@capt`n
Was ich mich frage ist warum sich der "kleine Mann" immer aufregt, wenn das, was ihm angeboten wird verteuert wird, aber sich so elend sträubt das Spiel einfach mitzuspielen und das was er anbietet (seine Arbeitskraft) auch verteuert sehen sollte?
Abhier wieder ein längerer Text nur für Freiwilligleser: At oen risk.
Ein Austausch läuft doch nur fair nach gleichen Regeln und da ist es einfache Logik, das jeder Geber/Anbieter seine Leistung im Wert steigern muss, damit die Relation gewahrt bleibt.
Nicht mehr und nicht weniger gebe ich zu bedenken.
Es ist doch letztlich schnurtzpiepeegal was der Liter Sprit kostet, solange man entsprechend verdient.
Waum also über einen klitzekleinen Aspekt der Relation schimpfen und nicht erkennen, das das ganze Spiel eben seit einiger Zeit nicht mehr fair gespielt wird.
Ich würde mich sogar freuen über eine 4% Steigerung der Lebvenshaltungskosten - solange mein Lohn auch um 4% steigt, da der frei verfügbare Lohnanteil (das ist das was nach Zahlung aller Lebensnotwendigkeiten überbleibt) dann ja auch um 4% wachsen würde.
Aber seit ca. 2000 ist irgendwie das Bewußtsein für Fairness im Austausch zwischen den Beteiligten in üble Schieflage gekommen.
Natürlich hast der capt`n, Recht, das man sich über alles ärgert das einseitig teurer wird.
Aber logisch betrachtet ärgert man sich nicht über das "Teurer-werden", sondern um das "Einseitig-teurer-werden"
Ich plädiere ja eben nur für eine beidseitige faire Verteuerung (weil unser Wirtschaftssystem leider ein Wachstum braucht, das wir mathematisch abstrakt unendlich halten, um nicht zu verzweifeln).
Und da ist das Ärgern über einzelen Preisexesse eben hinderlich, da es den Blick auf das echte Problem verschleiert.
Warum nur sind die Arbeitnehmer also nun so vehement gegen Lohnerhöhungen?
Wie wirkungsvoll ist das Brainwash über die Jahre, das der Arbeiter sich einer fairen Bezahlung (die eben die Relation zu den Preisen sicher stellt) wiedersetzt?
Ich bin immer wieder fassunglos, das das so tief im Volke verankert ist.
Ich möchte für den teil meiner Lebenszeit, die ich meinem Arbeitgeber verkaufe, so gut entlohnt werden, das ich würdevoll (ohne Jammern) am Konsum zur Erhaltung meiner Arbeitskraft teilnehmen kann, meine Kinder anständig großziehe (was auch eine Staatsicherung ist) und ein wenig "Spielgeld" überhabe, um mich auch psychisch regenerieren zu können - Shovel fahren gehört da sehr zu.
Und ich bin der Meinung das das nicht übertrieben hohe Ansprüche sind.
Henry Ford - bestimmt kein guter Freund der Arbeitnehmer, hatte erkannt das er nur massenhaft Autos verkaufen kann, wenn es auch massenhaft Leute gibt, die sich massenhaft Autos kaufen können.
Man hat ihn für Irrsinnig erklärt und idiotischerweise als Sozialisten verdächtigt, als er folgendes umsetzte:
"Henry Ford hatte eine besondere Einstellung zu seinen Beschäftigten. Sie hatten einen Acht-Stunden-Arbeitstag und bekamen 1913 bereits einen Lohn von fünf US-Dollar pro Tag – deutlich über dem damals üblichen Niveau (Effizienzlohn). Während der Spitzenproduktion des Modell T um 1918 erhöhte sich dieser Betrag sogar noch auf sechs Dollar. Ford bot seinen Arbeitern auch ein neuartiges System zur Gewinnbeteiligung an. Dass die Löhne bei Ford das bis dahin übliche um mehrere hundert Prozent überstiegen, war nach Fords eigener wiederholter Aussage wirtschaftliches Kalkül: Er wollte nicht die persönliche Situation seiner Arbeiter verbessern, sondern die Kaufkraft der Arbeiterschaft massiv stärken, um den Absatz massengefertigter Produkte wie seiner Autos zu gewährleisten. Damit schuf Ford die Grundlagen der Konsumgesellschaft, wie sie für das 20. Jahrhundert typisch war. Auch die gestiegene Freizeit der Arbeiter sollte der Nachfrage nach Produkten und deren Abnutzung durch die Verwendung dienen."
http://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Ford
Huxley hat diesen "Fordismus" in "Schöne neue Welt" zur Staatsreligion erhoben und gezeigt wie eine Variante ausgehen könnte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ne_neue_Welt
bei den Kulthandlungen gucken.
Was ist also bei uns geschehen, das sich jeder im Lande gegen eine 100%ige Lohnsteigerung wehren würde, obwohl Henry Ford bewiesen (und nicht vermutet) hat, das viel Lohn viel Gewinn bedeutet?
Unsere Binnenkonjunktur ist in Deutschland lausig, im Vergleich zu der Produktivität eines deutschen Industriearbeiters und unisono wird man angefeindet, wenn angedacht wird, das nicht die Preise zu hoch, sondern die Löhne zu niedrig sind.
Und die 10-15%, die die Sahne abgreifen konsumieren nicht, sondern sie sparen wie die Irren und entziehen dem Abeits- und Konsumkreislauf Kapital, das sie wiederum einsetzen, um durch Zinsen arbeistfreies Einkommen zu generieren.
Die Anbieter können es sich nicht erlauben die kreditfinanzierte Produktion durch stagnierende Warenpreise zu gefährden (sie brauchen entweder Kostensenkungen durch effizientere Produktivität oder durch Lohnkürzungen oder Mehreinnahmen durch Preissteigerungen).
Warum nur können es sich die Arbeitnehmer leisten ihre "Ware" im Preis stagnieren zu lassen?
Wie setzen die Arbeitnehmer diese Kürzungen durch?
Durch effizientere Produktivität - man arrangiert sich (mühsam und ärgerlich) bei der Wiederherstellung der eigenen Arbeitskraft (oder der Erziehung und Einfügung der Kinder in das System). Oder?
Ich finde das ist fahrlässig, da damit die Reproduktion der Arbeitsfähigkeit (Ware der Arbeitnehmer) immer schlechter wird und dazu noch das Modell Ford nicht läuft.
Auf lange Sicht werden so die Arbeiter immer schlechter (durch mangelnde Regeneration ihrer Arbeitskraft - was auch die Muse zur Qualifikation/Ausbildung einschließt) und können die Konjunktur dazu auch noch immer weniger am laufen halten (weil ihnen das Konsummittel Geld fehlt).
So sieht das Fundament einer dauerhaften Kriese aus.
Spritpreise sind da total irrelevant und müssen als spezifische Ware auch stärker steigen, da die Ölmultis sehr wenig Personalkosten sparen können und die Inovationen im Erdölbereich sich auch in Grenzen halten (es wird eher teurer neue Quellen auszubeuten) bleibt denen nur die Preissteigerung.
Mercedes würde in so einem Fall eben die Löhne stehen lassen oder ne neue Partnerschaften zur Kostensenkung anpeilen.
Gruß vom Wiesenrand.
Maruski