Uhi Gerry, das sind mal echt harte Worte.
Ich finde ja den Film extrem vielschichtig und alleine als Zeitdokument sehr interessant.
Er ist selbst nach bestimmt 50. Mal sehen immer in den Details wieder neu für mich, da ich dort Botschaften aus der Vergangenheit sehe, die dem Denken in der Gegenwart nicht schaden.
Die Geschichte, die durch die Bilder in einem oberflächlichen Zusammenhang erzählt wird, ist natürlich etwas simpel und sicherlich so zu werten wie du es machst.
Und der "Kult", der um diese oberflächliche Storry gehyped wird, nervt teilweise schon gewaltig.
Alles was cool sein soll ist EasyRider.
Aber die zweite Geschichte, die durch die benutzen Symbole in den einzelnen Szenen erzählt wird, ist sehr tiefgründig.
Ich habe ja (nach Lektüre von sehr viel englischer Begleitliteratur) den Verdacht, das weder Hopper noch Fonda (die eher flachköpfig Radau machen wollten), sondern der echte Drehbuchautor Terry Southern (Wiki :
http://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Southern) diese symbolische Geschichte in der Storry bewusst versteckt hatte.
Den haben die dann auch klassisch ausgebootet und aus dem subtilen Kunstwerk (Originaldrehbuch) dann ein Stück passender Popkultur gemacht.
Gleiches gilt für die beiden (eigentlich vier oder fünf) Bikes, die von schwarzen Mechanikern (Cliff Vaughs und Benjamin Hardy) aus kaputten Polizeimaschinen und günstigen Teilen zusammengekloppt wurden, um die symbolische Botschaften der einzelnen Szenen, ebenfalls durch symbolische Übertreibungen und versteckte wie offensichtlichen Botschaften gekennzeichnet, zu verbinden.
Dazu dann die dritte Geschichte, die durch die verwendete Musik, in beinahe irrealer Passgenauigkeit mit den Bildern/Einstellungen/Beleuchtung und Schnitt als durchgehende Kulturkritik erzählt wird.
Es kommt bei dem Film darauf an mit welchen Erwartungen und welchen Meinungen (also den Vorurteilen) man ihn sieht.
Entsprechend vorgezinkt wird daraus dann ein Konzert der abgefahrenen Sequenzen, von denen mir einige aber auch immer noch eher skuril und unerklärlich (ja schwer unpassend) vorkommen.
Aber ich bin ja auch kein Amerikaner, der in den späten 50ern oder frühen 60ern seine Sekundärsozialisation in der damaligen Gesellschaft komplettiert hat und daher alle kulturell relevanten Botschaften bewusst (Verstand) oder unbewusst (Gefühl) dekodieren kann.
Fonda hatte mal gar keine Scheckung von dem was er da gemacht hat und konnte nicht mal richtig Motorrad fahren. Privat kotzte ihn, als Söhnchen aus reichem Elternhaus, das alles an und er war bei den Dreharbeiten sehr genervt von dem Bike.
Später dann änderte er seine Erinnerungen und zog sich den Schuh über, der ihm nie gepasst hat (siehe den peinlichen Wild Hog Auftritt oder in Ghost Rider).
Hopper mochte zwar das Motorradfahren auch privat, aber nicht mit den schweren unpraktischen Harleys.
Der spätere Mann aus den Bergen (Dan Haggarty) war damals gar kein Schauspieler (Kollege), sondern wurde angeheuert (unbezahlt), um die Hocker zu starten und kam nur durch seine sympathisches Wesen und passende Erscheinung bei der Hippie-Szene mit ins Bild.
Geschenkt oder bezahlt hat der dafür nie was bekommen.
Von wem auch?
Da er die Hocker "betreut" hat, lag es nahe sie ihm anzudichten, nachdem die Chaostruppe zum Ende hin alle Fäden aus den Händen verlor und nahezu Anarchie herrschte (Hopper ist zeittypisch klassisch abgedreht) und nach dem Erfolg die Fragen da waren.
Der unerwartete Erfolg hat dann die Geschichte so verändert, wie sie heute daherkommt.
Und das esjetzt ein total bekloppt überteuertes Originalbike geben soll? Passt doch zu dem Zirkus.
Mein abgefahrenstes Mal "Easy Rider" war Nachts auf nem Heuballen beim Wernerrennen in Hartenholm, nachdem ich die Schroeder Road Show gesehen hab und BAP mal echt scheiße fand.
Der "Easy Rider Film" in der Kullisse dort hat mir damals die Nacht gerettet.
War noch einer hier aus dem Forum vor Ort (hab einige alte Harleys dort gesehen - selber fuhr ich da noch ne olle mattschwarze, handgesprayte Z)?
Auch habe ich mal Anfang der 90er auf den Florida Keys, in so ner fiesen Fischerspelunke mit absoluten Nichtbikern (Fischern und anderem Gesockse) den Film gesehen und werde nie vergessen wie die Oldtimer dann anfingen einzelne Szenen mit "Real Storrys" aus ihrem Leben zu kommentieren.
Die haben Parallelen zwischen Film und ihren privaten Erinnerungen aufgemacht, die absolut abgefahren waren.
Amis sehen da mehr als wir.
Scheiße ist ein hartes Wort Gerry.
Der Zugang zu dem Film ist immer nur so, wie man es sich vornimmt, bzw. man sieht, was man sehen will.
Gruß vom Wiesenrand
Maruski