu kurz. Die Ursprünge der Rockerskultur, die Maschen und die Typen auf ihnen werden beschrieben und bebildert.
The Cafe Racer Phenomenon (engl.). Der weltweit größte Motorradclub, der 59 Club und das legendäre wiedererstandene Ace Cafe sowie die britsichen Legenden der Rockerskultur werden hier beschrieben. Auch die Cafe Racer der verschiedenen Dekaden kommen nicht zu kurz.
Or Glory (deutsch). Das Buch beschreibt nicht nur die Brit-Twins, sondern auch den Lifestyle und die Musik der britischen Untamed Youth der 50er und 60er Jahre mit ihren Ursprüngen zum Teil noch vor dem 2. Weltkrieg und ihren Einflüssen auf die heutige britische Bikerkultur, die immer noch sehr stark am Ursprünglichem festhält und darum eine völlig andere Entwicklung als die deutsche Rockerkultur mit ihrem – man ist schon fast geneigt, zu sagen – MC-Unwesen genommen hat.
Gruß, Christian
mal ein paar Buchtips:
Ralph „Sonny“ Barger: Hells Angels. Barger beschreibt seinen Werdegang als Jugendlicher bis zum „alten Herren“ im HAMC, mit allen Exzessen wie Drogen, Gewalt, Verbrechen, Schlägereien und Knast. Leicht lesbar, in seiner dumpfen Gewalttätigkeit aber abstoßend. Auch nicht immer ganz glaubwürdig, wenn er das amerikanische Rockerleben stilisiert. In diesem Buch wird all das beschrieben, was manche Dumpfbacke das Leben in einem Rockerclub anziehend macht. Über die Hintergründe erfährt man nichts, Barger hält sich an das mafiöse Gesetz des Schweigens, die Omerta und liefert teilweise eine gut geschriebene Propaganda für die HA ab. Dennoch ist das Buch eine gute Milieustudie, da es die nach Außen sichtbaren Erscheinungsformen wie Gewalt und Gruppenkonformität der amerikanischen Rockerkultur, wie sie nicht nur für die HA gelten, gut darstellt.
Klaus „Hüpper“ Wagner: Der Freeway Rider. Mein deutsches Rockerleben. Das Freeway-Riders-Gründungsmitglied und Chapter-Presi Klaus Wagner ist das deutsche Pendant zu Sonny Barger, aber weniger gewalttätig und mehr reflektiert. Gut lesbar beschreibt Wagner seinen Werdegang vom Jugendlichen mit Kleinkraftrad zum Rocker mit schwerem Motorrad. Auch hier erfährt man Hintergründiges nicht, trotzdem Wagner nicht verschweigt, dass er im Knast gesessen und im Rotlichtmilieu als Zuhälter gearbeitet hat. Deutlich wird, dass Wagner Freiheit als Selbstbestimmung auffasst und dafür seinen Weg zu gehen bereit ist, auch wenn er dafür zeitweilig im Knast landet.
Michael Ahlsdorf : Alles über Rocker. Die Gesetze, die Geschichte, die Maschinen: Eher lexikalisch angelegt, werden hier die grundlegenden Fragen beantwortet, die sich jeder schon einmal gestellt hat, sei es um Begriffe wie 1-Prozenter, Patches oder Vereinsstrukturen, oder die Geschichten und Legendenbildungen zur Rockerkultur. Natürlich werden nicht die speziellen Informationen aus dem Innenleben eins Clubs gegeben, aber doch die Informationen, die man wissen sollte, wenn man sich in dieser Subkultur bewegt. Manche kritisieren die Verniedlichung der 1%-er, andere dass nicht alle Angaben korrekt sind, insgesamt ein gutes Einsteigerbuch.
Aussteiger-Literatur gibt es natürlich auch. Sie ist schonungsloser und legt die Stellen bloß, die von den Clubs verschwiegen oder bestritten werden offen:
Hunter S. Thompson: Hells Angels. Das von den Angels am meisten bekämpfte und geschmähte Buch. Der Journalist Thompson hat ein Jahr lang in den 60ern die Hells Angels in ihrem exzessiven Lebenstil begleitet und daraus ein Buch gemacht, welches auch die schlechten Seiten der Vereinskultur nicht ausspart. Thompson gilt den HA als Ratte und musste zeitweilig untertauchen. Dazu werden auch manche Übertreibungen beigetragen haben. Fakt ist, dass nicht nur die HA keine Chorknaben sind und Thompson genau das beschreibt.
