Roller hat geschrieben: 25.01.2021, 22:10
Die Überprüfung der wahren Steuerzeiten ist der beste Ansatz.
Vor langer Zeit habe ich mal eine interessante Terminologie gehört für die mein Deutsch nicht ausreicht:
wird im englischen als "Lobe-Center" bezeichnet und beschreibt die optimale Einstellung des besagten
Zahnrades bei gegebener Steuerzeit in Relation zur Pleuelstellung des Motors (bei 90`Kurbelwinkel?).
Damit holen die Cracks ihre finalen Ergebnisse und wird nicht gerne d´rüber gesprochen.
Die Forums-Mathematiker können hier vieleicht helfen, wenn Du sowieso gerade Messungen machst.
Ich schaue auch gerne mal in meine Formelsammlung nach, für den letzten Kick, das dauert allerdings jetzt eine Weile..
Das macht den Spaß aus hier: man erinnert sich..
Das Einjustieren der Nockenwelle per Lobecentermethode ist eine feine Sache, und wenn man es einmal verstanden hat, auch absolut keine Hexerei.
Allerdings braucht es dafür verstellbare Nockenwellenantriebsräder und da fangen die Probleme auch schon an. Die einzige Möglichkeit, die ich spontan sehe, ist das Antriebszahnrad der Nockenwelle, welches man versetzt aufpressen kann.
Man muss also erstmal gucken, wo man steht und dann analog zur errechneten Lobecenterabweichung in Grad das Zahnrad umpressen.
Für die Berechnung braucht man das Datenblatt der Nockenwelle. Nehmen wir zum Beispiel die Cannonball Victory H von W&W, vorderer Zylinder:
Einlass
- öffnet -6° vor OT
- schließt 46° nach UT
=> -6° + 180° (Konstante zwischen OT und UT) + 46 = 220° Öffnungszeit
Auslass
- öffnet 44° vor UT
- schließt 20° nach OT
=> 44° + 180° (Konstante zwischen UT und OT) + 20 = 244° Öffnungszeit
Soweit stimmen wir also mit dem Datenblatt überein, jetzt geht's an die Lobecenterberechnung; wir wollen errechnen, wo genau der theoretische Mittelpunkt der Öffnungszeit liegt (denn nix anderes ist der Lobecenter).
Einlass
Öffnungszeit / 2 (ergibt die Mitte zwischen öffnen und Schließen) - Überschneidung, Öffnung vor OT = Lobecenter in Grad nach OT
= > 220° : 2 - (-6) =
116°
Auslass
Öffnungszeit / 2 (ergibt die Mitte zwischen öffnen und Schließen) - Überschneidung, Öffnungt nach OT = Lobecenter in Grad vor OT
= > 244° : 2 - 20 =
102°
Diese Werte müssen jetzt per Gradscheibe und Messuhr überprüft werden. Dafür stellt man die Gradscheibe per Kolbenstopper genau auf OT. Dann drehen wir die KW solange bis die Messuhr einen Weg von - sagen wir - 1 mm anzeigt. Ein Blick auf die Gradscheibe und den Wert notieren. Dann drehen wir weiter, das Ventil öffnet komplett, senkt sich, und wenn die Messuhr wieder 1 mm anzeigt, gucken wir nochmal auf die Gradscheibe und notieren den Wert.
Mit den ermittelten Werten errechnen wir mittels obiger Formeln die Öffnungszeit und anschließend den Lobecenter. Angenommen das Ergebnis wäre 112° nach OT, also 4° zu früh könnte man das durch ein Umpressen des Nockenwellenantriebszahnrades um 2° korrigieren.
Das mag jetzt erstmal furchtbar kompliziert klingen, aber wenn man sich mal mit viel Ruhe an den Motor setzt, Messuhr und Gradscheibe positioniert, und sieht, was sich wann wie bewegt, werden die Zusammenhänge deutlich.
Ich habe das erst neulich an einem Kawasaki GPz1100 Unitrak Motor gemacht:
Was man leider nicht sieht, ist die Gradscheibe auf der Kurbelwelle. Man erkennt aber ganz deutlich, die Verdrehung der Nockenwellen anhand der Position der Schrauben in den Langlöchern, wobei ich aber hier die Spreizung um 4° verkleinert, die Lobecenter also näher zusammengerückt habe. Das geht mit Shovelhead & Co natürlich nicht, weil die ja eine gemeinsame Nockenwelle für Ein-und Aulass besitzen, aber man kann die Lobecenter parallel verschieben und damit Einfluss auf die Motorcharakteristik nehmen.
Aber auch, wenn man da nicht dran rumspielen will, ist die Methode perfekt um eine Nockenwelle exakt gemäß Datenblatt zu positionieren. Das ist dann Motortuning in seiner ursprünglichen Bedeutung, nämlich die vorhandenen Komponenten bestmöglich zu optimieren und in Einklang zu bringen.
Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem sei Ulf Penners Tuning Fibel wärmstens ans Herz gelegt:
https://www.gaskrank.tv/motorrad-tuning ... zeiten.htm
Gruß
Dieter