Bad Boy Ulli: Höllenritt. Ein deutscher Hells Angel packt aus. Ulrich Detrouis erzählt eine Geschichte aus Gewalt, Drogen und Lügen und zeigt die organisierte Kriminalitä als Hintergrundfolie des Clubs auf. Als ehemaliger Vizepresi mit Zugang zu den wichtigsten Insider-Infos kann Bad Boy Ulli fundiert über die kriminellen Machenschaften berichten. Aus dem Klappentext: „Dies ist die Geschichte von Bad Boy Uli. Er erzählt, wie er zu seinem ersten Bordell kam, und später ein Hells Angel wurde. Er nimmt uns mit auf seine Touren zu seinen Brüdern in der Südsee, in Südafrika und in den USA. Er berichtet von den deutschen Clubs, ihren Strukturen und ihren geheimen Regeln. Und er räumt mit dem Easy-Rider-Mythos von Freiheit und Abenteuer auf. Denn Hells Angels geht es vor allem um eines: Um viel Geld. Bad Boy Uli beschreibt kriminelle Geschäfte mit Waffen, mit Drogen und mit Prostitution. Noch nie hat ein führender deutscher Hells Angel so offen ausgepackt. Noch nie haben Außenstehende einen so tiefen Einblick in diese geheimnisvolle und gefährliche Welt erhalten.“ Detrouis kritisiert auch die Machenschaften derer, die - besonders in Deutschland - als Member den Club und andere Member für sich ausnutzen. Auch die Probleme mit dem unkontrollierten Wachstum werden thematisiert.
Alex Caine: Mister Undercover. Wie ich die Hells Angels, Bandidos, ein Heroinkartell und den Ku-Klux-Klan unterwanderte. Der ehemalige V-Mann infiltrierte verschiedene kriminelle Organisationen und berichtet detailliert und spannend aus deren Innenleben. Caine stammt selber aus schwierigen Verhältnissen und hatte eine große Affinität zur kriminellen Subkultur, bevor er die Seiten wechselte und sich als V-Mann der kanadischen und amerikanischen Polizei zur Verfügung stellte um kriminelle Gangs auszuschalten. Ein schockierend ehrliches Buch, das auch vor Kritik an den eigenen Reihen nicht haltmacht.
Und wer sich für die englischen Rockers (mit „s“ hinten dran!) interessiert:
Johnny Stuart: Rockers. King of the road. Das harte Leben und der Lifestyle der Ton-Up-Boys wird beschrieben. Was in den 50ern und den 60ern der Lebensstil junger arbeitender Männer war und heute noch auf der Insel en Mass Rockers zum ACE Cafe zieht, wird hier einfühlsam und mit vielen Bildern ausgestattet beschrieben. Ein Klassiker, allerdings in englisch, der nur noch im Internet gebraucht zu haben ist.
Den Freunden der Brit-Twin-Cafe-Racern seien diese Bücher empfohlen:
Cafe Racers. Riders and Lifestyle. A Pictorial Review (engl.). Eine Sammlung historischer Brit-Moppeds in Bildern. Auch der Clash zwischen Rockers und Mods kommt nicht zu kurz. Die Ursprünge der Rockerskultur, die Maschen und die Typen auf ihnen werden beschrieben und bebildert.
The Cafe Racer Phenomenon (engl.). Der weltweit größte Motorradclub, der 59 Club und das legendäre wiedererstandene Ace Cafe sowie die britsichen Legenden der Rockerskultur werden hier beschrieben. Auch die Cafe Racer der verschiedenen Dekaden kommen nicht zu kurz.
Or Glory (deutsch). Das Buch beschreibt nicht nur die Brit-Twins, sondern auch den Lifestyle und die Musik der britischen Untamed Youth der 50er und 60er Jahre mit ihren Ursprüngen zum Teil noch vor dem 2. Weltkrieg und ihren Einflüssen auf die heutige britische Bikerkultur, die immer noch sehr stark am Ursprünglichem festhält und darum eine völlig andere Entwicklung als die deutsche Rockerkultur mit ihrem – man ist schon fast geneigt, zu sagen – MC-Unwesen genommen hat.
Gruß, Christian